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„Bad Girl Avenue“, ZDF Männchen wechsel dich

Das ZDF gönnt dem greisen Film-Anarchisten Klaus Lemke die Ausstrahlung seines neuesten Films, der wieder das süße Leben in München feiert: „Bad Girl Avenue“.

Bad Girl Avenue
In "Bad Girl Avenue" dominieren die Girls die Männerwelt. Anstatt Liebe zu schwören, konzentrieren sie sich lieber ganz auf ihr eigenes Business. V.l.n.r.: Rocky (Panagiotis Matsangos), Daidy (Daidy Mair), Anabell (Anabell Griess-Nega), Judith (Judith Paus). Foto: Paulo da Silva/ZDF

Der will ja nur spielen. Mit Bildern und Worten. Mit der Kamera, den Darstellern, der Szene. Vor allem der in München, seit gefühlten 100 Jahren die gleichen Straßen, Plätze, Kneipen. Und doch jedesmal ein bisschen anders. Nur ein bisschen, aber manchmal genügt das, um wieder gerne zuzuschauen, wenn Klaus Lemke einen neuen Film zeigt. „Bad Girl Avenue“ heißt er diesmal, ist sein gefühlt Hundertster, aber Lemke ist ja auch schon 77.  Es ist jetzt 50 Jahre her, dass er für seinen Erstling „48 Stunden bis Acapulco“ den Bambi bekam. Und es ist 50 Jahre her, dass May Spils mit „Zur Sache Schätzchen“ die erste jener „Schwabinger Milieukomödien“ drehte, die Lemke ein Jahrzehnt später mit „Amore“ und der von ihm entdeckten Cleo Kretschmer  als Mini-Genre etablierte (obwohl er sich gegen den Vergleich mit Spils’ Film wohl heftigst wehren würde).

„Bad Girl Avenue“ feiert wieder das Milieu, die Frauen und die filmische Anarchie. Drehbuch? Na ja. Inhalt, Story? Dito. Darum geht es nicht. Es geht um Atmosphäre, um Scherz und Ironie ohne tiefere Bedeutung. Und es geht um Frauen, stark und schön. Gerne blond, mit langen Beinen, aufgespritzten Lippen und gedopter Oberweite, im Ton rau aber  nicht herzlich,  auf jeden Fall der Boss. Judith  (Judith Paus)  sagt ihrem Chefchen in seiner Kneipe erstmal, was er zu tun hat. Anabell (Anabell  Griess-Nega) lacht nur über die Liebeserklärung von Rocky (Panagiotis Matsangos): „Wenn eine Frau wie ich jemanden wie dich ranlässt, hat das andere Gründe.“ Sie halten sich die Männer wie Hündchen. „Würdest Du mal eine halbe Stunden auf ihn aufpassen“ fragt Judith ihre Freundin. Die muss das aber irgendwie nicht richtig verstanden haben. Jedenfalls wird hier munter „Männchen wechsel Dich“ gespielt.

Das alles in der Münchner Maxvorstadt, der Verkehr gibt die Geräuschkulisse,  wenn nicht gerade DD Beck ein Liedchen auf der Klampfe intoniert, Schauplatz ist meistens eine Kneipe, manchmal der Englische Garten, und Männlein und Weiblein (meist Laiendarsteller) werfen sich verbal die Bälle zu, bisweilen mit einem kleinen Zitat: „Ich warte vor der Roten Sonne“, sagt Rocky einmal, Rudolf Thomes Film die Reverenz erweisend. 

Einem anderen Kollegen hat Lemke seinen Film gewidmet: François Truffaut. Das ist schon ziemlich hoch gegriffen. Aber trifft das Vorbild in einem Punkt präzise: „Kino“, so soll der Meister mal gesagt haben, heiße „schöne Frauen schöne Dinge tun lassen“.

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