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USA Trumps Attacke gegen Professorin löst Proteststurm aus

Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport solidarisieren sich zehntausende Frauen und Männer mit Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford.

22.09.2018 07:47
Trump
Donald Trump löst mal wieder einen Proteststurm aus. Foto: afp

Die Frontalattacke von US-Präsident Donald Trump gegen die Professorin Christine Blasey Ford im Streit um den Richterkandidaten Brett Kavanaugh hat im Internet eine Welle der Empörung ausgelöst.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter zeigten sich am Freitag zehntausende Menschen unter dem Stichwort #WhyIDidntReport (Warum ich nichts gesagt habe) solidarisch mit Ford. Wie zu Beginn der #MeToo-Debatte schilderten sie Fälle sexuellen Missbrauchs und warum sie niemandem etwas davon erzählten. Auch die Tochter des ehemaligen US-Präsidenten und Republikaners Ronald Reagan, Patti Davis, äußerte sich in einem Artikel in der „Washington Post“.

Trump stellt Fords Glaubwürdigkeit in Frage

Ford beschuldigt den erzkonservativen Kandidaten für das mächtige Oberste Gericht, vor dreieinhalb Jahrzehnten während einer Teenager-Party über sie hergefallen zu sein. Kavanaugh weist die Anschuldigung zurück.

Nach anfänglicher Zurückhaltung hatte Trump am Freitag die Glaubwürdigkeit Fords in Frage gestellt. Auf Twitter schrieb Trump, er habe keine Zweifel: „Sollte der Angriff auf Dr. Ford wirklich so schlimm gewesen sein, wie sie sagt, hätten schon damals entweder sie oder ihre liebevollen Eltern Anklage bei den örtlichen Strafverfolgungsbehörden eingereicht.“

Das 36 Jahre lange Stillschweigen der Frau ist einer der größten Kritikpunkte des Kavanaugh-Lagers. Trump forderte Ford auf, Dokumente über eine Anzeige vorzulegen, „so dass wir Datum, Zeit und Ort erfahren können“.  Aus Fords Schilderungen geht hingegen hervor, dass eine Anzeige damals offensichtlich nicht erstattet worden war.

„Ich wurde zweimal sexuell missbraucht. Einmal, als ich ein Teenager war. Ich habe 30 Jahre gebraucht, um es meinen Eltern zu sagen“, erklärte die Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter.

Die Aktivistin Ashley Judd, eine der Frauen, die den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung beschuldigte, erklärte: „Als es das erste Mal passierte, war ich sieben.“ Als sie Erwachsenen davon erzählt habe, hätten diese erwidert, der Täter sei ein „netter alter Mann, der es nicht so gemeint hat“. Als sie mit 15 Jahren ein weiteres Mal vergewaltigt worden sei, habe sie es nur ihrem Tagebuch anvertraut.

Auch die republikanische US-Senatorin Susan Collins, Mitglied im Justizausschuss, zeigte sich erschüttert: „Ich war entsetzt vom Tweet des Präsidenten“, sagte sie US-Medien. Es sei bekannt, dass sexuelle Übergriffe zu den am seltensten gemeldeten Fällen gehörten. Daher sei der Tweet des Präsidenten „völlig unangemessen und falsch“.

Ford hatte nach eigener Schilderung erst 2012 während einer Paartherapie mit ihrem Ehemann erstmals genauer von der sexuellen Attacke erzählt, die sie als 15-Jährige erlebt habe. Opfer von sexueller Gewalt scheuen häufig aus Scham und Furcht davor zurück, von dem traumatischen Erlebnis zu erzählen. (afp/dpa)

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