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„Anna“ Tanzen wie Anna

Anna- Die ZDF-Weihnachtsserie löste 1987 einen Run auf die Ballettschulen aus. Alle wollten so schön tanzen können wie die Hauptdarstellerin Silvia Seidel. - Unser wehmütiger Blick auf die großen Serien von damals.

Anna
Anna löste einen regelrechten Hype aus. Foto: imago

Wir wollten alle Anna sein. Anna Ballerina. Die sechsteilige ZDF-Weihnachtsserie hatte bis zu zwölf Millionen Zuschauer und löste 1987 einen Ballettschulen-Run aus. Meine Grundschul-Freundinnen und ich hingegen hüpften im Kinderzimmer zum Hit der Serie „My love is a tango“ zu unserer eigenen Choreo.  Die damals für uns schon sehr erwachsene, 17-jährige wunderschöne Silvia Seidel mit ihren langen blonden Haaren und ihren grazilen Bewegungen hüpfte sich sofort in unsere Herzen und wurde zu unserem absoluten Vorbild.  

Dabei ist der Anfang sehr dramatisch: Anna Pelzer, die talentierte Ballettschülerin, hat einen Autounfall. Ihre Wirbelsäule ist so schlimm verletzt, dass sie zunächst weder Arme noch Beine bewegen kann. Sie verliert all ihren Lebensmut. Aber da lernt sie Rainer, gespielt von dem damaligen ZDF-Weihnachtsserien-Helden Patrick Bach, im Krankenhaus kennen. Er selbst sitzt im Rollstuhl und motiviert sie wieder laufen zu lernen. Die wohl berühmteste Szene ist wie er einen nassen Schwamm auf sie wirft, und sie aus Wut tatsächlich ihre Arme wieder bewegt und den Schwamm zurückwirft. Und dann tanzt Anna wieder. Verliebt sich erstmal nicht in Rainer, sondern in einen schnieken Tänzer. Am Ende bekommt sie ein Stipendium in Paris und tanzt sogar bei Schwanensee mit. 

Bis heute haben wir Anna-DVD-Abende. Die Serie war so erfolgreich, dass es eine Fortsetzung als Kinofilm gab. Silvia Seidel gewann zahlreiche Preise, drehte sogar in den USA einen Tanz-Film. Jahrelang hörten wir nichts mehr von ihr, die Erfolge bleiben aus. Und dann im Jahr 2012 die Schock-Schlagzeile: „Silvia Seidel stirbt mit nur 42 Jahren.“ Selbstmord. Sie litt an Depressionen, war einsam und meist arbeitslos. Wir können es nicht glauben. Und das Traurigste, ihren Tod bemerkte nur ihre Wirtin, weil sie seit Tagen nicht mehr in ihre Stamm-Kneipe kam. Und wir wollten früher alle Anna sein.

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