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Tafel-Besuche Mit Kopftuch und Mercedes zur Tafel

Ein Foto von einer Tafel-Besucherin sorgt bei Facebook für einen Shitstorm und lässt die User erneut darüber diskutieren, wem kostenloses Essen zusteht. Der abgebildeten Frau vermeintlich nicht!

Essener Tafel
Vor der Essener Tafel ist die Schlange lang. Foto: epd

Auf Facebook ist ein erneuter Streit darüber entbrannt, wer das „Privileg“ hat, bei Tafeln für kostenlose Lebensmittel anzustehen. Der Anlass kommt diesmal nicht aus Essen, wo sich Tafelbetreiber Jörg Sartor unlängst dafür entschieden hat, nur noch Bedürftige mit deutschem Pass aufzunehmen. Nun geht es um die Landauer Tafel, die den Shitstorm abbekommt. Und zwar von derselben Fraktion, die bei der Essener Tafel-Taktik noch Beifall klatschte.

Um was geht es? Kürzlich postete ein User einen Handyschnappschuss, der ihm detektivisch gekonnt aus seinem Auto heraus gelungen war. Darauf ist eine ältere Dame vor der Landauer Tafel zu sehen, bekleidet in schwarzer Ganzkörpermontur, der Hinterkopf bedeckt mit einem türkisen Tuch – klar, eine Muslima, wer könnte sich sonst so kleiden? Oder, wie eine Userin schreibt, eine  „fettgefressene kopftucheule“ (sic).

32.000 Mal geteilt

Soweit, so schlecht. Was dem Fass aber den Boden ausschlägt und weswegen das Bild schon mehr als 32.000 mal geteilt wurde: die Tatsache, dass „das fette wohlgenährte Teil“ aus einem Mercedes steigt. „Zum Teufel jagen diese Kuffnucken. Wer so ein Auto fährt ist nicht bedürftig“, so der Tenor der Kommentar unter dem Foto. „Die Kopftuchindianer fahren mit dem dicken Mercedes vor und fressen bedürftigen Deutschen die letzen Lebensmittel weg“, schreibt eine Userin und vergisst vor lauter Empörung nicht nur die guten Manieren, sondern auch ein „t“ in „letzten“.

Bei der Tafel erkennt man schnell: Hier ist was faul – aber nicht die Tatsache, dass eine vermeintlich muslimische Mercedes-Halterin kostenloses Essen abstaubt, das eigentlich, so ein User, für „deutsche Rentner mit ihren Gehilfen“ gedacht ist. Einen Tag später nimmt sie in einer Pressemitteilung Stellung zu dem Shitstorm, der „ausländischen Mitbürgern unterstellt, die Hilfe der Tafel unberechtigterweise in Anspruch zu nehmen“. Die Tafel setzt ganz schlicht entgegen: „Diese Aussage ist falsch!“

Deutsche Rentnerin statt gierige Muslima

Vielmehr sei auf dem Foto, das der um die deutschen Bedürftigen besorgte User gepostet hat, eben dies zu sehen: „Mit dem abgebildeten Auto wird eine (deutsche) Rentnerin abgeholt, die den Weg zur Tafel nicht mehr allein zurücklegen kann. Hilfsbereite Nachbarn fahren sie dann mit ihren Autos zur Ausgabestelle.“

Zugleich kritisiert die Tafel, dass die Facebook-User das Foto für eine „Hetzkampagne gegen Ausländer“ funktionalisierten und wehrt sich überdies dagegen, selbst an den Pranger gestellt zu werden: Das Foto unterstelle den Tafelmitarbeitern, dass sie „völlig ungeprüft“ Lebensmittel an alle ausgäben, die zu ihnen kämen. Dagegen stellt sie klar: „Um in einer Tafel Lebensmittel zu erhalten, muss jeder mindestens einmal jährlich nachweisen, dass er bedürftig ist – egal, welche Nationalität er hat.“

Damit ist die Landauer Tafel nicht nur ein Lehrstück über Fake News, sondern auch eine Spitze gegen die Essener Kollegen. Denn, wie die Tafel klarstellt: „Der Hunger kennt keine Nationalität- bei uns bekommt jeder Hilfe, egal woher er kommt.“

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