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„Art of Crime“, ZDFneo Die Bulldogge im Porzellanladen

Geschliffene Dialoge, gewitzte Bildeinfälle – eine neue französische Krimiserie erzählt von Verbrechen in der Welt der Kunst.

Art of Crime
Der Kunsthochschulstudent Greg (Ambroise Sabbagh, liegend) wird während einer Party ermordet. Florence Chassagne (Éléonore Gosset, l.), Antoine Verlay (Nicolas Gob, M.) und Commandant Pardo (Benjamin Egner, r.) stehen vor einem Rätsel. Wer könnte von Gregs Tod profitieren? Foto: Thierry Langro/ZDF

Wer sich beim linearen Fernsehen mit „Tatort“ und Talkshows begnügt, spricht in diesen Tagen von einem programmlichen Sommerloch. Für alle anderen gilt das Klischee schon seit Jahren nicht mehr. Die Informationssendeplätze der öffentlich-rechtlichen Sender beispielsweise werden kontinuierlich mit Premieren bestückt, anstelle der politischen Talkshows gibt es Dokumentarfilme, selbst Serienstarts sind zu verzeichnen.

Aktuell nimmt ZDFneo die französische Krimiserie „Art of Crime“ neu ins Programm und startet gleich mit einer Doppelfolge. In diesem Falle sinnvoll, denn die Geschichte erstreckt sich über zwei Episoden. Deren Titel „Der Da Vinci Code“ ist nicht den französischen Serienschöpfern Angèle Herry-Leclerc und Pierre-Yves Mora anzulasten, die das poetischere „Une beauté faite au naturel“ als Überschrift wählten. Die platte und wenig angemessene Anspielung auf den Bestseller von Dan Brown geht aufs Kerbholz des ZDF.

Auf krude Verschwörungstheorien verzichten Herry-Leclerc und Mora; auch erfinden sie den Krimi nicht neu. Sondern variieren ein Muster, wie es oft schon angewendet und in Serien wie „Remington Steele“, „Das Model und der Schnüffler“ und „Castle“ besonders elegant und erfolgreich durchgespielt wurde: das charakterlich auf Kontrast gepolte Ermittlerpaar. Ein erheiterndes Moment ergibt sich schon daraus, dass der stürmische Capitaine Antoine Verlay (Nicolas Gob) nach einer Insubordination nur deswegen dem Rausschmiss entging, weil ein Freund ihn bei der Abteilung zur Bekämpfung des Kunstschmuggels unterbrachte.

Botticelli war keine Nudel

Nun vermag Antoine, wie die Kunsthistorikerin Florence Chassagne (Eléonore Bernheim) wenig später feststellen wird, Botticelli nicht von Barilla zu unterscheiden. Selbst als ein Kunstdieb im Hof eines Museums erstochen aufgefunden wird, sieht er keine Notwendigkeit, sich mit dem nötigen Grundwissen zu versorgen. Darum ermittelt die scharfsinnige Florence erst einmal auf eigene Faust. Völlig unglaubwürdig ist das nicht – auch Kunstwissenschaftler arbeiten oft mit detektivischen Methoden.

Um die beiden nun wirklich sehr gegensätzlichen Figuren zusammenzuspannen, haben sich die Autoren einen originellen Kniff einfallen lassen. Florence leidet an Höhenangst, und die Anfälle werden schlimmer. Sie ist deswegen bei einer Psychotherapeutin in Behandlung, die recht bald erkennt, dass der Rüpel Antoine ihrer Klientin guttut. Er fungiert als „kontraphobisches Objekt“. Was in der Realität bedeutet: Er bringt sie regelmäßig dermaßen auf die Palme, dass sie ganz vergisst, ohnmächtig zu werden.

Nach den Erzählregeln des Fernsehens

Trotzdem bleibt ihr diese Behinderung natürlich erhalten und wird dramaturgisch weidlich genutzt. Denn fortan werden die beiden häufiger miteinander zu tun bekommen, zum wechselseitigen Frommen und zur Erbauung des Zuschauers. Angèle Herry-Leclerc, Pierre-Yves Mora und die international erfahrene, für die Pilotfolge verantwortliche Regisseurin Charlotte Brändström haben hier eine originäre Fernsehserie geschaffen. Sie versuchen nicht, die Aufgeregtheit und den schnellen Erzähltakt gängiger Kinohits auf die genuine TV-Erzählform zu übertragen, wie man es zum Beispiel bei „Babylon Berlin“ beobachten konnte, wo vorrangig Sensation an Sensation gereiht, aber keine konsekutive Erzählung geschaffen wurde. Damit war genau die Dramaturgie gegeben, die vielen das Kino verleidet hat und sie das epischere Fernsehen entdecken ließ.

Die Paarung Schöngeist plus Banause erlaubt es den Autoren, kunsthistorisches Wissen in die Handlung einzubauen, ohne dass die Figuren über die Maßen ins Dozieren geraten. Da wird also en passant bei allem Spaß auch noch der Bildungsauftrag erfüllt. Die Dialoge sind spitz, manchmal garstig, auch die der Episodenfiguren. In der Auftaktfolge begegnen wir der snobistischen Kunstsammlerin Catherine Dutilleul, gespielt von Leinwandstar Miou-Miou. Die bescheidet dem Capitaine kühl: „Ich hatte früher mal eine Bulldogge. Die war genau wie Sie.“ Und als Begründung für die Trennung von ihrem Liebhaber gibt sie an: „Es wurde gewöhnlich.“

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