Lade Inhalte...

Online-Handel Das tägliche Spiel mit schwankenden Preisen

Ob Hosen oder Autoreifen - Onlinehändler verteuern regelmäßig ihre Waren, um sie wenig später wieder günstiger anzubieten. Eine Dynamik mit System, wie eine Studie zeigt.

Zalando-Waren
Tops für heiße Sommertage. Was sie kosten, lässt sich nur für den Augenblick sagen. Im nächsten Moment kann der Preis wieder gewaltig fallen oder steigen. Foto: rtr

Auf Schnäppchenjäger kommen schwere Zeiten zu. Denn Verbraucherschützer haben herausgefunden, dass die Preise bei zahlreichen Produkten, die im Internet verkauft werden, extrem schwanken. Also nicht mehr nur immer billiger werden, je länger sie auf dem Markt sind – so wie das früher einmal war. Auch erhebliche Aufschläge nach Preissenkungen sind möglich. Und dieses Auf und Ab wird sich in Zukunft noch verstärken. 

Das Team des „Marktwächters Digitale Welt“ der Verbraucherzentrale Brandenburg hat sich zwischen Ende Januar und Anfang März 1133 Produkte von 16 großen deutschen Onlinehändlern angeschaut. Das Ergebnis: Das sogenannte Dynamic Pricing ist in den virtuellen Shops längst alltäglich. Bei mehr als einem Drittel der untersuchten Produkte setzten die Anbieter die modernen Preissetzungsstrategien ein. Meistens, nämlich bei 60 Prozent der Waren, gingen es die Händler noch gemächlich an. In den 34 Beobachtungstagen wurden die Preise maximal nur dreimal verändert. Beim Rest war die Frequenz deutlich höher. 

Einen Extremfall lieferte die Baumarktkette Obi, die beinahe täglich ihre Preise für ausgewählte Produkte änderte. Als ein anderes spektakuläres Beispiel führen die Marktwächter eine Hose der Jeansmarke G-Star an. Das Modell Elwood, für das Musiker Pharrell Williams wirbt. Die Beinkleider mit großflächigen Motiven wurden beim Internethändler Zalando zunächst für 129,95 Euro angeboten. Dann wurden sie in zwei Stufen zunächst auf 99,95 Euro und dann auf 79,95 Euro herabgesetzt. Dann schnellte der Preis für einen Tag auf 199,95 Euro hoch, um abermals auf 79,95 Euro zu sinken, bevor er sich für einen längeren Zeitraum auf 119,95 Euro einpendelte. Wer also zum richtigen Zeitpunkt zuschlug, konnte bis zu 120 Euro „einsparen“. 

Solch eine dynamische Bepreisung wird nicht mehr von Menschen, sondern von Computern gemacht. Das Grundprinzip funktioniert so, dass es für den Algorithmus einerseits eine Art Grundeinstellung gibt. Bei Textilien für sehr modebewusste junge Leute kann das tatsächlich ein schrittweises Absenken des Preises sein. Dieses Schema wird aber ständig überprüft. Denn die Computer der Händler sammeln permanent die Daten der Wettbewerber und werten sie aus. Läuft etwa auf Amazon eine heftige Sonderangebotsaktion mit Pharrell-Williams-Hosen, muss auch Zalando mit zwischenzeitlich starken Preissenkungen reagieren. Zieht sich die Konkurrenz dann aus dem Preiskampf zurück, sind Aufschläge automatisch die Folge. Eine kurzfristig größere Nachfrage kann die Hose ebenfalls verteuern, zum Beispiel dann, wenn plötzlich auffällig viele Nutzer im Internet nach einem Produkt suchen, was ein Star bei einem TV-Auftritt getragen haben. 

In den Algorithmen finden alle möglichen äußeren Einflüsse Berücksichtigung. Etwa Hitze und deren Auswirkungen auf die Nachfrage nach kurzen Hosen. Beinahe als Lehrbeispiel gilt, wie der spanische Textilgigant Inditex im Sommer 2017 auf das ungewöhnlich kühle und regnerische Wetter reagierte. Im Internet und in den Läden der Marke Zara wurden die Sortimente dank moderner Informationstechnik flugs auf Warmes und Kuscheliges umgestellt, was Zara große Vorteile im Konkurrenzkampf mit H&M bescherte. 

Auch unternehmensinterne Faktoren können eine Rolle spielen. Muss Lagerplatz geräumt werden, weil eine neue Kollektion im Anmarsch ist, kann ein Abverkauf mit massiven Nachlässen die Vorgänge beschleunigen.

Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass das dynamische Bepreisen erst am Anfang seiner Entwicklung steht. „Wer nicht auf Künstliche Intelligenz setzt, stirbt“, so hat es Michael Feindt, Gründer von Blue Yonder, formuliert. Sein Softwarehaus zählt zu den führenden Anbietern von moderner Software für den Handel. Wer sich der neuen Technologie öffne, habe die Chance, auch in Zukunft im Einzelhandel erfolgreich zu sein, so Feindt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen