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Anne Will Trittin schießt gegen NRW-Kandidatin

Was lässt sich aus der Wahl in NRW lernen? Anne Will konfrontiert die SPD mit einer inzwischen peinlichen Aussage von Martin Schulz - und Grünen-Politiker Jürgen Trittin stellt sich selbst ins Abseits.

Im Abseits
Grünen-Politiker Jürgen Trittin (links) mit dem stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki: Geht es eigentlich auch irgendwann um die Menschen? Foto: Wolfgang Borrs (NDR)

Auf Anne Wills Redaktion war Verlass. Sie hatte der Polit-Talkerin einen Videoausschnitt mit in die Sendung gegeben, der Martin Schulz noch zum Verhängnis werden könnte. Am 2. April hatte dieser nämlich tatsächlich gesagt, dass, wenn er am 14. Mai auf die Wahlergebnisse schaue, der Balken nach oben gehen werde und Hannelore Kraft Ministerpräsidentin bleiben werde. „Und dann werde ich Bundeskanzler!“ Jawoll. Das war wohl nichts.

Mit Schulz` Parteifreundin und Familienministerin Manuela Schwesig, dem hessischen CDU-Ministerpräsidenten Volker Bouffier, dem stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki, dem gefühlten Ober-Grünen, derzeit aber „nur“ als Bundestagsabgeordneter firmierenden Jürgen Trittin und dem Chefredakteur der „Zeit“ Giovanni di Lorenzo diskutierte Anne Will über die Auswirkungen der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Schwesig hielt zunächst einmal dagegen und vertrat die Ansicht, dass es kein Fehler war, dass Schulz sein Schicksal derart eindeutig, wie in dem eingangs gezeigten Mitschnitt an ein positives Abschneiden von Hannelore Kraft geknüpft hat.  „Was hätte er denn anderes tun sollen?“ Danach nannte sie Armin Laschets Wahlkampf einen richtigen „Wutbürgerwahlkampf“. Außerdem antwortete Schwesig auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, dass Schulz, auf Krafts Bitte hin, die Präsentation seiner Programmatik aufschob, dass Kraft eben mit landepolitischen Themen Wahlkampf gemacht habe. Eine Antwort war das nicht.

Es folgte der erste bemerkenswerte Auftritt Trittins. Er erklärte, dass das Wahlergebnis eine verheerende Niederlage sei – auch für seine Partei wohlgemerkt. Um dann, gemünzt auf die NRW-Schulpolitik, gegen seine Parteifreundin Sylvia Löhrmann zu schießen: „Wenn man offensichtliche Fehler macht, wie das in NRW geschehen ist, dann schneidet man eben schlecht ab.“ Und glücklicherweise habe Löhrmann nicht so viele Ämter inne, daher müsse sie nicht so viel zurücktreten. Rums – der hat gesessen.

Bouffier appellierte an die Sozialdemokraten, das Ergebnis nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern zu erkennen, dass es ein Desaster sei. In Richtung Martin Schulz fragte er: „Mit wem will er das, was er vorhat, durchsetzen und wie will er es bezahlen?“ So lande die SPD immer wieder bei einem Rot-rot-grünem Bündnis, von dem man nach wie vor nicht wisse, ob es die Genossen wollen oder nicht.

Wolfgang Kubicki prognostizierte: „Wenn die SPD ausschließlich auf die soziale Gerechtigkeit setzt, dann garantiere ich, geht sie unter 25 Prozent.“ Außerdem sei es eine spannende Frage, ob Deutschland in den Jahren der SPD-Regierungsbeteiligung gerechter geworden ist oder nicht.

Dann aber kam der große Auftritt Trittins, als er den Versuch unternahm, Kubicki eine Brücke zu bauen, wie er es nannte. „Ich halte Sie für einen guten Machtpolitiker und will Ihnen mal was zum Nachdenken geben“, hob er an, um im Folgenden zu erklären, dass die FDP und die Grünen doch gemeinsam den Wahlsieger CDU kaltstellen könnten, um dann die Partei mit den zweitmeisten Stimmen – die SPD – gewissermaßen einzuhegen.

Manuela Schwesig und Volker Bouffier fiel die Kinnlade herunter, Schwesig schickte verächtliche Blicke in Trittins Richtung. „Geht es hier eigentlich auch irgendwann um die Menschen und nicht um Koalitionsspielchen?“

Kubicki wiegelte Tritten dann auch schroff ab: „Es ist absurd, was Sie gerade tun. Das was Sie gerade sagen, zeigt mir Ihre Verachtung gegenüber den Freien Demokraten und es wird nicht besser.“ Den FDP-Mann hatte im Unterschied zu Trittin sein politischer Instinkt nicht verlassen: Trittin währenddessen, hat sich um Kopf und Kragen geredet. Auf der Couch von Anne Will.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Nordrhein-Westfalen

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