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„Weizenbaum-Institut“ Selbstbestimmt durchs Netz

Ein neues Institut in Berlin soll ethische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte der Digitalisierung erforschen. Im Zentrum steht die Frage, wie die Selbstbestimmung in einer vernetzten Gesellschaft gesichert werden kann.

Glasfaserkabel
Rund 100 Wissenschaftler analysieren künftig den digitalen Wandel. Foto: dpa

Auch wenn die Digitalisierung im Kanzlerduell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) kaum eine Rolle spielte: Das Internet hat die Gesellschaft verändert und wird es in Zukunft noch viel mehr. Diesen digitalen Wandel zu erforschen, zu analysieren und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, ist nun Aufgabe des Internet-Instituts, das am Donnerstag in Berlin-Charlottenburg eröffnet wurde und das offiziell den Namen „Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft“ trägt.

Benannt ist es nach dem Internetpionier Joseph Weizenbaum, ein Mathematiker und Computerwissenschaftler der 50er und 60er Jahre, der sich kritisch mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine auseinandergesetzt hat.

So soll es in der Forschung im Institut nicht nur um rechtliche oder wirtschaftliche Aspekte gehen, sondern auch um ethische und gesellschaftliche. Im Zentrum der Wissenschaft liegt die Frage, wie die Selbstbestimmung in einer vernetzten Gesellschaft gesichert werden kann.

„Menschen steuern Technik, nicht umgekehrt“

Entscheidend sei, was sich für jeden einzelnen ändere, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Eröffnungsfeier in der Universität der Künste. Technologien fänden nur Akzeptanz, wenn sie auch benötigt würden. „Das ist immer ein Abwägen zwischen Risiken und Chancen“, sagte sie weiter. So könnten Big Data, Smartphones oder automatisiertes Fahren das Leben bequemer machen. Gleichzeitig brächten diese Entwicklungen auch Herausforderungen mit sich.

„Dazu brauchen wir keine staatlich finanzierten Bedenkenträger, sondern Wissenschaftler, die uns Handlungsempfehlungen geben“, betonte Wanka, deren Ministerium dazu Fördermittel in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in den ersten fünf Jahren bereitgestellt hat. Das Land Berlin trägt die Kosten für die Immobilie und die Ausstattung der Büroräume in de Hardenbergstraße.

Insgesamt sollen 100 Wissenschaftler dieser Aufgabe gerecht werden. Dazu werden 20 Gruppen für sechs Forschungsbereiche aufgebaut, die beispielsweise zu den Bereichen Daten als Zahlungsmittel, Verantwortung und das Internet der Dinge, Sharing-Economy oder digitale Souveränität forschen. Oder ganz praktisch gefragt: Wie lässt sich eine breite Inklusion von Beschäftigten in die anspruchsvollen und flexiblen Arbeitszusammenhänge erreichen? Geplant sind auch öffentliche Vorträge, Open Lap Meetings oder parlamentarische Abende.

Getragen wird das Weizenbaum-Institut von einem Netzwerk aus Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen aus Berlin und Brandenburg: Die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin, die Universität Potsdam, das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Das Konsortium hatte sich in einem bundesweiten Wettbewerb durchgesetzt und erst im Mai den Zuschlag bekommen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht in der neu gegründeten Einrichtung in Berlin die Digitalisierungsstrategie des Berliner Senats bestätigt, „es ist aber auch eine Verpflichtung, die Digitalisierung weiter voranzutreiben“, betonte Müller. „Es ist immer noch so, dass die Menschen die Technik steuern, nicht umgekehrt.“ Er hofft, dass das Weizenbaum-Institut künftig „wichtige Impulse für das ganze Land“ setze und dass Berlin als Hauptstadt zur führenden Metropole auch im Bereich Digitalisierung werde.

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