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WM 2018 Wenn WM-Werbung daneben geht

Alle wollen etwas verdienen mit der WM. Das führt zu teils geschmacklosen und absurden Aktionen. Ein Überblick.

WM 2018
Mal zur Abwechslung eine sinnvolle und am Fan orientierte Werbeaktion in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Nicht nur Fußballfreunde und Hobbypatrioten in aller Welt sind Feuer und Flamme, wenn alle vier Jahre die Fußball-WM ausgetragen wird. Auch der Lebensmittelkonzern Rewe ist ganz vorne dabei, wittert er doch nicht nur bei Panini-Bildchen-Sammlern und Grillmeistern ein riesiges Geschäft. Nach Hause getragen werden die Sixpacks, die der Fan vor dem nächsten Spiel noch kaltstellen muss, in der limitierten Auflage der eleganten Jogi-Löw-Baumwolltasche – für nur 4,99 Euro pro Stück. „Bist Du ein Fan, sind wir Dein Markt“, lautet der Slogan für das Rewe-Torwandschießen, bei dem es „tolle Coupons und Gewinne“ zu holen gibt.

Ein wenig Übung an der eigenen Torwand hätte den Werbeverantwortlichen bei Rewe nicht geschadet, sind sie mit ihrer jüngsten Aktion bei Twitter doch deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Eine Tex-Mex-Pizza aus dem eigenen Sortiment wird mit folgenden Worten beworben: „Mexikanern beim Aufwärmen zugucken? Geht auch in deinem Backofen“.

Über den anschließenden Shitstorm in den sozialen Medien zeigt sich der Konzern überrascht, aber mehr trotzig als einsichtig. „Hallo zusammen, unseren Tweet zum Mexiko-Spiel haben viele leider missverstanden. Wir haben diesen nun gelöscht, um auszuschließen, dass er für Zwecke, die abseits des hier gemeinten Lebensmittelkontexts stehen, missbraucht wird.“ Nur ganz böse Zungen würden behaupten, dass damit suggeriert wird, es wäre total absurd, außerhalb des „gemeinten Lebensmittelkontexts“ ein bisschen Bauchschmerzen zu bekommen, wenn „Deutsche andere Völker in den Ofen“ stecken, wie ein Nutzer schreibt.

Der sportlichen Fairness halber sei gesagt, dass sich nicht nur Rewe vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Auswahl gegen Mexiko gehörig im Ton vergriff. Die Welt am Sonntag titelte: „Sorry, Mexiko. Heute bauen WIR die Mauer!“ Hinter der abgebildeten Mauer mit einer Reihe von Deutschland-Fähnchen lugt derjenige hervor, dessen hetzerische Propaganda mit dem Zeitungscover aufgegriffen wird, namentlich Donald Trump, seine Sprechblase fragt: „What? Germany First?“ Da staunt der US-Präsident und lässt sich wohl gerne inspirieren, denn auch die Deutschen können ganz tolle Mauern bauen – selbst wenn der abgebildete Manuel Neuer vor der Mauer verspricht: „[W]ir reißen sie nach Abpfiff wieder ein“.

Noch pikanter wird der Zeitungstitel durch den Zeitpunkt seiner Veröffentlichung. Am 17. Juni 2018 ist nicht nur der Tag, an dem die mexikanische Auswahl der deutschen auf dem Platz zeigt, wo es langgeht, sondern auch jener Tag, an dem sich ein gewisser Aufstand in der DDR zum 65. Mal jährt. Im Jahr 1953 schlug die Sowjetarmee die Demonstrationen Tausender gegen die Staatsführung gewaltsam nieder, 34 Menschen starben. Aber das ist ja schon lange her, und irgendwann muss es auch mal gut sein, könnten sich die zuständigen Redakteure bei der Welt vielleicht gedacht haben. Oder sie hatten im WM-Rausch einfach keinen Blick für das Historische.

Auf der sicheren Seite sind eigentlich nur jene, die sich mit sich selbst und der eigenen Flagge beschäftigen, die ja auch irgendwie die Schönste von allen ist. Für das „beste WM-Zuhause der Welt“ hat Severin drei Kühlschränke im Angebot – einen in schwarz, einen in rot, einen in gold, je 279 Euro. Einen echten Lederfußball von Severin gibt es sogar gratis dazu. Für das richtige Hobby-Patrioten-Feeling zuhause müsste man die Kühlschränke allerdings hinlegen und aufeinander stapeln. Nebeneinander gestellt ergeben sie nämlich die belgische Flagge, und das kann ja wohl niemand wollen.

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