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Start-up Wefarm SMS für Protus

Das Social Start-up Wefarm hat ein Netzwerk geschaffen, das Kleinbauern ohne Internetzugang wichtige Informationen verschafft.

Kenia
In Kenia nutzen bereits Bauern das Netzwerk. Foto: rtr

Manchmal braucht es einen Architekten, um in der Landwirtschaft eine Revolution anzustoßen: Kenny Ewan hat an der Dundee Universität studiert, wie man Gebäude errichtet, bevor er nach Peru zog, um sieben Jahre lang für eine Hilfsorganisation zu arbeiten. Dort kam der Schotte mit Kleinbauern in Kontakt und lernte ihre Probleme kennen. Nun sind er und sein Team drauf und dran, das Leben von hunderttausenden Kleinbauern zu verbessern.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat noch keinen Zugang zum Internet. Dazu gehören viele Kleinbauern. „Das ist objektiv ein Problem für sie“, sagte Ewan diese Woche auf der weltgrößten Technologiekonferenz Web Summit in Lissabon. Denn die Bauern kommen nur schlecht an einfachste Informationen, zum Beispiel darüber, wie eine Pflanzenkrankheit bekämpft werden kann. „Das ist aber auch ein Problem für alle von uns“, so Ewan. „Denn diese Bauern produzieren 80 Prozent aller Lebensmittel auf der Erde.“

Damit der Zugang der Kleinbauern zu landwirtschaftlichem Wissen nicht länger auf traditionelle Quellen beschränkt bleibt, hat Ewan seit seiner Rückkehr aus Peru – zunächst unter dem Dach der Hilfsorganisation Cafedirect später als Social Start-up – Wefarm entwickelt. Er und sein Team wollen das Informationsdefizit der Bauern mit modernster Technik beheben. Was unlogisch klingt, ist so intelligent gemacht, dass Wefarm reihenweise hochkarätige Auszeichnungen abräumt.

Mit Wefarm reicht Kleinbauern schon das altmodischste Handy, um Hilfe zu finden. Sie senden ihre Frage einfach per SMS an den Dienst, dort analysieren Computer die Anfrage und leiten sie an einige der 660 000 Bauern im Netzwerk weiter, die vermutlich eine Lösung für das Problem haben. Die Antworten trudeln oft innerhalb von Minuten ein. Der Service ist für Bauern gratis.

Das Angebot kommt an. Bauer Protus aus Morsabit in Kenia fragt, in welchem Abstand er seine Bohnen pflanzen soll. Bäuerin Monica antwortet, dass es auf die Sorte ankommt, dass der normale Abstand zwischen den Pflanzen 15 Zentimeter betragen sollte, und der zwischen den Reihen 30 bis 40 Zentimeter. Und sie fügt hinzu, dass es in trockenen Gegenden mehr sein sollte. Freds Kuh wiederum frisst Erde und er wunderte sich, warum sie das tut. Austin antwortet und vermutet, dass der Kuh wichtige Mineralien in ihrem Ernährungsmix fehlen.

„Wir glauben, dass Kleinbauern sich gegenseitig am besten helfen können“, sagt Gründer Ewan. „Seit wir gestartet sind, haben wir 1,2 Millionen Kleinbauern, die Wefarm nutzen. Das sind mehr als 20 Prozent aller Bauernhöfe in Ostafrika.“ Derzeit operiert das Unternehmen in Kenia und Uganda, doch die Ausweitung des Dienstes in andere Länder wird vorangetrieben.

Mit seiner Technologie hilft das Unternehmen nicht nur bei der Lösung der Probleme der Bauern, es hilft ihnen auch beim Aufbau neuer Perspektiven. So startete zum Beispiel Kaffeebauer Joseph nebenbei eine Kaninchen-Zucht, die ihm ein zusätzliches Einkommen verschaffte – mit dem Wissen, das er aus dem Netzwerk erhielt. Angesichts des Klimawandels, der Bauern weltweit zu Anpassungen zwingen wird, ein erheblicher Beitrag zur Ernährungssicherheit und zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Kleinbauern.

Das Unternehmen zieht mit seiner Arbeit prominente Investoren an. Unter anderen die Gründer des Chatprogramms Skype und der Blogsoftware Wordpress sowie der Chef von Blue Bottle Coffee haben Geld in das Projekt gesteckt. Mit den Mitteln werden neue, auch kommerzielle Angebote geschaffen, darunter ein Informationsservice, der die Bauern mit Tipps durchs Jahr begleitet. Mit Hilfe von Datenanalyse will das Unternehmen zudem herausfinden, in welchen Gegenden gerade welche Probleme entstehen, zum Beispiel Trockenheit oder Schädlingsbefall. Daraus lassen sich Frühwarnsysteme entwickeln. Die Daten können aber auch genutzt werden, um die Lieferketten und Ernteprognosen zu verbessern. Das wiederum kann Bauern und Einkäufern dabei helfen, die erzeugten Lebensmittel optimal zu vermarkten.

„Wir haben in Wefarm investiert, weil die innovative Lösung des Unternehmens hilft, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen“, sagt Anna Ryott, stellvertretende Chefin der auf Social Start-ups spezialisierten Norrsken Stiftung in Stockholm. „Sie ermöglicht Kleinbauern effizienter zu werden und trägt damit direkt zur Ausrottung von Hunger und Armut bei.“

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