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„Der Hitler-Stalin-Pakt“, Arte Über mögliche Folgen nationaler Politik

Die größte menschengemachte Katastrophe des 20. Jahrhunderts hat nicht am 23. August 1939 mit dem Hitler-Stalin-Pakt begonnen, aber dieser Pakt war die letzte Voraussetzung dafür, die Katastrophe in Gang zu bringen.

2598150 Der Hitler-Stalin-Pakt
Diktator Josef Stalin (M.) Foto: RGAKFD (Arte)

Die größte menschengemachte Katastrophe des 20. Jahrhunderts hat nicht am 23. August 1939 mit dem Hitler-Stalin-Pakt begonnen, aber dieser Pakt war die letzte Voraussetzung dafür, die Katastrophe in Gang zu bringen. Nur eine Woche später überfiel Hitlers Wehrmacht Polen, kurz darauf besetzte die Sowjetunion das Baltikum, Ostpolen und einen Teil Rumäniens. Denn der Vertrag war nicht nur ein Nichtangriffspakt, sondern beinhaltete auch eine Aufteilung Europas zwischen den zwei Diktatoren, die (zusammen mit Mao Zedong) die schlimmsten Massenmörder der Weltgeschichte waren.

Die Katstrophe und der Pakt haben eine komplizierte Vorgeschichte, die eigentlich vor einem Jahrhundert, nämlich nach dem Ende der ersten großen menschengemachten Katastrophe des 20. Jahrhunderts, dem Ersten Weltkrieg, begann.

Cédric Tourbes ausgezeichnet recherchierter und umsichtig aufgebauter Dokumentarfilm über den so genannten Hitler-Stalin-Pakt zeichnet die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges nicht als eine der deutschen Alleinschuld oder als Folge von Hitlers erstaunlichem Größenwahn, sondern als anhaltende gesamteuropäische Blindheit in der Außenpolitik. Bornierter Nationalismus, die leichtsinnige Appeasement-Politik Großbritanniens, das zögerliche Taktieren Frankreichs, der solide etablierte Antisemitismus in den Politikerkasten beider Länder und der beiden gemeinsame fanatische Antikommunismus führten dazu, dass die Hitlerei sich ungehindert ausbreiten und immer rabiater werden konnte. Nicht ganz unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass unter den regierenden britischen Konservativen durchaus Sympathisanten des deutschen Nationalsozialismus waren. Das galt nicht nur für den Premierminister Neville Chamberlain, sondern auch für den Außenminister Edward Frederick Lindley Wood, Earl of Halifax.

Tourbes Film setzt im Jahre 1934 ein. Er macht mit den wichtigsten handelnden Personen der europäischen Außenpolitik (die natürlich keine europäische ist, sondern eine engstirnige, nationalstaatlich aufgespaltene und daher chaotische Außenpolitik) und ihren Problemen bekannt und schildert pointiert, wie die aggressive und zunehmend militärisch unterfütterte Außenpolitik Nazideutschlands sich darin ausbreiten kann. Er charakterisiert die Fehler der Versuche eines so genannten appeasement und schildert die kooperationsfreudige Haltung Frankreichs und Großbritanniens zu den Nazis, die sich im Münchner Abkommen spiegelte, oder das heimliche Sympathisieren und Fraternisieren der Briten mit den Nazis, etwa bei Halifax‘ Besuch bei Göring.

Nebenher wird das vergleichsweise erfolglose Agieren einiger  weiterblickender Politiker wie Winston Churchill oder den Vertretern der Sowjetunion Iwan Maisky und Maxim Litwinow beschrieben. Alles in allem breitet sich der Eindruck aus, dass bornierte nationalistische Politiker allerlei Schaden anrichten können, indem sie keine Versuche unternehmen, ihn zu verhindern.

Von dieser Einsicht aus leuchtet ein feiner Lichtstrahl auf das neuerliche Erstarken antidemokratischer nationalistischer Idiotie in Europa.

 

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