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„Der Mars“, ZDF info Spektakulär verirrt

Eine BBC-Produktion will den roten Planeten als Destination der Zukunft anpreisen, versagt aber bei Bildgestaltung und Text.

Der Mars - Reiseführer zum Roten Planeten
Die ersten Marsmissionen sind in der Planung. Michael Lye testet seinen Mars-Raumanzug auf dem Krater Kilauea Iki auf Hawaii. Foto: ZDF/BBC/Toby Macdonald

Der Mars hat Konjunktur. Seit die US-Raumfahrtbehörde Nasa uns mit immer neuen Bildern und Erkenntnissen vom Nachbarplaneten versorgt, wird in Zeitungen und Fernsehen besonders gerne darüber berichtet, wie eine Reise dorthin vonstatten gehen könnte. Denn immer mehr Menschen dämmert die Erkenntnis, dass es mit dem Leben auf der Erde womöglich nicht mehr lange gut gehen könnte: Klimawandel, Kriege und Hungersnot lassen unsere Existenz hienieden gefährdeter denn je erscheinen.

Davon aber wollen Rebecca Harrison und Euan McDonald Smith, das Autorenpaar des Films  „Reiseführer zum Mars“, nichts wissen. Sie erwähnen es nicht einmal. Stattdessen legen sie ihren Film wie einen jener Reiseberichte im Fernsehen an, wo unter ewig blauem Himmel alles eitel Sonnenschein ist. Nun strahlt die Sonne auch auf dem Mars, allerdings ist der Himmel nicht blau, sondern schwarz, und die Erde nicht grün, sondern in staubiges Rot-Grau gehüllt. 

Was Harrison und Smith nicht hindert, die vermutlich monatelange Reise zum Roten Planeten wie einen Trip nach Feuerland anzupreisen. Sie erzählen von Vorbereitungen und Ausrüstungen, und sie besuchen Wissenschaftler, die sich vornehmlich auf Hawaii mit den Bedingungen der kalten Kugel im All beschäftigen.    Dass diese Forschungen auch von militärischem Interesse gesteuert sind, interessiert die Autoren nicht. 

Schlimmer aber ist, dass sie das außergewöhnliche Bildmaterial, das ihnen die Nasa zur Verfügung gestellt hat, auf schlimmste Weise verschleudern. Es gibt ja inzwischen mehrere Produkte US-amerikanischer Ingenieurskunst, die auf dem Planeten gelandet sind und ihn untersuchen, wie die Sonde Curiosity und jetzt Insight. Und es gibt deshalb einzigartige Bilder von den Landeanflügen und von der Oberfläche des Mars. Einige kommen auch vor, aber immer viel zu kurz dazwischen geschnitten und zudem ungenügend bezeichnet –  so weiß man nie, welches echte Aufnahmen und was grafische Darstellungen sind. Und die faszinierenden Sequenzen immer nur sekundenlang zu zeigen, kommt für ein Medium wie das Fernsehen einer Todsünde gleich. 

Zudem werden einzelne Passagen dauernd wiederholt, etwa die Außenansicht der roten, von Schluchten durchzogenen Kugel, und was es nicht besser macht: Der filmischen Verirrung entspricht die Banalität des Textes. Ein gefühltes halbes Dutzend Mal fallen Ausdrücke wie „spektakulär“ oder „atemberaubend“, und dass die Reise zum Mars „nichts für schwache Nerven sei“,  haben Harrison und Smith wohl aus einem Prospekt für eine Klettertour in den Dolomiten abgeschrieben. 

So löblich der Versuch dieser BBC-Produktion sein mag, dem großen Publikum die Erkenntnisse über den Mars populärwissenschaftlich näher zu bringen, so peinlich ist die Methode, mit plakativen Vergleichen und Phrasen wie aus der Tourismus-Industrie über ein der Menschheit womöglich bevorstehende Abenteuer zu berichten. Aber vielleicht wird es ja dank der wachsenden Zahl von machtgierigen Egomanen à la Trump und Putin dazu nicht mehr kommen…

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