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Rochade Chefwechsel bei Twitter

Mit dem neuen Mann an der Spitze will der Kurznachrichten-Dienst nun auch Geld verdienen. Die Erwartungen der Investoren sind hoch.

05.10.2010 09:37
Johanna Ritter
Twitter hat 160 Millionen registrierte Nutzer und gewinnt laut jüngsten Angaben jeden Tag 370 000 neue hinzu.

"Das muss man also tun, um mehr Follower zu bekommen", twitterte Dick Costolo am Montagabend fröhlich. Den meisten der 165 Millionen Twitter-Nutzern wird dieser Weg, mehr Leser für ihre Kurznachrichten zu gewinnen, jedoch verwehrt bleiben. Denn Costolo spielte wohl auf seine neue Position bei dem Internet-Nachrichtendienst an: Der 47-Jährige wird der neue Chef von Twitter.

In einem Blogbeitrag gab der scheidende Chef und Twitter-Mitbegründer Evan Williams die Nachricht bekannt. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte er Costolo für das operative Geschäft von Twitter angeheuert. Humor bewies Costolo, der früher als Comedian auftrat, wohl schon damals, denn laut New York Times, antwortete Williams auf dessen Zusage: „Ich weiß nicht, ob du Spaß machst. Wenn ja, guter Witz. Wenn nicht, lass uns reden.“ Sie redeten und Costolo war engagiert.

Mit Costolo verband Williams bereits vor seinem Einstieg eine Freundschaft. Auch ihre Karrieren ähneln sich: Genau wie sein Vorgänger hat der neue Twitter-Chef eine Geschäftsidee an Google verkauft. Der Internetriese erwarb 2007 die Firma Feedburner, die Costolo mitgegründet hatte. Der Dienst ermöglicht es heute Bloggern und anderen Autoren unter der Marke Google-Feedburner zum Beispiel ihre RSS-Feeds zu verwalten.

Williams ist nach seinem Kollegen Jack Dorsey bereits der zweite Twitter-Gründer, der sich zurückzieht. Er bleibt allerdings im Unternehmen, will sich aber wieder mehr auf die Produktentwicklung konzentrieren. Den neuen Chef trennen von dem Twitter-Gründer wohl nicht nur zehn Lebensjahre, sondern auch sein stärker ausgeprägte Sinn fürs Geschäft.

Costolo sei „mehr Manager, mehr Geschäftsführer, mehr Geschäftsmann“, sagte Fred Wilson von Union Square Ventures, einer Gesellschaft, die an Twitter beteiligt ist, der New York Times.

Das hoffen wohl auch viele andere Investoren, die Millionen in das soziale Netzwerk gesteckt haben, das seit der Gründung 2007 nach Facebook und Myspace zum drittgrößten im World Wide Web avanciert ist. Seit seinem Einstieg wird Costolo vor allem mit neuen Werbewegen über Twitter in Verbindung gebracht: Unternehmen sollen Geld dafür zahlen, dass Twitter Nutzern empfiehlt, die Nachrichten der Firmen zu abonnieren.

Mit Costolo an der Spitze könnte eine neue Ära anbrechen, denn bisher hielt es Twitter mit der Online-Werbung sehr vorsichtig, um Nutzer nicht zu vergraulen. Die größte Herausforderung für den neuen Chef sei es jetzt die wachsenden Erwartungen der Investoren an den Ertrag zu erfüllen und gleichzeitig Twitter Twitter sein zu lassen, sagte ein Analyst der US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Costolo jedenfalls gibt sich optimistisch: „Wir sind bereit, in den nächsten zwei Jahren mehr zu leisten, als wir in den letzten vier Jahren geleistet haben“, sagte er laut Bloomberg.

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