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Safer Internet Day Künstliche Intelligenz braucht Futter

Der Safer Internet Day in Berlin spiegelt deutlich das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Datenhunger wider.

Vincent Freeman
Fiktion von 1997: Vincent Freeman (Ethan Hawke) trickst die Künstliche Intelligenz aus und reist trotz genetischer „Mängel“ ins All. Foto: Imago

Im Kinofilm „Gattaca“ genügt der Tropfen Blut eines Babys, um die Lebenserwartung des neugeborenen Menschen zu ermitteln. Veranlagungen, geistige und physische Fähigkeiten – alles kein Problem. Der Film lief 1997 in den Kinos. Mario Martini von der Uni Speyer erzählte bei der Tagung „Künstliche Intelligenz – Dein Freund und Helfer?“ in Berlin davon und ergänzte, dass es ein Unternehmen gäbe, das sich darauf spezialisiert habe, die Lebensdauer schwer kranker Patienten zu berechnen.

Der Wissenschaftler Martini führte das Beispiel bei der Fachtagung am Safer Internet Day an, um zu verdeutlichen, dass die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) schon jetzt viel stärker genutzt werden als viele Menschen vermuten. Und Fragen entstehen, mit denen sich bisher niemand beschäftigt hat. Das Bundesministerium der Justiz und des Verbraucherschutzes hatte gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom zu der eintägigen Veranstaltung geladen, bei der es vor allem um technische Innovationen, ethische Fragen und rechtliche Standards ging.

Mathematiker hatten sich bereits in den 50er Jahren Gedanken gemacht, wie Computer Informationsverarbeitung anwenden könnten. Doch damals fehlten noch die Speicherkapazitäten und die Rechnerleistungen, um die Ideen umzusetzen. Das ist so richtig erst in den vergangenen Jahren mit Cloud-Computing und schnellen Prozessoren gelungen und wird in den kommenden Jahren die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung weltweit prägen, da sind die Experten einig.

Die Schwächen der neuen Technik

Warum es ein großes gesellschaftliches Thema der Zukunft ist, erklären sie so: Damit die Algorithmen der Rechner präzise arbeiten können, müssen sie mit Nutzerdaten gefüttert werden. Wenn die Nutzer von der modernen Technik profitieren wollen, müssen sie ihre Daten zur Verfügung stellen. Ein gutes Beispiel ist die Spracherkennung. „Siri“, „Alexa“ und die anderen Dienste werden bereits von 20 Prozent der Menschen in Deutschland genutzt, sie funktionieren nur dann gut, wenn sie Sprach-Informationen erhalten und die anfallenden Daten auswerten können. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der zur Konferenz geladen hatte, aber wegen der Koalitionsverhandlungen nicht teilnehmen konnte, formulierte das Dilemma in einem schriftlichen Statement so: „Was für den einen eine wünschenswerte Zielvorstellung darstellt, um den Alltag durch zahlreiche automatisierte Freunde und intelligente Helfer zu erleichtern, weckt für den anderen die Vorstellung, undurchsichtigen, diskriminierenden Algorithmen und letztlich unfairen automatisierten Entscheidungen ausgeliefert zu sein.“ Professor Martini forderte jedenfalls eine strenge juristische Begleitung, denn wenn die Daten in falsche Hände gelängen, könnten sie ein Leben zerstören, warnte der Wissenschaftler. Schon am Anfang hatte Staatssekretär Gerd Billen, der Maas vertrat, gefordert: „Was wir brauchen, ist Rechtsklarheit für Entwickler und Verbraucher.“

Im Laufe des Tages wurden dann zahlreiche Beispiele genannt, um die Möglichkeiten und die Schwächen der neuen Technik zu erklären. Radiologen können bei der Erkennung von Krebs-Erkrankungen von guten Bilderkennungsprogrammen profitieren. Schwieriger ist es allerdings, Lösungen zu finden, wenn es um die Vergabe von Krediten geht. In dem Zusammenhang merkte Martini allerdings an, dass der Mensch nicht generell der bessere Entscheider sei.

Bitkom-Präsident Achim Berg verglich den Stand der deutschen mit der internationalen Forschung und sprach von einer exzellenten Ausgangsposition. Wettbewerb, Sicherheit und Datenschutz nannte er als Schlagworte der Zukunft und forderte Geld für Bildung und Forschung, denn: „Wichtig ist, dass wir KI beherrschen, sonst beherrscht die Technik eines Tages uns.“

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