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Sucht & Netz Studie: Mehr als 500.000 Bürger online-süchtig

Sie sind gereizt, wenn sie nicht surfen und zeigen Entzugserscheinungen, wenn sie nicht im Internet sind - mehr als eine halbe Million Bürger hierzulande braucht das Internet wie die Luft zum Atmen. Forscher halten sie für abhängig.

26.09.2011 14:08
Zocken und zocken lassen - gerade die Online-Spiele fesseln viele Jugendliche an den Rechner. Die reale Welt ist einfach langweiliger. Foto: dpa

Rund 560.000 Menschen in Deutschland sind einer Studie zufolge internetsüchtig. Besonders die Jüngeren zeigten häufig typische Sucht-Symptome, heißt es in einer am Montag vorgestellten Untersuchung im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. Hochgerechnet gilt demnach rund ein Prozent der Bevölkerung als onlinesüchtig. Das entspricht ungefähr der Zahl der Marihuana-Abhängigen.

Die Studie ist die erste repräsentative Untersuchung zur Internetsucht in Deutschland. Die Experten befragten mehr als 15.000 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren per Telefon.

Aus der Untersuchung ergibt sich ein deutliches Altersgefälle bei der Internetsucht. Bei den 14- bis 24-Jährigen gelten 2,4 Prozent als internetsüchtig, zwischen 14 und 16 Jahren sind es gar vier Prozent.

Fast 14 Prozent der Befragten nutzen den Definitionen der Forscher zufolge das Internet problematisch. Die Süchtigen können der Studie zufolge ihre Online-Zeit nicht mehr kontrollieren. Sie leiden unter Entzugserscheinungen wie schlechter Laune, Angst oder sind leicht reizbar, wenn sie nicht im Netz unterwegs sind. Sie vernachlässigen ihr Sozialleben in der realen Welt und teilweise auch sich selbst. Wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten, gelten Menschen laut Umfrage als abhängig. Die Folgen seien vereinzelt mit denen einer Drogenabhängigkeit vergleichbar, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans.

Allerdings schränken die Autoren ein, dass es eine einheitliche Definition der Internetsucht noch nicht gibt. „Die Datenlage ist schwach. Wir wissen sehr wenig über die Verbreitung des Problems“, sagte der Suchtforscher Hans-Jürgen Rumpf. Man wisse noch nicht genau, was man bei der Internetsucht diagnostiziere. Deswegen spricht er mit Blick auf die Ergebnisse vorsichtig von „wahrscheinlich Anhängigen“.

Die Forscher wollten in einer Folgestudie ausführliche Interviews mit den Problemgruppen führen, um der Sucht weiter auf den Grund zu gehen. Derzeit verhandeln internationale Forschergremien, ob die Internetabhängigkeit einheitlich als Suchtkrankheit definiert werden soll. Dyckmans kündigte an, die Internetsucht im kommenden Jahr zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen zu wollen. (rtr)

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