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„V – die außerirdischen Besucher kommen“ Iss noch ne Maus, Diana

Außerirdische waren vor 30 Jahren in deutschen Wohnzimmern plötzlich greifbar nah - Sat.1 zeigte sie uns in einer Ami-Serie als verschlagene Reptilien. Unser wehmütiger Blick auf die großen Serien von damals.

V – die außerirdischen Besucher kommen
Diana (Jane Badler) war die Bösheit in Reinkultur. Mochte aber Tiere. Foto: Screenshot - Youtube

Die außerirdische Bedrohung war vor 30 Jahren auch in deutschen Wohnzimmern plötzlich greifbar nah – dank des gerade erst aus dem Ei geschlüpften Privatfernsehens. Und der Science-Fiction-Serie „V –die außerirdischen Besucher kommen“.  Sat.1 zeigte uns die Aliens so, wie sie in den USA schon 1983 die Mattscheiben erobert hatten: in roten, superschnittigen Uniformen und mit ultramodernen, aber natürlich dennoch untertassenförmigen Raumschiffen. Und mit einem menschlichen Äußeren.

Sehr, wirklich sehr böse waren die Außerirdischen. Das zeigte ihre gnadenlose Kommandantin Diana (gespielt von Jane Badler), die en passant lebendige weiße Mäuse und andere Kleinnager wie M&Ms wegsnackte. An diesem Running Gag konnte ich mich als Schulkind einfach nicht sattsehen.

Unter der menschlichen Hülle der Aliens - natürlich nur infame Maskerade – steckten lichtscheue Reptilien-Monster mit bösen Absichten, grüner Haut und Schlangenzungen. Das wusste erst mal aber nur der „Widerstand“, der im Untergrund seine Aktionen plante und mit kleinkalibrigen Schusswaffen den überlegenen Laserkanonen der Besatzer entgegentrat. Ein abgeschmacktes Klischee? Ja. „Star Wars“ war im Kino ja schon  erfolgreich und die Ironie im US-Fernsehen wurde erst später (wieder-) erfunden.

Eine Million Dollar pro Folge

Opulent inszeniert war die damals teuerste TV-Serie „V“, eine Million Dollar kostete die Produktion einer einzigen Folge. Wie gebannt glotzte ich als Elfjähriger mit. Ich ließ mich fesseln von der Geschichte des tapferen Widerstands und der futuristischen „Besucher“, die natürlich die friedlichen Absichten vor sich hertrugen und dann aber doch Menschen verschwinden ließen, um Reagans Amerika und dann die ganze Welt zu unterjochen. Die Bewohner des blauen Planeten eignen sich eben viel zu gut als Nahrungsergänzung für die Außerirdischen, auch die Wasservorräte sind von großem Wert.

Die Aliens im feschen Dress verstehen sich gut auf das Manipulieren der Medien, gründen gar eine Jugendorganisation, reißen immer mehr Menschen in ihren Bann, die die Besucher und ihr Symbol frenetisch feiern. Ein Symbol, das auf jeder Uniform prangt und nicht nur zufällig an ein Hakenkreuz erinnert. Tatsächlich ist die Serie eigentlich eine Analogie zu der gnadenlosen Propaganda- und Vernichtungs-Maschinerie des NS-Regimes.

Für das deutsche TV-Publikum wurden in der Synchronisation entscheidende Bezüge zum Nationalsozialismus leicht abgeändert. So wurde etwa aus dem „großen Führer“ der „große Denker“.

Als Kind entging mir das eigentlich Offensichtliche. Ich wollte nur, dass der Widerstand am Ende obsiegen würde. Und so wäre es wohl auch gekommen, wenn die Serie nicht nach einem Quotenabsturz in den USA mittendrin eingestellt worden wäre. Das Remake von 2009 blieb dem Vorbild in diesem Punkt treu – und wurde ebenfalls schon bald wieder eingestellt.

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