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„Der König von Berlin“, Das Erste Ein Rattenschwanz derbkomischer Kapriolen

Krimi, Horror und Possenspiel, ELO und LSD – in der TV-Verfilmung eines Romans des Berliner Humoristen Horst Evers kommt vieles zusammen, kann aber in der Summe nicht überzeugen.

Der König von Berlin
Carsten Lanner (Florian Lukas) und Kommissarsanwärterin Carola Rimschow (Anna Fischer) im Einsatz. Foto: rbb/ARD Degeto/Julia Terjung

Carsten Lanner (Florian Lukas) untersucht vorschriftsmäßig einen Leichnam. Der Tote hat ein Loch in der Stirn und einen Revolver in der Hand. Lanner macht eine sorgfältige Bestandsaufnahme – und erntet nur herben Spott von Ermittlungsleiter Kolbe (Max Hopp), der auf den ersten Blick auf Freitod erkennt und es nicht einmal für nötig hält, einen Schutzanzug überzustreifen. Lanner ist zwecks Fortbildung aus Cloppenburg nach Berlin gekommen und verhält sich erst einmal ziemlich täppisch. Er fällt die Treppe hinunter, verpasst die Abfahrt der Kollegen, sperrt sich im Streifenwagen ein und nässt in die Hose.

Ein Antiheld also, wie er im Buche steht. Der Kommissarsanwärterin Carola Rimschow (Anna Fischer) aber gefällt der tollpatschige Niedersachse. Was vielleicht auf ihre Kurzsichtigkeit zurückzuführen ist, die sie gar ein Werbeschild für eine Fahrschule mit einer echten Ampel verwechseln und als Verkehrsteilnehmerin zur Gefahr für die Allgemeinheit werden lässt. Entsprechende Proteste fechten sie nicht an, sondern werden mit ungezügelten Schimpforgien beantwortet.

Es gibt eine Menge von dieser Art Klamauk in Lars Kraumes Filmversion des gleichnamigen Romans von Horst Evers. Der Kabarettist und Humorist bediente sich bekannter Muster des Krimis und des Horrorfilms und manchmal gelingt es Lars Kraume sogar, den Witz über den Slapstick hinaus ins Bild zu übersetzen, so wenn eine Firmenzentrale aussieht, als habe der Architekt auf Pläne vom Bau eines Westwall-Bunkers zurückgegriffen.

Im Gros aber wird mit grobem Instrumentarium gearbeitet in dieser Geschichte über eine Verschwörung von Berliner Notabeln, von denen einer – er bezeichnet sich großspurig als „König von Berlin“ – giftresistente Ratten gezüchtet hat und mit der Drohung, die Viecher freizulassen, millionenschwere Bauaufträge für seine Kumpane erpressen konnte. Nun ist er tot, und im zweiten Hinsehen wird deutlich, dass er entgegen dem Anschein nicht freiwillig ins Jenseits gegangen ist. Was einen Rattenschwanz an dramatischen Ereignissen nach sich zieht.

Ein Kammerjäger mit falschem russischen Akzent, der nicht kleinzukriegende Kriminalhauptkommissar Lanner und die unverfrorene Rimschow stellen sich der herkulischen Aufgabe, die Invasion der Nager aufzuhalten. Die haben zweierlei Schwächen: LSD und Musik von ELO. Wenn „Don‘t Bring Me Down“ vom Electric Light Orchestra ertönt, werden die Nager ganz folgsam.

Wer mag, kann die tollkühne, sinnigerweise am Abend vor der Wahl platzierte Mär als – allerdings recht plumpe – politische Parabel lesen: Deutschlands Hauptstadt ist von Ratten unterwandert und wird von Korruption zersetzt. Erst ein Fremder, ein gutmütiger Simplizissimus mit reiner Seele, vermag dem Unheil Einhalt zu gebieten. Aber mit einer solchen Interpretation würde der Gemeinschaftsproduktion von RBB und Degeto unverdiente Ehre zuteil. Denn die Möglichkeit einer entlarvenden Spöttelei wurde hier zugunsten einer eher rabaukigen Inszenierung mit halbherzigen C-Film-Anleihen vergeben. Nicht einmal die Krimianteile funktionieren und können nur mit durchsichtigen Tricks überhaupt über die Runden gebracht werden.

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