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„Der Reise-Check: Mallorca“ „Natürlich sehr überlaufen"

Bei der Suche nach Verbraucherthemen ist die ARD nun auf die liebste  Urlaubsinsel der Deutschen gestoßen – von deren Schönheiten die Zuschauer wenig erfahren

Mallorca: "Eigentlich eine wunderschöne Insel". Foto: imago stock&people

Die Welt wird ja immer unübersichtlicher; das hat auch das Fernsehen gemerkt und ist auf den Zug der Verbraucher-Information aufgesprungen. Nun gab es solche Ratgeber-Sendungen schon länger, als das Magazin Focus dergleichen so penetrant wie vergeblich auf seinen Titeln anpreist, aber ins Hauptabendprogramm von ARD  und ZDF haben es Rat & Tat für den Alltag des Zuschauers erst seit nicht allzulanger Zeit geschafft.  Nun also, rechtzeitig vor Beginn der Urlaubszeit, die zweite Staffel des „Reise-Check“. Über den fragwürdigen Titel lässt sich dabei eher hinwegsehen als über die Hoppla-Hopp-Methodik solcher Berichte. Seriös ist in 45 Minuten ohnehin nur in Häppchen etwas über den Gegenstand zu erzählen, mit Stichproben aber wird der Anspruch der „Prüfung“ doch eigentlich unterlaufen.

Der „Reise-Check“ gilt diesmal einem der liebsten Urlaubsziele der Deutschen. Mallorca sei „eigentlich eine wunderschöne Insel“, heißt es zu Beginn. Nur sieht man von den Schönheiten im Bericht von Susanne Gebhardt so gut wie nichts. Kein Jugendstilhaus in Palma, keine Straßenbahn in Puerto Soller, kein Kloster Lluc, keine Aussicht von Randa, von Deya und Valldemossa mit der Wohnung von Chopin und George Sand in der Kartause ganz zu schweigen. Stattdessen: Die Strandmeile von El Arenal, Ballermann und „Oberbayern“ samt  „Schinkenstraße“ im Bild, um die Insel zunächst einem „Image-Check“ zu unterziehen.

Schon das ist ja Unsinn: Was sagt denn das „Image“ über die Qualität einer Destination aus? Wer freilich Urlauber abschrecken möchte vom Besuch des Balearen-Eilands, der muss saufende und grölende Touristen zeigen. Aber das ist kaum die Absicht der Autorin gewesen. Vergraulen soll so eine Reportage ja nicht, auch wenn es an Kritik über Zustände auf der Insel nicht fehlt.

So wird die fehlende Konsequenz der Behörden bei der Eindämmung der Saufgelage am „Ballermann“ gerügt oder im „Umwelt-Check“ Müllhaufen auch an einsamen Buchten oder die mangelhafte Qualität des Wassers hervorgehoben – was Mallorca allerding mit anderen Mittelmeer-Inseln teilt und eben teilweise auf die Touristenmassen zurückzuführen ist.

Das wird vor allem beim „Strand-Check“ deutlich. Die zum Baden und Aalen im Sand geeigneten Küstenabschnitte seien „natürlich sehr überlaufen“, weiß Strand-Tester Kai-Michael Schäfer, auf  dessen T-Shirt und Kappe irgendetwas Anstößiges zu stehen scheint, denn die Schriftzüge werden verpixelt.

Der „Mietwagen-Check“ ist ein besonders problematisches Beispiel für die Stichproben-Prüfung, weil die Auswahl doch willkürlich erscheint und die dabei erkannten Fehler an den Fahrzeugen daher eher wie Lospech erscheinen, zumal sie nicht mit Statistiken über Mängel oder Unfälle abgeglichen werden.

Schließlich das für viele Urlauber wohl Wichtigste, der „Kosten-Check“: Da lässt die Reporterin zwei Paare eine Inselwoche buchen, einmal „All inclusive“, einmal als Individual-Urlaub. Erstaunlich dass beide Arten des Urlaubs etwa gleich viel kosten sollen, vom Erlebniswert aber kaum die Rede ist.  Da wollte man wohl die zahllosen Pauschal-Touristen nicht in die Ecke stellen. Immerhin verrät die Reporterin: „Wer Mallorca nicht selbst erkundet, verpasst viel.“ Aber was, darüber hätten viele Zuschauer vermutlich gerne mehr erfahren. Dass etwa 14 Millionen Touristen jedes Jahr ihren Urlaub auf Mallorca verbringen, sei Grund genug für Reporterin Susanne Gebhardt gewesen, sich die Insel genauer anzuschauen, heißt es im Pressetext. Aber hat sie das wirklich getan?

 

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