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Markus Beckedahl Netzaktivist warnt vor Verlust der digitalen Privatsphäre

Der Berliner Netzaktivist Markus Beckedahl warnt vor einem Totalverlust der Kontrolle über persönliche Daten im digitalen Raum.

05.06.2018 11:12
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Der digitale Datenschutz müsse selbstverständlich werden, sagt Markus Beckedahl. Foto: epd-bild / Stefan Arend

„Die derzeitige Ausgestaltung digitaler Geschäftsmodelle vieler Firmen lässt nur den Schluss zu, dass wir in eine Zukunft ohne jede Privatsphäre steuern“, sagte der Gründer und Chefredakteur der Plattform „netzpolitik.org“ im Vorfeld des Hanns-Lilje-Forums an diesem Mittwoch in Hannover. Er hoffe sehr, dass es eine andere Zukunft geben könne, bei der Datenschutz ganz selbstverständlich sei. Dafür sei aber noch ein harter Kampf erforderlich. Die Durchsetzung von Grundrechten wie das Recht auf Privatsphäre online müsse das Ziel sein: „Sonst können wir die Demokratie gleich ganz einpacken.“

Beckedahl diskutiert am Mittwoch bei dem Forum auf Einladung der Hanns-Lilje-Stiftung mit der evangelischen Landessuperintendentin Petra Bahr aus Hannover über Netzpolitik und Bürgerrechte. Er sieht im Kampf um Privatsphäre und faire digitale Geschäftsmodelle viele Parallelen zu den Anfängen der Umweltschutzbewegung. „Die ersten Umweltaktivisten wurden als 'langhaarige Bombenleger' belächelt, nur weil sie sich mit ihren Zielen einer übermächtigen Industrie entgegenstellten“, sagte Beckedahl. „Heute ist vieles, wofür sie gekämpft haben Staatsziel. Genau da müssen wir mit unseren Forderungen für das offene Internet hinkommen.“

Sichere Verschlüsselungstechnik

Schon mit relativ geringer staatlicher Förderung für Open-Source-Projekte ließe sich beispielsweise eine sichere Verschlüsselungstechnik alltagstauglich machen, sagte Beckedahl. Da es aber kaum öffentliche Gelder für solche Projekte gebe, sei zu fragen, inwieweit Behörden es unterstützten, dass alle Bürger ihre elektronische Post für Unbefugte unlesbar machen könnten. Allerdings hätten es die Menschen auch selbst in der Hand, ihren Zugang zur digitalen Welt sicherer zu machen. „Das Internet ist nicht gottgemacht, wie viele Nutzer glauben. Vieles sind politische Entscheidungen, die uns bis hierher geführt haben.“

Er selbst träume seit seiner Kindheit von einem sogenannten „Smart Home“, in dem Geräte vernetzt und in der Lage seien, den Nutzern das Leben angenehmer zu machen. Beim derzeitigen Stand der Technik und der Programmierung wolle er diese Geräte allerdings nicht in sein Haus lassen: „Ich habe nichts gegen einen Kühlschrank, der weiß, wenn ich einkaufen muss. Allerdings braucht es dafür Vertrauen und Kontrolle, die derzeit schwierig ist. Außerdem muss ich sicher sein, dass der Kühlschrank nicht im Hintergrund eine Cyber-Attacke gegen ein anderes Land starten kann.“

Die Hanns-Lilje-Stiftung wurde 1989 von der hannoverschen Landeskirche gegründet und nach dem früheren Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) benannt. Sie fördert den Dialog von Kirche und Theologie mit Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Kunst und Politik. (epd)

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