Lade Inhalte...

Upload-Filter „Nicht ausgereift genug“

Jurist Thomas Hoeren spricht über technische Grenzen von Upload-Filtern.

Kino
Illegal filmen im Kino: „Im Fall kinox.to gab es unzählige Prozesse wegen Urheberrechtsverletzungen.“ Foto: Imago

Herr Hoeren, im Zentrum der Debatte über die Reform des Urheberrechts stehen auch Upload-Filter. Worum geht es da?
Upload-Filter sind Tools, die vor dem Hochladen erkennen sollen, ob die Inhalte urheberrechtlich geschützt sind. Das soll verhindern, dass User auf Plattformen Material hochladen, dessen Urheber sie gar nicht sind.

Wie wird denn bisher sichergestellt, dass Internetnutzer beim Hochladen von Inhalten nicht die Rechte anderer verletzen?
Derzeit wird das nur im Nachhinein wirklich überprüft, also dann, wenn die Inhalte schon hochgeladen sind. Sobald jemand einen Hinweis auf eine mögliche Rechteverletzung gibt, wird das überprüft und gegebenenfalls müssen die Plattformen die Inhalte dann löschen.

Und wie sollen Upload-Filter im Voraus feststellen können, ob Rechte verletzt werden?
Wie das im Zweifelsfall aussehen würde, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Denkbar wäre, dass in originalen Videos oder Musiktiteln bestimmte Marker gesetzt werden. Mit denen würden dann die Inhalte, die hochgeladen werden sollen, abgeglichen werden. Vermutlich wäre es dann so, dass die Originale abrufbar sind, und alle anderen Inhalte blockiert werden.

Sind die Filter technisch denn ausgereift genug, um das zweifelsfrei feststellen zu können?
Meiner Einschätzung nach nicht. Man kann so nie zweifelsfrei überprüfen, ob das Hochladen eines Bildes die Rechte eines anderen verletzt. So sehr optimieren kann man diese Filter gar nicht. Es ist denkbar, dass auch Originalvideos blockiert werden, weil der Filter fälschlicherweise eine Rechteverletzung erkennt. Das wäre eine riesige Gefahr für die Informationsfreiheit, das Internet wäre nicht mehr dasselbe. Diese technische Unzuverlässigkeit ist der Hauptkritikpunkt an den Upload-Filtern.

Sie sehen also noch weitere Nachteile?
Ja, denn gerade kleinere Plattformen könnten finanzielle Probleme bekommen. Nehmen wir zum Beispiel einen kleinen Anbieter im Wissenschaftsbereich, auf dessen Seite 400 Videos zu sehen sind. Den Einbau eines Upload-Filters würde diese kleine Plattform finanziell vermutlich nicht stemmen können.

Gibt es keine anderen Möglichkeiten, die Inhalte vor dem Hochladen zu überprüfen?
Der Wunsch, dass man Videos oder Musiktitel nicht erst nachträglich prüft, ist natürlich nachvollziehbar. Aber das lässt sich nicht realisieren. Nur der Rechteinhaber kann zweifelsfrei feststellen, ob seine Urheberrechte verletzt werden. Sobald er feststellt, dass jemand anderes fälschlicherweise seine Werke hochgeladen hat, kann er die Plattform informieren. Das wird dann gegengecheckt und wenn tatsächlich eine Rechteverletzung vorliegt, muss die Plattform die Inhalte sperren. Das ist das einzige verlässliche Vorgehen.

Um welche Inhalte geht es bei den Upload-Filtern überhaupt?
Es geht zwar auch um Youtube-Videos oder Bilder, vor allem aber um die Film– und Musikindustrie. Dazu gehören auch Filmportale wie kinox.to – ein Portal, auf dem Filme und Serien illegal zu sehen sind. Dass so etwas nicht erlaubt ist, ist klar. Das Beispiel zeigt in meinen Augen aber auch, warum wir keine Filter brauchen. Im Fall kinox.to gab es unzählige Prozesse wegen Urheberrechtsverletzungen. Am Ende mussten die entsprechenden Inhalte gelöscht werden. Das hat reibungslos funktioniert.

Upload-Filter eignen sich Ihrer Einschätzung nach also nicht, um das Problem mit den Urheberrechtsverletzungen zu lösen.
Nein, denn die Gefahr, dass mehr Inhalte als nötig geblockt werden, ist einfach zu groß. Upload-Filter können technisch noch so optimiert sein: Sie können einfach nie zweifelsfrei feststellen, ob durch das Hochladen das Recht des Urhebers verletzt wird. Der sicherste Weg ist, das rückwirkend festzustellen –  also nachdem der Inhalt schon hochgeladen ist. Es gibt keinen Grund, das zu ändern.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen