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„Die Firma dankt“, ARD Zeit der Kannibalen

„Die Firma dankt“ ist eine kafkaeske Wirtschaftssatire mit Thomas Heinze als Abteilungsleiter eines feindlich übernommenen Unternehmens, der verzweifelt um seinen Job kämpft.

FilmMittwoch im Ersten
Adams größte Befürchtung ist eingetreten: Er wird genötigt, die Firma zu verlassen. Wie zum Hohn macht John (Fabian Hinrichs) noch ein Abschiedsfoto. Foto: SWR/Alexander Kluge

Es gibt nicht viele historische Persönlichkeiten, deren Name zu einem Adjektiv geworden ist, und kaum einer der entsprechenden Begriffe weckt so unangenehme Assoziationen wie das Wort „kafkaesk“. Es steht für den aussichtslosen Kampf eines Individuums gegen mysteriöse Mächte und ist damit das perfekte Prädikat für das Theaterstück „Die Firma dankt“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. 

Das Drama wie auch die Adaption durch Paul Harather handeln von einem Abteilungsleiter, dessen nicht weiter bezeichnetes Unternehmen von einem Konsortium internationaler Investoren übernommen worden ist. Die neuen Besitzer haben sämtliche seiner Kollegen entlassen; einzig Adam Krusenstern (Thomas Heinze) ist zum Wochenendseminar ins Gästehaus der Firma eingeladen worden.

Natürlich  macht er sich Hoffnungen, dass er weiter beschäftigt wird, aber die Zuversicht weicht einer zunehmenden Verunsicherung, weil ihn John und Ella (Fabian Hinrichs, Nora Waldstätten), die Repräsentanten der neuen Besitzer, ständig mit widersprüchlichen Botschaften verwirren: Einerseits soll er sich entspannen, andererseits wird moniert, dass er keine Initiative zeigt.

Also lädt er alle Anwesenden zu einem Treffen, um das weitere Vorgehen zu organisieren, aber auf Gegenliebe stößt allein sein nicht ernst gemeinter Partyvorschlag. Als er nach einer Nacht im unfreiwilligen Drogenrausch doch noch gefeuert wird und sich die ganze Veranstaltung als Farce entpuppt, kommt es zum Eklat; aber selbst das ist noch nicht das Ende dieses verrückten Wochenendes.

Harather ist bereits 2015 mit Hübners „Blütenträume“ eine vorzügliche Adaption gelungen; Andreas Schäfauers Bildgestaltung lässt auch diesmal wieder vergessen, dass der Film auf einem Bühnenstück basiert. Die Handlung spielt sich zwar größtenteils im luxuriösen Gästehaus ab (gedreht wurde auf der Bühler Höhe bei Baden-Baden), aber Schäfauer hat den Film trotzdem in „Breitwand“ gefilmt (so heißt übrigens auch Harathers Produktionsfirma), sodass die großzügigen Räumlichkeiten gerade bei den für einen Fernsehfilm eher ungewöhnlichen Totalen gut zur Geltung kommen.

Der Regisseur platziert die Figuren dabei gern an den jeweiligen Bildrändern, was Krusensterns Außenseiterstatus noch betont. Für Thomas Heinze, vielbeschäftigt, aber beispielsweise als Chef in der ZDF-Krimireihe „Marie Brand und …“ nur selten wirklich gefordert, ist diese Figur eine jener Rollen, auf die die meisten Schauspieler ihr Leben lang vergeblich warten. Der Abteilungsleiter, ein Perfektionist, der selbst am Kickertisch die Spieler gerade rückt, steht für Firmenkultur alter Schule und versucht um jeden Preis, die Contenance zu wahren. Krusenstern ist es gewohnt, zu planen, zu organisieren, Entscheidungen zu treffen. Mit Tatenlosigkeit kommt er nicht klar; Johns und Ellas ständige Aufforderungen, das Wochenende zu genießen, machen es nicht besser. Fünfte Teilnehmerin ist die junge Mayumi (Gloria Endres de Oliveira), die Krusenstern als Assistentin zugeteilt wird, ihn aber mehrfach in die Bredouille bringt, weil sie ihm wichtige Informationen vorenthält.

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