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„Der Sputnik-Schock“ Wettlauf in den Weltraum

Die Dokumentation „Der Sputnik-Schock“ erinnert an den ersten erfolgreichen Transport eines Satelliten ins All.

Der Sputnik-Schock
Der erfolgreiche Sputnik-Start am 4. Oktober 1957 war für den Westen ein Trauma. Foto: (MDR/HA Kommunikation)

Heute lässt sich kaum noch nachvollziehen, welches Trauma der erfolgreiche Sputnik-Start am 4. Oktober 1957 für den Westen bedeutete. Die USA waren sich ihres technischen Vorsprungs gegenüber Russland, das sie für ein „Volk von Treckerfahrern“ hielten, derart sicher, dass die Amerikaner aus allen Wolken fielen.

Die ARD, Jubiläen sonst gern um Wochen voraus, erinnert mit etwas Verspätung an das Ereignis, dem damals einen Monat später ein weiteres folgte, als die Sowjets mit Laika das erste lebende Wesen ins All beförderte. Diesmal galt der Aufschrei im Westen vor allem dem bedauernswerten Schicksal der Hündin.

Martin Hübners Film würdigt einerseits die Pionierleistung und beschreibt andererseits die hektische Betriebsamkeit, die Sputnik in Amerika auslöste. Neben Historikern und Wissenschaftlern kommen dabei vor allem Menschen zu Wort, die damals in Baikonur beschäftigt waren.

Gerade die Hintergrundinformationen des mittlerweile verstorbenen stellvertretenden Konstruktionsleiters Boris Tschertok sind sehr interessant, wenngleich zum Teil aus heutiger Sicht auch etwas skurril: Montags gab es keine Raketenstarts, weil das Risiko zu groß war, dass die Soldaten noch verkatert sein könnten; selbst wenn Alkohol auf dem Gelände des in nur zwei Jahren mitten in der Einöde aus dem Boden gestampften Kosmodroms verboten war. Aus einem ähnlichen Grund waren Frauen bei Starts nicht zugelassen; sie hätten die Männer ablenken können.

Etwas zu kurz kommen dagegen die Zeitläufte. Die Konsequenzen des technischen Vorsprungs der UdSSR und die damit verbundenen Sorgen im Westen werden ebenso beiläufig abgehandelt wie die Fortschrittsgläubigkeit und die etwas naive Begeisterung für die Eroberung des Weltraums. Wie reizvoll dieser Aspekt gewesen wäre, zeigt sich nicht zuletzt an einem längeren Ausschnitt aus dem zeitgenössischen russischen Dokumentarspielfilm „Der Weg zu den Sternen“ von Pawel Kluschanzew, der das Leben im All dank einer herausragenden Tricktechnik verblüffend wirklichkeitsgetreu zeigt.

Umso seltsamer, dass die epochale Bedeutung ihres Erfolges selbst den Beteiligten offenbar nicht auf Anhieb klar war. Sputnik war eine Sensation, der erste Schritt des Menschen in den Weltraum, aber laut Sergej Chruschtschow, dem Sohn des damaligen Regierungschefs Nikita Chruschtschow, habe sein Vater keineswegs mit Überschwang auf die Erfolgsnachricht reagiert. Selbst die sonst für jede Vorlage dieser Art dankbare Sowjetpresse hat das Ereignis nicht propagandistisch ausgeschlachtet; eine schlüssige Erklärung für dieses Rätsel bleibt der Film leider schuldig.

Im Westen wiederum hielt sich die Bewunderung in Grenzen. Zur Bestürzung über den russischen Coup gesellte sich die Sorge, weil niemand wusste, welche Aufgaben die „piepsende Blechbüchse“, die über die Kontinente zog, hatte. Das galt erst recht für Sputnik 2, vier Wochen später gestartet und im Vergleich zum wasserballkleinen Vorgänger ein VW-Käfer-großes Ungetüm.

Angesichts des enormen Vorsprungs der Russen übersprangen die Amerikaner die Testphase ihrer Raketen, was prompt zu einem Desaster führte; „Flopnik“ titelte die US-Presse angesichts des Feuerballs, der die Hoffnungen auf eine umgehende Antwort zerstörte. Dafür war nun der zuvor mit seinen Bemühungen gescheiterte Wernher von Braun wieder im Rennen, und erneut lässt sich Hübner eine Chance entgehen, die aber vielleicht auch den Rahmen der 45minütigen Sendung gesprengt hätte: Im Gegensatz zu dem Deutsch-Amerikaner, den die US-Medien nach dem erfolgreichen Start seiner Jupiter-C-Rakete im Februar 1958 enthusiastisch als „Rocketman“ feierten, musste Sergej Koroljow seinen Triumph im Stillen genießen; auch das erläutert der Film nicht weiter. Immerhin wurde der Weltraumpionier postum als „Held der Sowjetunion“ geehrt. 

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