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„Auf zum Mars“, Arte Nichts Leichtes trotz geringer Schwerkraft

Eine Dokumentation von Toby MacDonald räumt mit einigen Vorstellungen auf, was die Besiedlung des roten Planeten durch den Menschen angeht.

Auf zum Mars
Können Menschen auf dem Mars leben? Foto: rtr

Sechs bis sieben Monate unterwegs, das klingt noch ganz überschaubar. Allerdings würde man so eine Reise überwiegend in der Schwerelosigkeit machen, käme also mit arg geschwächter Muskulatur an. Man hätte zudem eine erhebliche Strahlenbelastung über sich ergehen lassen und würde vermutlich einige der Mitreisenden, mit denen man die ganze Zeit auf überaus engem Raum verbracht hätte, lieber nur noch aus großer Ferne sehen. Immerhin wäre man aber auf dem Mars und könnte sich all die überwältigenden Landschaften anschauen, die dieser Film emphatisch schildert: das Valles Marineris, eine Art Mega-Grand-Canyon, einen der wahrscheinlich größten Canyons des Sonnensystems. Den zwölf Kilometer hohen Pavonis Mons, einen erloschenen Schildvulkan in der Tharsis-Region mit 300 Kilometern Durchmesser. Oder die rätselhafte Terra Sirenum, wo terrestrische Astrobiologen am ehesten Spuren von Leben vermuten.

Man müsste allerdings längere Zeit mit diesen spektakulären Sehenswürdigkeiten zubringen, denn der Mars mit seiner elliptischen Sonnenumlaufbahn, auf der er pro Umkreisung fast zwei Erdenjahre unterwegs ist, wäre monatelang so weit entfernt von der Erde, dass man mit der Rückreise besser ein wenig warten sollte. Man würde sich mit einem 135-Kilo-Raumanzug abschleppen müssen, weil Atmosphäre und Druckverhältnisse einem sonst innerhalb von Sekunden den Körper komplett zerstört hätten. Immerhin würde der Raumanzug gefühlt nur etwa 50 Kilo wiegen, wegen der geringeren Gravitation.

Und dann, nach knapp anderthalb Jahren auf dem Mars, die Rückreise. Wieder sieben Monate mit den nervtötenden Mitreisenden, die immer ein bisschen mehr Trinkwasser wegschlabbern, als ihnen zusteht und die nie das Klo saubermachen. So eine Reise vom Mars, heißt es in Toby MacDonalds Film, ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven. 

Dennoch steigt die Chance, dass sie irgendwann, vielleicht noch in diesem Jahrhundert, unternommen wird. Obwohl es dort keinen freien Sauerstoff, kein flüssiges Wasser, irrwitzige Temperaturen und Temperaturunterschiede gibt und Telefongespräche zur Erde ziemlich umständlich wären. Immerhin könnte man forschen, graben, messen, herumkraxeln und vielleicht irgendwann einer außerirdischen Lebensform begegnen – am ehesten einem Mikroorganismus, der unter diesen Bedingungen überlebt hat. Allerdings sollte man sich vor Organismen, die unter solchen Bedingungen überleben können, besser fernhalten, wie Ridley Scotts Alien schon vor einem Menschenalter eindrucksvoll zeigte.

Toby MacDonalds für die BBC entstandene Dokumentation versucht, astronomische Erkenntnisse über den Mars in durchaus unterhaltsamer Weise zu einer Art filmischen Reiseführer über ein unbekanntes Land zusammenzustellen. Hohe Berge, riesige Wüsten, tiefe Canyons – das ist ein bisschen wie der Wilde Westen. Das ist allerdings auch ein bisschen wie eine Aussicht auf einen Planeten B, zu dem man sich aufmachen könnte, wenn der hiesige das Überleben unserer Gattung nicht mehr sichern kann. Insofern hält diese Dokumentation immer eine gewisse Nähe zu einer hirnerweichten Sorte von Science Fiction, macht aber andererseits auch klar: Leichter als hier wird das Leben auf einem anderen Planeten ganz bestimmt nicht.

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