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Social Media Bastards Ein Kurzfilm gegen rechts

Ein Statement gegen rechts: Ein Filmteam zeigt in einem Kurzfilm eindrucksvoll, wie Hasskommentare in den sozialen Netzwerken real aussehen würden. Mit einer Portion Humor und billiger Gewalt.

25.11.2015 12:15
Katharina Elsner

Eines vorab: schön ist das nicht, was in den drei Minuten passiert. Blut spritzt, Innereien sprudeln, Mann kämpft gegen Mann. Aber: die Hasskommentare, die jeden Tag durch die sozialen Netzwerke strömen, sind es auch nicht. „Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem“, steht bei Facebook. Oder: „Im Moment könnten wir einen kleinen Hitler gebrauchen.“ Und ein Smiley dahinter.

Zwei Filmemacher erinnern uns nun eindrucksvoll daran, dass hinter den Bildschirmen reale Menschen sitzen, mit realen Gewaltfantasien und mit realem Gewaltpotential. Sie haben den Kurzfilm „Social Media Bastards“ gedreht, der eben auf solchen Hasskommentaren aufbaut. Wochenlang haben sie Screenshots von rechten Kommentaren gesammelt. „Wir als Filmemacher wollen ein Statement gegen rechte Hetze im Internet abgeben, weil wir die zunehmend radikalere Stimmung in den sozialen Medien nicht mehr einfach nur hinnehmen wollten. Dabei ist uns aufgefallen, dass es noch keinen filmischen Ansatz zum Thema gibt“, sagen die zwei Regisseure aus Süddeutschland, die sich Alpha DT nennen. „3 Flaschen Wein später wurden die Social Media Bastards geboren, eine Hommage an unterhaltsame Filme mit einem ernsten Kern“, fügen sie hinzu.

Dabei fängt es eigentlich ganz harmlos an. Zwei Fischer am See, einer in Holzfällerhemd und Cap mit Deutschlandfahne, trinken Dosenpils. So weit, so deutschnormal. Doch dann entspinnt sich ein Dialog, den die Wirklichkeit schreibt: „Weißt du, wer in Europa die meisten Flüchtlinge aufnimmt?“, frag der Mann mit dem Fischerhut. „Deutschland?“, die Deutschland-Cap. „Nein, das Mittelmeer“, erwidert der Erste. Schwarzer Humor, wie ihn nicht nur die sozialen Netzwerke produzieren. Dabei ploppen immer wieder „Gefällt mir“ Statusmeldungen auf: der NPD gefällt dieser Status, der AfD gefällt dieser Status.

An dieser Stelle aber beginnt das eigentlich Statement der Filmemacher: Symbolisch taucht „ein Neger in diesem Naturschutzgebiet“ auf und erledigt beide Angler. Ein wortwörtlicher Kampf gegen Hass und Rassismus mit billiger Gewalt, wie es auch Quentin Tarantino in „Inglorious Basterds“ nicht viel besser inszenieren hätte können. Symbolisch deshalb, weil gleichzeitig Statusmeldungen eingeblendet werden: „Dein Kommentar wurde gelöscht.“

Rassismus und Fremdenhass zur Schau stellen, das haben auch andere Aktivisten vorher getan. Das Twitterprojekt „Straßengezwitscher“ zweier Studenten berichtet „von dort, wo es brennt“, wie sie selbst sagen, aus Dresden, Heidenau oder Freital. Also dort, wo fremdenfeindliche Parolen auf die Straße getragen wurden oder Flüchtlinge und deren Unterkünfte angegriffen wurden. Stichwort Freital. Auch das Blog „Perlen aus Freital“ sammelt rassistische und menschenverachtende Kommentare und zeigt damit in geballter Form, wie Menschen in Deutschland denken.

Die Aktion „Hass hilft“ wehrt sich ebenfalls gegen Hass im Internet. Mit einer unfreiwilligen Online-Spendenaktion. Für jeden menschenverachtenden Kommentar wird ein Euro gespendet, so die Initiatoren der Kampagne, zu der auch EXIT-Deutschland, eine Initiative gegen rechts gehört. Die zwei Regisseure wollen jedenfalls weitere Filme drehen.

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