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"Alles Verbrecher – Leiche im Keller", ARD Hessisches Allerlei

Rolf Silber inszeniert eine neue, stark frankfurterisch gefärbte Episode von „Alles Verbrecher“. Das ist natürlich kaum Krimi und viel Klamauk. Aber  der Schwank ist tatsächlich ziemlich lustig.

26.02.2015 07:22
David Segler
Nicht gerade erfreut über den toten Armin Teller (Thomas Balou Martin, links): Maren Wenning (Julia Richter) und Rudi Sterzenbach (Rainer Ewerrien). Foto: HR/Degeto/Christian Lüdeke

Gleich zu Anfang wird wie in der klassischen Krimistruktur eine Leiche gefunden, und es ist symbolisch für alle Figuren in diesem Film: Sie liegt auch noch im Keller, eingewickelt in ein Transparent der Bürgerinitiative gegen die Gentrifizierung des Frankfurter Bahnhofsviertels. Und ganz klassisch fragen sich die Ermittler dann auch durch die Struktur des „Whudunit“. Das ist aber auch fast schon alles, was vom Krimi in dieser Episode von „Alles Verbrecher“ übrig bleibt. Der Rest ist feinste Klamotte, inszeniert von Rolf Silber, dessen  Frankfurter Produktionsfirma U5 den Film produziert hat.

Silber lebt selbst schon lange in Frankfurt. Man merkt dem Regisseur beinahe in jeder Minute seine Liebe zu Frankfurt und ihren hessischen Einwohnern an. Bis auf die Ermittler und ein paar der größten Bauunternehmer  – die müssen ja seriös ihre Kunden über den Tisch ziehen –  spricht in dieser Groteske  denn auch eigentlich kein Mensch hochdeutsch. Dass es um  das Aufhübschen von Wohnvierteln und damit der Vertreibung von deren „Ureinwohner“ geht, ist freilich nichts Neues, die Lage der Mieter wird in vielen deutschen Städten immer brisanter und schlägt sich folglich auch in der Filmkunst nieder; Wohnungsnot ist außerdem eine solide Grundlage für einen Krimi, auch der „Tatort“ hat ja  mehrfach Folgen diesem Thema gewidmet.

Obwohl hier teilweise ein Kalauer den anderen jagt und die Geschichte nun wirklich nicht unvorhersehbar ist, gelingt Silber das, woran zum Beispiel der Tatort Münster in letzter Zeit immer öfter scheitert: Komik. Der Film ist wirklich witzig, man sieht verschrobenen, merkwürdigen, aber im Grunde liebenswerten und oft sogar harmlosen Charakteren zu, denen man für einen guten  Lacher beinahe alles verzeiht.

Selbst der am Ende entlarvte Täter hat ein Motiv, bei dem man geneigt ist, zu verstehen, warum er/sie den Toten namens Teller (viel zu kurz und oft unterschätzt: Thomas Balou Martin) erschlagen hat.

Der Film jedoch ist so voll von Figuren, dass das besonders schräge Ermittlerteam ein wenig darunter leidet. Sie sind in dieser hessischen Komödie tatsächlich die Farblosesten, dabei bietet das Gespann aus der erfahrenen älteren Ermittlerin und dem jungen, etwas naiven Cop mit  südländischen Wurzeln (Ulrike Krumbiegel und Daniel Rodic) viel Potenzial.

Silber (Regie und Buch) verbringt aber so viel Zeit in der Welt der möglichen Täter, dass dieses Potenzial praktisch nie ausgeschöpft wird. Da ist dann der Streit der Polizisten darum, mit welchem Auto gefahren wird und wer dann welche Musik hören möchte, doch etwas zu wenig.

Am Ende hat hier jeder die titelgebende Leiche im Keller. Hartgesottene Krimifans werden wahrscheinlich nach kurzer Zeit abschalten, aber wer sich auf einen netten Film aus der Stadt der vielen Banken einlassen mag, kommt sicher auf seine Kosten.

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