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Lindt-Adventskalender Harmloser Adventskalender führt zu Shitstorm

Ein Adventskalender, auf dem ein orientalischer Palast zu sehen ist, erregt die Gemüter "besorgter Bürger": Sie wollen den Hersteller Lindt boykottieren und machen ihrem Ärger auf Facebook Luft. Doch es gibt auch zahlreiche Nutzer, die den Adventskalender jetzt erst Recht kaufen wollen.

Der Stein des Anstoßes. Foto: Lindt

Eigentlich soll ein Adventskalender die Vorfreude auf Weihnachten erhöhen. Doch ein Adventskalender der Firma Lindt scheint für manche Facebook-Nutzer den Weihnachtsfrieden zu stören: Zu sehen ist auf "1001 Weihnachts-Traum" ein orientalischer Palast - und das geht gar nicht, finden einige Nutzer und teilen das dem Konzern auf Facebook überdeutlich mit. "Islam und Weihnachten zusammen in den Handel bringen... Ihr habt doch einen an der Waffel", schreibt ein Nutzer. "Wir sind in Europa und was wir ganz sicher nicht brauchen, ist ein Adventskalender vom Islam", beschwert sich eine Nutzerin.

"Aus meiner Kindheit kenne ich Adventskalender mit Häusern und Kirchen - und zu Heiligabend schaute man durch die Kirchentür auf eine Krippe. Das finde ich angemessen. Eine Moschee nicht", klagt eine andere Nutzerin. Das Unternehmen, das sich zwischenzeitlich mitten in einem Shitstorm wiederfand, bleibt sachlich: "Es liegt uns fern, mit unseren Produkten die Gefühle unserer Konsumentinnen und Konsumenten zu verletzen und es tut uns sehr leid, wenn dies der Fall war", schreibt Lindt auf Facebook.

Im Statement verweist das Unternehmen aber auch auf den "kulturellen Hintergrund des Weihnachtsfests". Seit mehr als zehn Jahren sei der Adventskalender ein Klassiker an Weihnachten, erklärt Lindt und schreibt weiter: "Die Verpackung stellt eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände dar. Dazu gehört auch Architektur und Kultur wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte".

5* für eure souveräne Haltung gegen die Rechten und Wütbürger, die menschenverachtend jede Möglichkeit nutzen, um ihren...

Posted by Ahmad Safaei-Pour on Wednesday, December 2, 2015

Bereits vor fünf Jahren war auf dem rechten Hetz-Portal "PI News" gegen den Kalender gewettert worden - samt dem Aufruf, sich zu beschweren. Dieses Jahr hat der islamfeindliche Blog das Thema wieder aufgewärmt und zusätzlich die Facebook-Seite von Lindt verlinkt. Dort springen dem Schokoladenhersteller aber viele Nutzer bei und sorgen dafür, dass aus dem aufziehenden Shitstorm das Gegenteil - ein Candystorm - wird: "Ich bedanke mich hiermit bei den ganzen besorgten Patridioten, dass ich auf diesen wunderschönen Adventskalender aufmerksam gemacht wurde", schreibt eine Nutzerin. Sie habe zwar schon Adventskalender gekauft, "aber dann gibt es halt noch einen für jeden". Eine andere Nutzerin erklärt: "Ich werde seit Jahren erstmals wieder einen Adventskalender kaufen."

Viele, die Lindt unterstützen, finden nur Hohn und Spott für die "besorgten Bürger", die sich über eine angebliche Moschee auf dem Adventskalender aufregen: "Für die, die es noch nicht gemerkt haben, das Christentum kommt aus dem Nahen Osten und nicht aus dem Schwarzwald", versucht ein Nutzer den Sachverhalt zu erklären. "Die Leute denken wohl, dass Jerusalem ein Stadtteil im Vatikan ist und mitten in Europa liegt", folgert ein anderer Nutzer.

"Das Christentum hat seine Ursprünge eben nicht in Europa. Wer in dem Kalender, der ja seit 10 Jahren auf dem Markt ist, plötzlich den Islam sieht, ist selber Schuld", beschließt eine Nutzerin. "Ich finde es schön, auf diese Art und Weise an die Ursprünge unserer Traditionen erinnert zu werden auch wenn ich kein Christ bin", schlägt ein anderer Facebook-Nutzer versöhnliche Töne an. "Können nicht eigentlich die Leute mal ihre politischen Diskussionen von einer Schokoladen-Seite fernhalten?", wundert sich eine Userin.

Für Lindt selbst wird aus dem Adventskalender-Shitstorm dank vieler Fans schnell eine positive Sache: Zahlreiche Nutzer stehen dem Unternehmen bei - der Adventskalender ist im Online-Shop des Unternehmens mittlerweile ausverkauft.

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