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„Danke Deutschland!“, ZDF Sommerlochfernsehen

Das ZDF variiert die „Sketchhistory“ und bringt Albernes zur Gegenwart in gleich drei Teilen.

Danke Deutschland!
Das Ensemble von Danke Deutschland! – Sketche & Skandale v.l. Ralf Kabelka (Moderation) Lena Dörrie, Joachim Paul Assböck, Constanze Behrends, Daniel Wiemer, Sabine Vitua und Cem Ali Gültekin. Foto: ZDF/Richard Hübner

Die ZDF-„Anstalt“ macht Sommerpause. Ihr Teamchef nicht. Stephan Denzer zeichnet als einer von zwei „Headautoren“ verantwortlich für die dreiteilige Witz-Parade „Danke  Deutschland“. Das ist eine Variante der „Sketchhistory“, auf Aktualität getrimmt. Das Intro zeigt eine Baustelle und davor ein paar Pappkameraden und vermittelt sofort das Gefühl: Es geht auch billig. Die herrschenden Probleme und die Probleme der Herrschenden – derzeit ja oft identisch – werden dann in Minuten-Häppchen satirisch aufgespießt. Und Ralf Kabelka, Sidekick von Böhmermann, darf hier den Maitre de plaisir geben und von einem Sketch zum nächsten überleiten. Kann er eigentlich auch was anderes?

Ob es um die Dauerbaustellen des Berliner Flughafens oder des Stuttgarter Bahnhofs geht, um das kranke Gesundheitswesen oder die absurden Auswirkungen eines Schulsystems, das Versagern eine „spezifische Lernbegabung für einstellige Zahlen attestiert: Der Befund zu den einzelnen Sachthemen ist ernst (und meistens korrekt), die Analyse – ein Scherz.

Zum Beispiel: Im Abgeordnetenhaus legt eine niedere Charge (Mann) einer etwas weniger niederen Charge (Frau) den Redeentwurf des Ministers zu einer Chinareise vor. Die Frau ist entsetzt: Wie könne er dem Minister etwas von Menschenrechten in den Text schreiben, wo doch China „unser wichtigster Handelspartner“ sei. Er: Ach so, ja danke. Sie: „Wenn die Chinesen Menschenrechte hätten, hätten wir keine Smartphones.“

Oft nur Albernheiten

Das ist freilich einer der gelungeneren Gags. Oft endet die Chose in Albernheiten. Das satirische Aufspießen der Nicht-Mitteilungen von Regierungssprechern bei der Bundespressekonferenz etwa hat Claus von Wagner in der „Anstalt“ mit einer wahrhaft gelungenen Parodie von Steffen Seibert beispielhaft vorgeführt. Die Variante bei „Danke Deutschland“ läuft dagegen ins Leere, auch wenn am Ende wieder ein treffender Satz steht: Wieso beschäftigt die Regierung einen Sprecher, der keine Antworten gibt? Weil er gut zur Kanzlerin passt.

Das Team um Regisseur Holger Schmidt und die Redakteure Stephan Denzer und Jens Matthey und eine Handvoll von Schauspielern, die in zu vielen Szenen auftreten müssen, setzt völlig auf den dichten, knackigen Sketch, aber wie auch die „heute show“ von Oliver Welke (auf dessen Sendeplatz der Dreiteiler läuft) gibt man zu oft der Versuchung zum schnellen Lacher nach (die übrigens – schreckliche Sitte – eingespielt werden), etwas mehr Schärfe täte „Danke Deutschland“ (und auch Welke) gut. So bleibt der Eindruck einer schnell zusammengebauten Show, die den Geist der „Anstalt“  zu imitieren sucht, aber es nicht schafft – ein Fall von Sommerlochfernsehen.

„Danke Deutschland!“, ZDF, Freitag, 6. Juli, 22.30 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

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