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ARD-Krimi Der Grübler und die Pragmatistin

Der Frankfurter Krimi „Goster“ ist bewusst abseits des Gängigen angesiedelt, bedient sich beim film noir und modernisiert gekonnt.

Goster
Goster (Bruno Cathomas) verhört einen Verdächtigeen (Luc Feit). Foto: (HR/Pressestelle)

Den Namen des Frankfurter Kommissars Goster (Bruno Cathomas) spricht man gedehnt aus, ähnlich dem englischen „ghost“. Ein Geist also? Zumindest ein sehr geistiger Mensch. Ein Grübler, der die alltäglichsten Dinge äußerst gründlich durchdenkt und der seine Umwelt mit Lebenskünstler-Aperçus wie „Sinnlose Dinge sind ansteckend.“ oder „Es gibt keine Zufälle. Es gibt nur Ereignisse.“ versorgt.

In der jungen Bereitschaftspolizistin Hannelore Klost (Julia Riedler) findet er einen attraktiven Widerpart. Auf intellektueller Ebene vielleicht noch nicht ganz ebenbürtig, indes eine begabte Elevin, steht sie anders als er mitten im Leben. Auch kennt sie keine Berührungsängste. Das darf man wörtlich nehmen. Wenn es den Ermittlungsfortschritten dient, schließt sie sich schon mal einer Gruppe sexueller Abenteurer an.

Goster und Klost treffen am Fundort einer nackten männlichen Leiche aufeinander. Während die Kamera zu den umstehenden Polizisten hinaufschwenkt, sieht man in einem eingeblendeten kleineren Bildausschnitt, wie der Mann zappelnd aus dem dritten Stock stürzt. Freitod oder Mord, das ist hier die Frage.

Goster und ein uniformierter Kollege wollen die fragliche Wohnung in Augenschein nehmen. Brechen die Tür auf, geraten in einen Flur. Aus einem verschlossenen Zimmer wird auf sie geschossen. Der Kollege stirbt, Goster erleidet eine Herzattacke. Er überlebt Schießerei und Infarkt, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Ihn plagt die Frage, ob er den Mörder womöglich gesehen hat. Zutiefst verunsichert, beinahe tranceartig bewegt sich Goster durch seine Ermittlungen und durch sein tristes Privatleben, das nur durch gelegentliche Schuhkäufe ein wenig Aufhellung erfährt.

Gosters erster Fall, dessen kriminalistische Problemstellung an Edgar Allan Poes „Der Mord in der Rue Morgue“ erinnert, wurde als Novelle niedergeschrieben von Gerhard Zahner, der inzwischen einen zweiten Roman folgen ließ, und von Markus Busch und Didi Danquart im Auftrag des Hessischen Rundfunks fürs Fernsehen adaptiert. Danquart führte auch Regie, und es gelingt ihm tatsächlich, den versponnenen Sonderling Goster ins Bildmedium zu übertragen, ohne ihm die Nachdenklichkeit zu rauben. Die Musik und Anleihen beim film noir (Kamera: Johann Feindt) sind eher konventionelle, zitathafte Stilmittel. Sie werden wirkungsvoll modernisiert durch Bild-im-Bild-Einblendungen und abgerundet durch Rückgriffe auf Bilder und Szenen im Comic-Stil, die der Berliner Illustrator Fufu Frauenwahl beisteuerte.

Ein kulinarischer Krimi also, reich an delikaten Verwicklungen, bewusst abseits des Gängigen angesiedelt, nachdenklich, melancholisch – und auf eigene und sehr kluge Weise ausgesprochen witzig, so wenn die türkische Putzfrau Gosters Lohnerhöhung zurückweist, weil sie nicht weiß, wie sie diese unerwartete Zuwendung ihrem Mann erklären soll.

„Goster“, Das Erste, Dienstag, 16.05.17, 23.00 Uhr

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