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Plastiktüten Australische Supermarktkette Coles knickt erneut ein

Nach handgreiflichen Protesten hatte die Supermarktkette die Gebühr für Plastiktüten abgeschafft. Das führte zu Empörung bei umweltbewussten Kunden, die nun für die nächste Rolle rückwärts beim Konzern sorgt.

Möwe
Auch Einweg-Plastiktüten sind vielseitig verwendbar. Foto: afp

Plastiktüten für alle gratis zum Einkauf? Oder nur Mehrwegtüten gegen Aufpreis, zum Wohle der Umwelt? Die australische Supermarktkette Coles kann sich nicht entscheiden – und wird mit ihren zahlreichen Rollen rückwärts zum Gespött in den sozialen Medien.

Seit einer Gesetzesänderung zum 1. Juli ist es in ganz Australien bis auf den Bundesstaat New South Wales verboten, Einweg-Plastiktüten mit einer Dicke von weniger als 0,035 Millimetern anzubieten. Die Coles-Märkte rüsteten an ihren Kassen auf Mehrwegtüten um, für umgerechnet 13 Euro-Cent pro Stück.

Coles-Kunden spucken und schimpfen

Doch nicht alle Kunden wollten einsehen, warum sie zum Wohle der Umwelt in Zukunft mehr bezahlen müssen. Manche rasteten an der Kasse völlig aus, warfen ihre Waren auf den Fußboden, stürmten aus dem Laden, beleidigten und bespuckten das Personal oder wurden sogar handgreiflich. Coles beugte sich dem Druck und kündigte an, die Mehrwegtüten doch wieder kostenfrei anzubieten. Die Kunden „benötigten mehr Zeit, um sich auf die Mehrweg-Tüten umzustellen“, hieß es in einer Mitteilung der Supermarktkette.

Damit hatte man zwar den aggressiven Sparfuchs wieder auf seiner Seite, nicht aber die Umweltorganisationen. Diese kritisierten die Entscheidung mit dem Hinweis, die dicken Mehrwegtüten seien noch schlechter für die Umwelt als die dünnen Einwegtüten. Coles sei wegen der Proteste einer kleinen Minderheit zu früh eingeknickt, befand Greenpeace-Sprecherin Zoe Dean. Viele Kunden in den sozialen Medien kündigten an, nur noch bei der Konkurrenz einzukaufen und warfen Coles fehlendes Rückgrat vor.

Wie zur Bestätigung knickt Coles jetzt zum zweiten Mal ein: Die Mehrwegtüten sollen nun doch wieder Geld kosten. Allerdings nur umgerechnet 10 Euro-Cent statt 15 Cent und erst vom 29. August an. Ob die Vergünstigung und die zeitliche Verzögerung reichen, aggressive Kunden ohne Umweltbewusstsein zu besänftigen, bleibt abzuwarten.

Wenn überhaupt noch jemand zu Coles geht. Denn die doppelte Kehrtwende dürfte das Image der Kette weiter beschädigen. In den sozialen Medien überbietet man sich im Wettbewerb um die lustigste Visualisierung der Rückwärtsrollen. Eine Nutzerin bringt den Standpunkt der Mehrheit mit einer knallharten Formulierung auf den Punkt: „Wenn jemand verhungert, weil er zu blöd ist, seine eigenen Mehrwegtüten zu Coles zu bringen, dann nennt man das natürliche Auslese und ich unterstütze das.“

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Clean Up Australia werden in Australien jedes Jahr fünf Milliarden Plastiktüten verwendet. In Deutschland werden Plastiktüten deutlich weniger benutzt, seit sie nicht mehr kostenlos zu haben sind. Nennenswerte Proteste gab es deswegen keine.

US-Forschern zufolge landen jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren und Seen. Auch in der EU sind Strategien zur Eindämmung des Plastikmülls ein großes Thema. Bis 2019 soll die Nutzung von Einweg-Plastiktaschen im Vergleich zu 2010 um 80 Prozent verringert werden. (mit Agenturen)

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