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Bastian Pastewka Vom Muttersöhnchen zum Tiger

Bastian Pastewka spielt in der ZDF-Satire „Mutter muss weg“ mit seinem Alter Ego. Das Psycho-Drama entwickelt sich zu einer Krimi-Groteske, mit der sich das ZDF einiges traut.

17.10.2012 19:50
Von Torsten Wahl
Müttersöhnchen Tristan Fromm, alias Bastian Pastewka. Foto: Stefan Erhard/ZDF

Bastian Pastewka spielt in der ZDF-Satire „Mutter muss weg“ mit seinem Alter Ego. Das Psycho-Drama entwickelt sich zu einer Krimi-Groteske, mit der sich das ZDF einiges traut.

Ein Mann sitzt seiner Psychotherapeutin (Karoline Eichhorn) gegenüber und erinnert sich an seine traurige Kindheit – es ist unverkennbar Bastian Pastewka. Zumindest ähnelt er jener Figur, die seit sechs Jahren regelmäßig als „Pastewka“ auf Sat.1 zu sehen ist: Er ist überempfindlich bis neurotisch und flüchtet gern in seine eigene Traumwelt. Hier heißt er Tristan und leidet seit seiner Kindheit unter der extrovertierten Mutter. Hannelore (Judy Winter) war in den Siebzigern ein Sexfilmstar und ist jetzt mit Büchern erfolgreich. Ihrem einzigen Sohn dagegen ist nicht viel geglückt: Er hat weder eine Frau noch einen Beruf. Auch für seine neueste Geschäftsidee muss er seine Mutter um Geld anbetteln: Tristan will Puppenhäuser im Retro-Look herstellen. Doch die empörte Hannelore verweigert den Zuschuss und nennt den weichen Mittdreißiger einen „verklemmten Versager“.

Mit Mutti in die Kur

Das Muttersöhnchen ist eine Rolle, in der Bastian Pastewka gern gesehen und besetzt wird. Obwohl der Comedian schon in verschiedene Rollen geschlüpft ist und seit 2007 als jovialer Volksmusiker Wolfgang Funzfichler im Duett mit Anke Engelke begeistert, kann er mit dem Rollenmuster leben. „Ich fange gar nicht erst an, gegen meine Erscheinung anzuspielen“, sagt Pastewka. Doch „Muttersöhnchen“ allein reiche ihm nicht für einen 90-Minuten-Film. Erst als „Muttersöhnchen, das sich zum Tiger wandelt“ fand er die Rolle reizvoll genug.
Tatsächlich zeigt Tristan bald seine andere Seite. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf das Angebot eines windigen Ganoven (herrlich abgerissen: Albert Kitzl) ein, die Mutter einfach aus dem Weg zu räumen. Doch das Duo scheitert an der zähen Dame. Dafür eröffnet ihm ein Arzt (sehr trocken: Götz Schubert), dass die Mutter bald von alleine geht – ihr Herz sei schon sehr angegriffen. Nun will der zögerliche Tristan das Ende der Mutter einfach abwarten, doch der Stümper-Killer hat den Auftrag schon weiterverkauft. Deshalb muss das Muttersöhnchen die herrische Mutter nun schützen und flieht mit ihr in eine Kur.

Hier entwickelt sich das Psycho-Drama immer mehr zur Krimi-Groteske, mit der sich das ZDF einiges traut. Die Geschichte von Autor Marc Terjung wartet nämlich nicht nur mit aberwitzigen Dialogen, sondern mit immer absurderen Wendungen auf. Regisseur Edward Berger spielt dabei den Kontrast zwischen den tiefschwarzen Verdächtigungen und der luxuriös strahlenden Kurhaus-Atmosphäre weidlich aus. Pastewkas Tristan muss sich dabei nicht nur der Angriffe seiner Mutter erwehren, die ihm Prüderie und ein unterentwickeltes Sexualleben vorhält, sondern darf sich auch in jene reizende Therapeutin verlieben, die Zeuge der Vorhaltungen geworden war. Die Szenen mit Rosalie Thomass sind klassisch romantisch inszeniert, doch jeden Moment erwartet man, dass Tristan ein Missgeschick unterläuft. Bastian Pastewka erklärt, warum die Romantik-Episode nicht etwa gestört oder unterbrochen wird. „Wir können nicht alle drei Minuten die Erwartungshaltung brechen und dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegziehen“, sagt er und schwärmt von den „magischen Momenten“ der Annäherung zwischen Tristan und Anita.

Täglich ein Fernsehtipp von Pastewka

Überhaupt denkt der Schauspieler viel über die Wirkungsmechanismen von Filmen nach, ist nicht nur ein enthusiastischer Fernsehgucker, wie in seiner Sat.1-Serie zu erleben, sondern kann auch Fernsehserien und Krimis mit knappen Worten auf den Punkt bringen. Tag für Tag gibt Pastewka auf seiner Homepage einen Fernsehtipp, preist dabei meist Wiederholungen und versteckte Ausstrahlungen – garniert mit einem Szenenfoto, in das er sich selbst eingeschmuggelt hat. Er findet zwar, dass das vielgescholtene deutsche Fernsehen sich international durchaus sehen lassen kann, vermisst aber „rätselhaftes Fernsehen“, das sich nicht so stark aufdrängt. Dafür macht er bei Ausflügen in die Fernsehhistorie immer wieder Entdeckungen. So kann er minutenlang über eine „Derrick“-Folge aus dem Jahr 1975 schwärmen, in der sich Klaus Löwitsch und seine Filmpartnerin Judy Winter ein Psycho-Duell liefern: „Er redet und redet, sie schweigt und weint – dazu Stille, keine Musik. Grandios! So eine überlange Kammerspiel-Szene traut sich heute kaum noch einer.“ Dass er in „Mutter muss weg“ neben einer Grande Dame wie Judy Winter spielen darf, macht ihn richtig stolz: „Sie hat Klasse, ist wahnsinnig exakt und wirklich verwandelt – so als würde sie gar nicht spielen.“

Mutter muss weg, Donnerstag, 20.15 Uhr, ZDF

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