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„Brüder“, ARD Außer Kontrolle

Noch ein Film über einen jungen Mann, der sich auf Islamisten einlässt: „Brüder“.

FilmMittwoch im Ersten
Jan belehrt seine Mutter: Edin Hasanovic mit Karoline Eichhorn. Foto: SWR

Das Land Sachsen-Anhalt will Gesichtsschleier aus Klassenzimmern verbannen. In Bayern und Niedersachsen gilt das sogenannte „Burka-Verbot“ bereits. Der Spiegel nennt auch die Zahl  der dort davon Betroffenen: 5. In Worten: Fünf Schülerinnen trugen im zweitgrößten Flächenland der Republik mit seinen 7,7 Millionen Einwohnern einen Schleier vorm Gesicht (und keine Burka). Dagegen ein Gesetz zu erlassen, zeigt den ganzen Wahnsinn, der hierzulande im Umgang mit Muslimen herrscht. Man könnte es auch Symbolpolitik nennen, aber es ist ja schlimmer: Es diskreditiert mit diesen Fünfen unzählige Bürgerinnen und Bürger, einfach weil sie eine andere Religion haben.

Man sollte sich das vergegenwärtigen, wenn man nun im Fernsehen zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit einen Spielfilm über Salafisten sieht. Denn das Prinzip des Aufbauschens und der Angstmache, in den Medien weit verbreitet, herrscht auch da. Wieder empfiehlt sich ein Blick auf die Zahlen: Es werden etwa 600 bis 700 Menschen zu den sogenannten „Gefährdern“ im Lande gerechnet – bei mehr als vier Millionen Muslimen in Deutschland. Von deren Alltag werden kaum jemals Filme zur besten Sendezeit gezeigt. Von Islamisten wohl.

War es bei „Bruder – Schwarze Macht“ (ZDF neo) noch der junge Türke Melih, den die Erfahrung von Ohnmacht und Polizei-Schikane in die Arme der radikalen Sekte trieb, ist es nun ein Sohn aus „gutem“ Hause, Informatikstudent und also wie Melih ebenfalls fit im Programmieren, den laut Drehbuch von Kristin Derfler und Züli Aladag „Orientierungslosigkeit“ dazu bringt, sich Hals über Kopf  einen salafistischen Prediger als Vater-Ersatz zu suchen. Denn den eigenen Erzeuger hasst er offenbar  (warum, bleibt unklar) so sehr, dass er sich in einen Mordversuch steigert.

Auf der Suche nach einem Vater-Ersatz

Der wirkt völlig überzogen und unmotiviert – aber es geht Regie und Autorin ja auch weniger um Motive als um Melodram. So fängt es schon im Vorspann an: Bei flackerndem Discolicht tanzen Jan und eine Schöne, schieben sich zwei Pillen zwischen die Lippen und suchen die Toiletten auf, wo es stante pene zum rough sex kommt – samt postkoitaler Melancholie am nächsten Morgen. Warum bloß? Fragt sich der Zuschauer, aber hier wird vieles bloß behauptet statt entwickelt.

Und rasch fügt das Drehbuch, einem Puzzle gleich, die Schritte des aufgeklärten deutschen Studenten in den islamistischen Untergrund zusammen. Jans aus Syrien stammender Mitbewohner Tarik kann seine Schwester nach deren Flucht in die Arme schließen. Doch sie wurde gefoltert. Ihr Selbstmordversuch, die Erfahrung ihrer Ablehnung auf dem Amt, der Angriff auf einen Bus mit Flüchtlingen und auch die Gewalt gegen Koran-Verteiler in der Stadt sowie andererseits das Gemeinschaftserlebnis mit den Muslimen beim Fußball, das Verständnis des Predigers („Ich war genauso wie Du damals“) sind die Puzzleteile, aus denen sich das Bild der Radikalisierung Jans zusammensetzt.

Tarik sieht Jans Verwandlung kritisch, was sofort zu Gebrüll zwischen den beiden führt, wie Jan auch sonst das Geschrei dem Gespräch vorzuziehen scheint. Trotz einer Länge von zweimal 90 Minuten nimmt sich der Film nie Zeit für eine inhaltliche Auseinandersetzung. Stattdessen setzt er im zweiten Teil vor allem auf Action und Kriegsspiel.  Jan und Tarik (der seinen kranken Vater aus Aleppo holen will) reisen ins Kampfgebiet, wo sie von einem IS-Kämpfer (von einer wahren Knallcharge gespielt) getrennt werden.

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