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Studio 71 Die YouTube-Talentschmiede

Das Berliner Studio 71 gehört zu den größten Webvideo-Netzwerken weltweit - es sucht und vermarktet Youtube-Stars.

Studio 71
Studio 71: Die Lochis (links) beim Dreh mit den Moderatoren Kelly und Sturmwaffel. Foto: Paulus Ponizak

Viel Platz ist nicht mehr in dem Produktionsstudio in der ehemaligen Zigarettenfabrik in Berlin-Mitte. Menschen wuseln zwischen Scheinwerfern, Kameras und Kabelrollen umher. Die Maskenbildnerin kommt rein und pudert die beiden Moderatoren noch einmal nach. Was wie ein klassisches TV-Studio wirkt, gehört keinem Fernsehsender, sondern dem größten Webvideo-Netzwerk in Deutschland: Studio 71. Das Unternehmen produziert an diesem Tag „Guten Morgen, Internet!“ – eine Art Frühstücksfernsehen für Youtube.

Die Moderatoren sind vom Fach: Kelly und Sturmwaffel, der eigentlich Frederik heißt, sind zwei der berühmtesten Youtuber Deutschlands. Zusammen haben sie mehr als drei Millionen Abonnenten. Auch die Gäste der Sendung, die an diesem Morgen aufgezeichnet wird, sind Internet-Stars: Die Lochis – ein 19-jähriges Brüderpaar aus dem hessischen Riedstadt mit zweieinhalb Millionen Youtube-Followern– werden gleich einen neuen Song vorstellen. Die schwarze Limousine und der Fahrer, die vor dem Studio stehen, warten vermutlich auf die beiden.

Als am 23. April 2005 der erste Beitrag auf Youtube hochgeladen wurde, war das nicht mehr als ein verwackeltes 18-Sekunden-Video aus einem Zoo. 13 Jahre später filmen mehrere Kameraleute in einem eigens gebauten und perfekt ausgeleuchteten Studio, was nachher als rund zehnminütige Sendung erscheinen wird. Um selbstgedrehte Handyvideos geht es bei der Plattform längst nicht mehr. Im Gegenteil: Youtube ist zum professionellen Geschäft geworden.

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen die Plattform, jeden Tag werden millionenfach Videos angeschaut. Rund acht Milliarden Aufrufe gehen pro Monat auf das Konto von Studio 71. Das Unternehmen betreut und vermarktet eigenen Angaben zufolge weltweit rund 2000 Youtuber. Alleine in Deutschland sind 105 Influencer bei der Pro-Sieben-Tochter unter Vertrag – alles Menschen, die in den sozialen Netzwerken so präsent und angesehen sind, dass sie damit Geld verdienen können.

Zu den berühmtesten Gesichtern aus dem Portfolio von Studio 71 gehören LeFloid, der in seinen Videos aktuelle politische Themen kommentiert, und die Fitnessbloggerin Sophia Thiel. Den meisten Erwachsenen dürften diese Namen unbekannt sein, für viele Jugendliche sind sie Stars.

Genauso wie Youtube hat sich auch Studio 71 mit den Jahren entwickelt. Als die Firma im August 2013 gegründet wurde, war die Vermarktung berühmter Youtuber noch kein Thema. „Wir haben uns damals gefragt, wie wir die Zielgruppen ansprechen können, die wir mit dem klassischen Fernsehen seltener erreichen“, sagt Christian Meinberger, der bei Studio 71 den Bereich Kreation und Produktion leitet und von Beginn an dabei ist. Der Fokus lag deswegen zunächst auf der Entwicklung und Umsetzung neuer Formatideen.

Mittlerweile steht aber die Betreuung der Youtuber im Mittelpunkt. Berühmte Influencer noch berühmter zu machen gehört zum Geschäft von Unternehmen wie Studio 71. Ihren Hauptsitz in Deutschland hat die Pro-Sieben-Tochter in einem alten Industriegebäude nahe der Spree. Im Erdgeschoss wurde das Produktionsstudio eingebaut, vier Etagen höher sind die Büros des Unternehmens. In einem Flur hängen Merchandising-Produkte der Influencer, an einer Wand in der Küche haben sich viele von ihnen mit Autogrammen verewigt.

„Vor fünf Jahren haben wir jedes einzelne Video auf Youtube angeschaut, um Talente für unser Netzwerk zu finden“, sagt Johann Griebl, einer von drei Geschäftsführern von Studio 71. Mittlerweile sei das anders, man kenne sich in der Szene und eine Zusammenarbeit bahne sich meist auf professioneller Ebene an.

Bei Studio 71 heißen die Youtuber Talente, weil man in ihnen mehr sieht als nur Gesichter für Internetvideos. Das Unternehmen versteht sich selbst auch als Management-Agentur. „Manche Talente sehen sich hinter der Kamera, manche vor der Kamera. Manche wollen Schauspieler werden, andere wollen Musik machen“, beschreibt Griebl die Bandbreite. Mit manchen Influencern entwickelt das Unternehmen Konzepte für neue Sendungen, mit anderen eine Marke.

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