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„Das Institut – Oase des Scheiterns“, BR 72 Geißlein für den Ziegenbock

„Das Institut – Oase des Scheiterns“, eine gehörig scharfe Comedy im BR-Fernsehen.

„Das Institut – Oase des Scheiterns“
Ups, ist da gerade ein Instituts-Schüler aus dem Fenster gestürzt? Foto: BR/NDR/Novafilm GmbH/Daniela Incoronato

Ein Institut, das in Kisbekistan die deutsche Sprache und Kultur fördert, indem es „Im schönsten Wiesengrunde“ schrecklich schief singen lässt, zum Maskottchendienst im Adlerkostüm und zur Blutspende verdonnert? Das ist knapp, aber herrlich lustig daneben: Neben dem Goethe-Institut nämlich, das freilich mit „Das Institut“ nicht persönlich gemeint ist, sondern als Gesamtheit der – sagen wir: in der Fremde herausgeforderten – Auslandsvertreter deutscher Kultur und Lebensweise. Auch „Kisbekistan“ ist erfunden und doch wiedererkennbar. Es scheint sich jedenfalls um ein recht streng muslimisches Land zu handeln.

Der Drehbuch- und Romanautor Robert Löhr hat sich (vorerst?) acht Folgen von „Das Institut – Oase des Scheiterns“ ausgedacht, Regie führen Lutz Heineking jr. und Markus Sehr, die Serie läuft nun im BR-Fernsehen.

Hat Rapperin Ebow, Sängerin des Titelsongs, nur eine schlampige Aussprache oder hat man da gerade „Oase des Schaitans“ verstanden? Mit Sicherheit soll man den Teufel im Detail vermuten, denn der springt anschließend putzmunter aus so ziemlich jedem Dialog Löhrs. Darauf ein fröhliches „Alaaf Akbar!“

Das Institut also: Leiterin Dr. Eckart, Christina Große, ist mit allen Wassern des Zynismus gewaschen und ist jedes Mittel recht, die Niederländer beim Blutspenden zu schlagen. Arbeitsmotto: „Im Namen der Bildung muss uns jedes Opfer recht sein.“ Margarete, Swetlana Schönfeld, hat in der DDR praktische Härte gelernt und ist die Einzige, die sich im Instituts-Haufen traut, eine Ziege zu schlachten. Bzw. sich trauen würde, wenn die Ziege nicht zuerst entkäme und dann per Erpressung begnadigt würde (ja, es ist in Folge zwei, „Null negativ“ ein bisschen kompliziert). Jördis, Nadja Bobyleva, unterrichtet mit Herz und Seele und schreckt vor fast gar nichts zurück, um ihre Schüler durch die Prüfung zu bringen. Notfalls stellt sie sich als Geisel zur Verfügung.

Auch Johann Gmeiner, Rainer Reiners, ist sich nicht zu schade, etwa als Goethe das deutsche Wahlrecht zu erklären und seinen Kollegen eine demokratische Standpauke zu halten. Faktotum und Internet-Junkie Titus, Robert Stadlober, muss im Adlerkostüm schwitzen und den Blutdurst Dr. Eckarts fürchten. Haschim schließlich,    Omar El-Saeidi, ist die Verbindung zu den Einheimischen, auch lokaler Regionalkoordinator genannt. Er gibt sein Bestes. Manchmal.

Frech und bei Bedarf auch nachtschwarz ist der Humor. Dem Ziegenbock werden „72 Geißlein“ versprochen, Passanten auf der Straße eine Packung Penicillin, wenn sie zur Einheitsfeier kommen. Ein Kind wird aus Versehen getasert. Ein Sprachschüler aus dem Fenster gekippt. Die österreichische Wahlbeobachterin (das Institut stellt sich als Wahllokal zur Verfügung) möchte, dass der Richtige – also der, der den Bau einer Erdgasleitung nach Europa nicht behindern will – gewinnt. Dummerweise hat der Kandidat die Eltern Haschims auf dem Gewissen. So fälscht man dann Wahlzettel her und hin und hin und her – und ist Dr. Eckart am Ende froh, dass Bewaffnete die Urne stehlen.

Gern treibt „Das Institut“ die Dinge auf die satirische Spitze, schont weder die wohlmeinenden, aber ratlosen Vertreter des deutschen Kulturguts noch die „Kisbeken“ in ihrer „Melonenrepublik“. Letztere sind gierig, erstere sind es auch und geben es zu in den wohlgesetzten Worten der Chefin: „die Diplomaten machen es wegen dem Geld, wir machen es wegen des Geldes“.

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