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„Beste Schwestern“, RTL Alles über Eva

Im vergangenen Jahr gelang RTL mit „Magda macht das schon“ ein Serienerfolg. „Beste Schwestern“ setzt das Erfolgsmuster fort.

Mirja Boes und Sina Tkotsch
Mirja Boes spielt Tierpflegerin Eva (links) und Sina Tkotsch ihre kleine Schwester Toni. Foto: Imago

Es scheint bereits wieder in Vergessenheit geraten zu sein: Zur Programmgeschichte des seriellen Erzählens in Deutschland hat RTL ein eigenes Kapitel beigetragen. Nach missglückten und erfolglosen Versuchen, US-amerikanische Sitcoms wie „Eine schreckliche nette Familie“ zu adaptieren, besann sich der Kölner Sender Ende der 1990er eines anderen. Die Serienautoren bauten auf deutsche Wirklichkeiten und Milieus, die Episoden wurden nach dem Vorbild von US-Premium-Sitcoms wie „M.A.S.H“ gefilmt statt vor Studiopublikum aufgezeichnet. Serien wie „Die Camper“, „Nikola“, „Mein Leben und ich“ fanden ihre Zuschauer und wurden zum Teil preisgekrönt.

Die besten dieser Serien paaren Wortwitz mit tragikomischem Gehalt. Eine Mischung, für die sich der Begriff „Dramedy“ eingebürgert hat. Obwohl Tragikomödie dem Verständnis auch nicht schadet. Mit „Magda macht das schon“ nahm RTL im vergangenen Jahr diese Programmsparte wieder auf und führt sie jetzt mit „Beste Schwestern“ weiter. Die Idee lieferten Mandy Cankaya und Christian Schnalke. Als Headwriter fungiert Mark Werner, der in gleicher Funktion unter anderem schon bei den RTL-Produktionen „Ritas Welt“ und „Nikola“ tätig war.

Sitcoms bedürfen immer gewisser Grundkonstellationen, die die für den komischen Effekt nötigen Reibungen ermöglichen. Dieses Muster wird in „Beste Schwestern“ ansprechend ausgefüllt. Die Schwestern sind Eva und Toni Gumpert, gespielt werden sie von Komödiantin Mirja Boes und Sina Tkotsch, die, obwohl wie ihre reale Schwester Sarah Tkotsch schon seit Kindertagen regelmäßig vor der Kamera, von RTL unangenehm selbstgefällig als „Neuentdeckung“ annonciert wird.

Eva Gumpert ist eine bodenständige, alleinerziehende Tierpflegerin, Schwester Toni ein sorglos in den Tag lebender, auf amourösem Gebiet sehr emsiger Sonnenschein und gerade nach dreijährigem Ibiza-Aufenthalt nach Köln heimgekehrt. Die snobistische, offenbar wohlhabende, bei der Partnerwahl selbst auf Abwechslung erpichte Mutter Gabriele (Leslie Malton) verweist das Obdach suchende schwarze Schäfchen des Grundstücks.

So kriecht Toni nach einigen Verwicklungen bei Eva unter, die mit ihrer aufgeweckten zwölfjährigen Tochter Marie (Laurena Marisol Lehrich) ein kleines Häuschen zur Miete bewohnt. Der Vermieter Kurt Koslowski (Oliver Fleischer), ein Kommisskopp ersten Grades, wohnt gleich nebenan.

Mit ihm kommt es ständig zu Zwistigkeiten, und die Dauerfehde gewinnt mit Tonis Ankunft noch an Fahrt. Erziehungsprobleme und Arbeitswelt liefern weitere Konflikte. Mit bewundernswertem Einfallsreichtum schicken die Autoren die Geschwister von einem Schlamassel in den nächsten. Das Kalamitätenaufkommen reicht aus, um gleich mehrere Leben komplett zu versauen. Aber mit Glück, teils auch mit bauernschlauer Raffinesse, gelingt es ihnen meistens, sich aus der Malaise herauszuwinden. Um gleich ins nächste Fettnäpfchen zu plumpsen.

Der erste Eindruck wird bestimmt von schnellem Gag-Tempo, Slapstick-Kapriolen und Dialogwitz mittlerer bis höherer Güte. Mitunter erreichen die Autoren mit hintersinnigen Sätzen wie „Das ist also dieses peinliche Schweigen, von dem man so viel hört“ das Niveau literarischer Hochkomik. Durch Tonis erotische Eskapaden und Evas frivole Wunschträume erscheint dieses Thema in den ersten zwei Episoden überbetont, die anfängliche Eindimensionalität wird dann aber in der dritten Folge – sie trägt die aufreizende Überschrift „Die Sexgöttin“ – gebrochen.

Hoffentlich ein Zeichen, dass die im Ansatz erkennbare inhaltliche Ernsthaftigkeit im Zuge der übrigen fünf Episoden intensiviert wird und die Serie eine Entwicklung nimmt, statt in einem wiederkehrenden Muster zu verharren. RTL zeigt „Beste Schwestern“ in einer Programmstrecke mit der thematisch ambitionierten Dramedy „Der Lehrer“ und der zweiten Staffel der im vergangenen Jahr erfolgreich gestarteten Sitcom „Magda macht das schon“.

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