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„Blind & Hässlich“, ZDF Wie kommt sie aus der Nummer raus?

Das allzu kompliziert erzählte „Kleine Fernsehspiel“ verpackt einen typischen Komödienstoff als Drama. Die TV-Kritik.

Blind & Hässlich
Jona (Naomi Achternbusch) ist begeistert von Ferdi (Tom Lass) und lässt sich von ihm durch sein Berlin führen. Foto: ZDF/Jieun Yi

Wenn das kein Stoff für eine romantische Komödie ist: Um eine Wohnung in einem Heim für Sehbehinderte zu bekommen, hat Jona so getan, als sei sie blind. Als sie den Hund ihrer tatsächlich blinden Cousine zur Hundeschule bringen soll, sieht sie den lebensmüden Ferdi auf einem Brückengeländer. Kurzerhand schlüpft sie wieder in ihre Blindenrolle und überredet ihn, runterzukommen und ihr zu helfen. Die beiden treffen sich ein paar Mal, der menschenscheue Außenseiter fasst Vertrauen zu der jungen Frau, die seine vermeintliche Hässlichkeit nicht sehen kann, sie verlieben sich; aber wie kommt Jona aus der Nummer wieder raus?

„Blind & Hässlich“ hat Tom Lass seinen Film genannt. Der Titel ist natürlich sarkastisch gemeint, weil Jona nicht blind und Ferdi zwar kein Adonis, aber auch nicht hässlich ist; einladend klingt er dennoch nicht, und das zu recht, denn der Regisseur, im Brotberuf Schauspieler, hat seine Geschichte alles andere als gefällig erzählt; eine Komödie ist seine dritte Regiearbeit nach „Papa Gold“ (2010) und „Kaptn Oskar“ (2012) dem potenziell komischen Plot zum Trotz ebenfalls nicht. Selbst für ein Drama ist das Werk jedoch schwere Kost, weil es Lass, der die männliche Hauptrolle spielt, seinem Publikum nicht leicht macht. Auffälligster Beleg dafür sind neben der kakophonischen Musik die ständigen Jump Cuts, die inhaltlich etwas unmotiviert und daher irritierend wirken, zumal die Bildsprünge auch gern mitten im Dialog einsetzen; das erinnert an frühere Filmvorführungen, wenn eine Kopie schon ziemlich abgenutzt war und zwischendurch immer wieder mal einzelne Bilder fehlten.

Darüber hinaus lässt sich Lass sehr viel Zeit, ehe sein Film endlich bei der Romanze anlangt. Das Autorentrio (Lass, Daniel Hacker, Maja Tennstedt) benötigt allein ein Filmdrittel, um die beiden Hauptfiguren einzuführen. Dies geschieht mit Hilfe einer ausführlichen Rückblende, die aufgrund der ausgeprägt episodischen und recht zusammenhanglosen Erzählstruktur etwas unstrukturiert anmutet: Jona, vorzüglich verkörpert von Herbert Achternbuschs Tochter Naomi in ihrer ersten großen Hauptrolle, schmeißt mitten im Abi die Schule und haut ab zu ihrer Cousine Cécile (Clara Schramm). Derweil streift Ferdi einsam und verwahrlost durch die Gegend, wird festgenommen, als er auf einem Bauernhof Lebensmittel stiehlt, und kommt in eine betreute Wohngemeinschaft. In mitunter etwas mühsam zu ertragenden Szenen zeigt Lass nun, wie der junge Mann versucht, mit seinen sonderbaren Mitbewohnern klarzukommen; die entsprechenden therapeutischen Gespräche sind eine Qual, und das nicht nur für Ferdi, obwohl er sich redlich bemüht. Jona wiederum sucht vergeblich nach einer Wohnung, bis Cécile sie schließlich auf die Idee bringt, sich als blind auszugeben; und dann endlich kreuzen sich die Wege des Paars. Es dauert zwar erneut geraume Zeit, bis sich Ferdi traut, seinen Gefühlen nachzugeben, zumal er Angst hat, beim Sex alles falsch zu machen, aber nun ist die Geschichte immerhin auf dem richtigen Gleis. Warum Ferdi, der zwar etwas speziell ist, aber einen durchaus vernünftigen Eindruck macht, derart abgestürzt ist, wird erklärt. Offen bleibt dagegen, warum Jona für diesen seltsamen Sonderling mehr als nur Mitgefühl empfindet, aber die Liebe geht nun mal mitunter merkwürdige Wege.

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