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„Die Diplomatin: Jagd durch Prag“, Das Erste Auch feine Zahnräder können tödlich sein

Im dritten Film aus der lockeren Reihe „Die Diplomatin“ provoziert die Titelheldin beinahe einen internationalen Konflikt. Sie hat die Menschlichkeit, nicht aber die Regierungen auf ihrer Seite.

Die Diplomatin - Jagd durch Prag
Karla Lorenz (Natalia Wörner, re.) kann Sean (Angus McGruther) und Lena (Mercedes Müller) nicht trauen. Foto: ARD Degeto/Roland Suso Richter

Sie hat eindeutig den Beruf verfehlt. Beziehungsweise übt sie ihn an der falschen Stelle aus. In zwei vorausgegangenen Filmen war Karla Lorenz (Natalia Wörner) eine „Diplomatin zur besonderen Verwendung“. Dieser Status erlaubte es den jeweiligen Drehbuchautoren, sie mit geheimdienstähnlichen Aufgaben zu betrauen, zum Beispiel im Film „Entführung in Manila“ deutsche Urlauber aus den Händen philippinischer Rebellen zu befreien. Verhandlungsgeschick gehört in solchen Situationen dazu, aber Karla Lorenz weiß sich auch im Dschungel oder, so im Film „Das Botschaftsattentat“, in der Wüste tatkräftig zu behaupten.

Obwohl sie im Verlauf ihrer Karriere immer wieder angeeckt ist und gegen das diplomatische Protokoll verstoßen hat, darf sie nunmehr sesshaft werden und die Nachfolge ihrer bewunderten Tante Alma Lorenz (Maren Kroymann) in der geschichtsträchtigen deutschen Botschaft in Prag antreten. Und setzt sich gleich am Tag der Amtsübernahme schon wieder gewaltig in die Nesseln.

Gefährliches Geheimwissen

Eine angsterfüllte, schwangere junge Frau hetzt durch Prag. Sie nutzt die Gelegenheit, als sich das Tor der deutschen Botschaft öffnet und stürzt auf das Gelände. Buchstäblich, sie fällt Karla Lorenz beinahe vor die Füße. Lena Fischer (Mercedes Müller) berichtet aufgelöst, dass ihr amerikanischer Freund Sean Miller (Angus McGruther) bei einem Spaziergang von Fremden in ein Auto gezerrt worden sei.

Der Zuschauer sieht es anders. Sean Miller rennt in Uniform durch die Stadt, wirft seine Waffe und deren Magazin in den Fluss, begibt sich alsdann ebenfalls in die Obhut der deutschen Botschaft.

Seine Landsleute, namentlich der Auslandsnachrichtendienst CIA, sind tatsächlich hinter ihm her. Miller war in einem geheimen Gefängnis auf tschechischem Boden eingesetzt, wo, mit Wissen der einheimischen Regierung, Terrorverdächtige ohne juristisches Verfahren festgehalten und gefoltert werden. Aus Gewissensgründen mochte er dort nicht länger mitwirken, möchte die skandalösen Vorgänge sogar öffentlich machen. Um den Preis, dass er nie wieder heimatlichen Boden betreten kann.

Hinter den Kulissen

Die feinen Zahnräder internationaler Diplomatie beginnen zu summen. Die Amerikaner wollen Miller aus dem Verkehr ziehen. Auch den Tschechen ist dringend daran gelegen, dass die verbrecherische Kooperation nicht ans Licht kommt. Sie paktieren mit den USA, um sie im Falle eines Konflikts mit Russland an ihrer Seite zu wissen. Deutschland steckt irgendwo in der Mitte, möchte es sich mit den Amerikanern nicht verderben, wird aber selbst zum Akteur, als herauskommt, dass auch ein deutscher Staatsangehöriger verschleppt und in die Folterkammern gesteckt wurde.

Zum internationalen Konflikt gesellt sich der interne. Karla Lorenz, wie immer dem eigenen Gewissen höher verpflichtet als der Staatsräson, gerät in Opposition zu ihrer Tante, die zwar nicht mehr Botschafterin ist, aber einige Fäden zieht, um die Affäre in politisch wünschenswerter Weise zu beenden.

Bittere Erkenntnis

Auch in diesem Film verlässt Karla Lorenz das diplomatische Parkett. Sie schleicht sich wie eine gewiefte Spionin an die von Miller genannte Militäranlage heran, bis ihr die Kugeln um die Ohren pfeifen. Spannender aber sind die dramatischen Verwicklungen, die diplomatischen Winkelzüge, die abseits der öffentlichen Wahrnehmung stattfinden und in die teils auch persönliche Ambitionen hineinspielen. So ist Lorenz’ Vorgesetzter und ehemaliger Liebhaber Eick (Thomas Sarbacher) gerade im Begriff, neuer Staatssekretär zu werden. Ein außenpolitischer Eklat wäre seiner Karriere nicht gerade förderlich.

Ein faszinierendes Spiel: es wird geblufft, geflunkert, provoziert, gebuhlt, geschachert. Die einen verwerfen ihre Ideale, bei anderen, die sie verdrängt hatten, keimen sie wieder auf. Diese Passagen machen die Stärke des Films aus, die Schwächen liegen in den privaten Verbindungen, so wenn sich Karlas Vater (Michael Mendl) im Eiltempo vom polternden Kontrahenten zum empathischen Komplizen wandelt.

Autor Busche und Regisseur Roland Suso Richter versehen das Geschehen mit einem größeren Rahmen. Einmal stehen Karla Lorenz und der tschechische Außenminister Anton Laszlo (Zdenek Maryska) auf dem Balkon der Prager Botschaft. Dort, wo einst der deutsche Außenminister Genscher den im Garten wartenden Ostdeutschen verkündete, dass ihre Ausreise in den Westen genehmigt worden sei. Mit der Reminiszenz allerdings verbindet sich eine bittere Erkenntnis: Die Methoden totalitärer Staaten sind dem „freien“ Westen beileibe nicht fremd. Und das nicht erst seit 9/11.

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