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„Anne Holt – Der Mörder in uns“, ZDF Eine Präsidentin verschwindet

Das ZDF präsentiert an vier Abenden skandinavisch-deutsche Krimispannung unter Mitwirkung amerikanischer TV-Stars wie Kim Cattrall und Billy Campbell.

Anne Holt: Der Mörder in uns
US-Präsidentin Helen Tyler (Kim Cattrall, l.) landet zu ihrem ersten Staatsbesuch in Stockholm. Mit an Bord der Air Force One ist ihre Tochter Zoe (Emilia Poma, r.). Zoe ahnt nicht, dass ihre Mutter noch am selben Abend spurlos verschwinden wird. Foto: ZDF/© Miso Film 2017

Die geografische Herkunft einer Fernsehproduktion ist kein Gütesiegel. Das gilt auch für die in Deutschland oft sehr wohlwollend betrachteten skandinavischen Krimiserien. Kürzlich zeigte Arte mit „Elven – Fluss aus der Kälte“ eine norwegische Produktion, die durchgängig negativ auffiel: durch einen von vornherein unglaubwürdigen Plot, der sich vor allem an spekulativen Szenen entlanghangelte, durch inszenatorische Nachlässigkeiten in Fülle.

Deutlich besser macht sich die Krimiserie „Anne Holt – Der Mörder in uns“ auf dem sonntäglichen Krimisendeplatz des ZDF. Personell knüpft die Erzählung an „Modus – Der Mörder in uns“ an. Im Grunde handelt es sich um eine zweite Staffel der Serie, die im Original schlicht „Modus“ heißt und in anderen Ländern in acht Folgen zu je 45 Minuten ausgestrahlt wurde, während das ZDF je zwei Episoden zu einem 90-minüter zusammenzieht.

Wieder schrieben Mai Brostrøm und Peter Thorsboe die Bücher nach einer Vorlage der norwegischen Bestsellerautorin Anne Holt. Sie nehmen inhaltlich kaum Bezug auf die erste Staffel, wenngleich das Privatleben der Kriminalpsychologin Johanne Vik (Melinda Kinnaman) passend fortgeschrieben wird. Sie lebt jetzt in neuer Partnerschaft mit dem Kriminalpolizisten Ingvar Nyman (Henrik Norlén) und erwartet ein Kind von ihm. Beide werden in eine Sondereinheit berufen, die während eines Staatsbesuchs der US-Präsidentin Helen Tyler (Kim Cattrall) in Schweden deren Sicherheit gewährleisten soll. Gleich nach der Ankunft Tylers in Stockholm gibt es eine Planänderung: Statt, wie offiziell angekündigt, im „Grand Hotel“ wird sie im Admiralitätshaus untergebracht. Und ausgerechnet von dort verschwindet sie über Nacht, unter den Augen ihrer Leibgarde.

Die amerikanischen und schwedischen Bewacher stehen vor einem Rätsel. Hektisch werden die Ermittlungen aufgenommen. Die Sorge gilt nicht nur dem Wohlergehen der Präsidentin. Sollte sie entführt oder gar ermordet worden sein, hätte dies innen- wie außenpolitische sowie wirtschaftliche Auswirkungen von kaum ermesslichen Ausmaßen. Aus Washington trifft Verstärkung ein, ebenso der Ehemann der Präsidentin (Billy Campbell), der sich um Tochter Zoe kümmert.

Anne Holt schreibt  mit größter Sachkunde

Anne Holt, die Autorin der Romanvorlage, ist Juristin. Sie arbeitete in der Strafverfolgung, als Journalistin und war zeitweilig Justizministerin ihres Landes. Sie schreibt also mit größter Sachkunde. Die etwas gewagt erscheinende Exposition, das mysteriöse Verschwinden der US-Präsidentin auf fremdem Territorium, ist für Holt und das Drehbuchteam nur Ausgangspunkt für eine ausgetüftelte Kriminalerzählung mit vielerlei gesellschaftlich und politisch relevanten Aspekten.

Beeindruckend dabei, mit welcher handwerklichen Finesse Mai Brostrøm und Peter Thorsboe gleich auf mehreren Ebenen für Spannung sorgen. Die rastlose Suche nach Helen Tyler bildet nur das übergeordnete Moment. Bei vielen der Figuren bleiben Absichten und Motive im Ungewissen. Der amerikanische Secret Service und das FBI sind uneins und machen sich bei ihren schwedischen Kollegen unbeliebt. In der schwedischen Regierung wird vorbeugend intrigiert für den Fall, dass der Öffentlichkeit ein Schuldiger präsentiert werden muss. Die Justizministerin, gerade neu im Amt, erscheint als geeignete Kandidatin.

Die hochschwangere Johanne Vik sieht sich besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Im Tross der US-Präsidentin entdeckt sie den FBI-Beamten Warren Schifford (Greg Wise), ein widerwärtiger Bursche, der ihr vor Jahren Gewalt angetan hatte. Ein Kapitel, das sie vor ihrer Familie verbergen möchte. Und dann muss sie ausgerechnet mit Schifford und zugleich mit Ingvar Nyman zusammenarbeiten. Konflikte sind vorprogrammiert.

Über den Ränken und Kabalen kommt die polizeiliche Ermittlungsarbeit nicht zu kurz. Johanne Vik ist psychisch mitgenommen, aber ihr kriminalistischer Scharfsinn bleibt wach. Auch unter diesem Gesichtspunkt sind die Drehbücher exzellent gearbeitet, mit Augenmerk auf entscheidende Details. Schwächen gibt es in der Schlussfolge, wenn einige sekundär angesprochene Motive nur halbherzig abgeschlossen werden.

Insgesamt aber gelang unter Mitwirkung des ZDF eine hochwertige Krimiproduktion, die ihr Niveau dem Umstand verdankt, dass sich die Autoren auf ihre Figuren einlassen, ihnen Raum geben, berufliche, soziale und familiäre Beziehungen in die Erzählung aufnehmen. Und das auf so fesselnde Weise, dass „Modus“ in Schweden zum Publikumsrenner wurde und auch im Ausland Erfolge verbuchen konnte.

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