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Wahlwerbung „Partei“-Plakat sorgt für Diskussion

Der Slogan erinnert an einen Satz der CDU - mit einem Wahlplakat mit einem toten Flüchtlingskind sorgt „Die Partei“ für heftige Diskussionen im Netz.

Ein Ausschnitt des umstrittenen Wahlplakats der Partei. Foto: Screenshot: facebook.com/die Partei Helgoland

„Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ – so der Slogan auf zahlreichen Wahlplakaten, mit denen die CDU auf ihrer Jagd nach Stimmen deutschlandweit plakatiert. Daneben lächelt Kanzlerin Angela Merkel vor schwarz-rot-gelbem Hintergrund den Betrachter an. „Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen“ steht auf einem anderen Wahlplakat geschrieben – es zeigt einen Strand mit der Leiche von Aylan K.

Das Foto des toten dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Körper an der türkischen Küste am Mittelmeer angespült wurde, sorgte vor ziemlich genau zwei Jahren für Diskussionsstoff in Politik, Presse und sozialen Medien. Das Plakat mit dem toten Jungen stammt von der Partei „Die Partei“, einst von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet. Die Anspielung auf die Wahlwerbung der CDU findet sich nicht nur in der Sprache, in der rechten oberen Ecke wird ein CDU-Logo angedeutet und überdeckt.

Erklärung der Partei

Auf ihrer Homepage beklagt die Partei, dass ihr umstrittenes Plakat aus Sachsen bei Facebook gelöscht wurde. Im Netz findet sich das Original derzeit auf dem Facebook-Auftritt der Partei Helgoland, samt einer Erklärung: „Beim Erstellen des Plakats haben wir uns an der Feelgood-Kampagne der CDU orientiert und das Strandbild mit den meisten Klicks gesucht. Das Ergebnis hat uns auch überrascht, aber wie Grüne, AfD und Co. zeigen: Kinder machen sich immer gut“, erklärt die Partei. Und weiter: „Einige beklagen die Auswahl dieses Bildes: Stimmt, wir wollten irgend eine andere der tausenden Kinderleichen nehmen, denn der Junge hat wirklich genug gelitten, aber die anderen wurden einfach nicht so hübsch fotografiert.“

Ob die gewählte Form der Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik zu weit geht oder nicht, darüber wird im Netz heftig diskutiert. „Es beschreibt sehr treffend die gegenwärtige Politik der BR und der EU. Es finden nur diejenigen geschmacklos die sich, irgendwie, selber im Spiegel erkennen“, kommentiert Micha Brotock unter dem Facebook-Post der Partei. „Trotzdem geschmacklos“ findet es Anja Dähn und ist damit nicht die Einzige.

Neues Plakat nach Löschungen

„Wer dieses Plakat schon zynisch oder geschmacklos findet, frage ich: Was ist dann erst diese menschenverachtende, zynische und geschmacklose Politik, die solche Bilder liefert?“ fragt hingegen Andreas Balzer. Facebook-Nutzer Thomas Fischer schreibt: „Das hat weder mit gutem Geschmack noch mit Aufklärung zu tun. Diese BTW scheint, neben Rhetorik, die schon in der Weimarer Republik angewendet worden ist, zu offenbaren, wie weit die Schwelle menschlicher Verachtung oder Ausbeutung fortgeschritten ist und keine Grenzen mehr kennt.“ „Tut weh, tut not!“ - „Inhaltlich treffend, Ausführung daneben“ lauten weitere der zahlreichen Kommentare, die auf Facebook zu lesen sind.

Auf die Löschungen der Plakate auf verschiedenen Facebook-Portalen hat die Partei mittlerweile reagiert: Der Text auf einem neuen Plakat lautet nun „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne wegschauen“. Das Bild darauf zeigt nun nur noch den Strand - ohne die Leiche des toten Flüchtlingsjungen.

 

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