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„Böse Wetter“, ARD Götz George in seiner letzten TV-Rolle

Der ARD-Film „Böse Wetter“ zeigt Götz George als lakonischen Minenbetreiber.

Engagiert sich, aber ruiniert sich nicht: Minenbesitzer Türnitz. Foto: Daniela Incoronato/ARD Degeto

Eine schöne Rolle in einem DDR-Vergangenheitsdrama wurde dann die letzte für Götz George. Abzusehen war noch nichts, ein knappes Jahr vor seinem Tod im vergangenen Juni fanden die Dreharbeiten im Harz statt. Man sieht George als kernigen und durch und durch pragmatischen ostdeutschen Minenbetreiber, zupackend und vom Leben wie von der jüngeren Generation auch selbst buchstäblich heftig angepackt. Georges Spiel bietet maximale Gelassenheit bei übersichtlichem Aufwand: Einen Mann, der das Leben kennt und feilschenden Investoren stocknüchtern, wütenden jungen Leuten mild und selbst leibhaftigen Gefahren unpanisch entgegenblickt. Man kann ein letztes Mal erleben, wie Rollen, die ihm etwas, aber nicht zu viel abverlangten, ihn doch immer noch als sympathischen Vollprofi zeigen.

„Böse Wetter“, geschrieben von Nicholas Hause und Michael Gebhart, inszeniert von Johannes Grieser, erzählt eine bodenständige, nur ganz leicht verträumte Geschichte. In einem Harz-Kaff namens Buchenrode kommt der Bergbau gerade endgültig zum Erliegen. Götz George ist mit abgebrühten Niederländern in Verkaufsverhandlungen für das Gelände, aber einige Bergleute und namentlich eine junge Frau wüssten schon gerne, ob nicht noch etwas geht. Silber ist das Losungswort, und wer sich befremdet kundig macht, stellt fest, dass solche Hoffnungsschimmer in einigen gebeutelten Bergbauregionen durchaus ernstgenommen werden. Jedenfalls wurden.

„Böse Wetter“ macht sich keine Illusionen, mag aber auch nichts ausschließen. Manchmal, denkt man selbst auch schon bald, muss man halt noch tiefer in den Berg hinein. Nichts für Klaustrophobiker. Das symbolische Potenzial wird nicht überstrapaziert, wenn die Hauptfigur, ein Silbersuch-Spezialist, zugleich in die Vergangenheit seiner Familie eintaucht.

Die junge Frau, Catherine Bode, hat ihn, Matthias Koeberlin – ein vorzügliches, ebenfalls schön heruntergekühltes Pendant zu George –, auf einer PR-Veranstaltung für einen neuen Minen-Roboter getroffen. Die beiden kennen sich aus ihrer Kindheit, er selbst wollte nie nach Buchenrode zurück, aber ein möglicher Auftrag ist ein möglicher Auftrag. Auch drängt seine Frau und Geschäftsführerin, Liane Forestieri, so dass sich gleich ein klassisches Dreieck zeigt – und übrigens von den Frauen auch als solches wahrgenommen wird. Der Mann interessiert sich eher für den Minen-Roboter und laboriert außerdem an einem Mutter-Komplex.

Dieser nämlich, Gudrun Landgrebe, lastet er eine Mitschuld am ungeklärten Tod des Vaters an. Es ist hier besonders günstig, dass die Rolle mit Koeberlin besetzt ist, denn bald schon markiert er im Ort den Berserker. Aber Koeberlin als Berserker ist immer noch ein beharrender Vernunftsmensch. Erst zum möglichen Showdown in der Tiefe verlässt ihn der Rest an Logik. Dafür ist dann Götz George zuständig.
„Böse Wetter“ wird ruhig erzählt, bleibt über weite Strecken ein Kammerspiel, dessen Personal ab und an Stirnleuchten benötigt. Der untergehenden Welt der Kumpel widmet sich die Geschichte mit Zuneigung und in Gestalt des auch in Frankfurt noch bestens bekannten Schauspielers Joachim Nimtz.

Am interessantesten ist vielleicht – und natürlich war die Wahl des Sendetermins kein Zufall –, wie die DDR-Vergangenheit fortwirkt im Leben von Menschen, die so jung sind, dass man zwischendurch noch rasch auf die Geburtsdaten der Schauspieler linst. Koeberlin und Bode sind beide Jahrgang 1974, alles klar, alles plausibel. Vorm seltsam optimistischen Ende wirkt nicht jede Andeutung zu Ende gedacht. Aber es gibt einen Clou, auf den man nicht vor der Hauptfigur kommt, was schon gut ist.

„Böse Wetter“, ARD, Mo., 20.15 Uhr.

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