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Leistungsschutzrecht Wikipedia kämpft für seine Freiheit

In Russland war Wikipedia letztens aus Protest gegen ein Zensurgesetz für 24 Stunden schwarz. Aber auch in Deutschland kämpft die Online-Enzyklopädie für ihre Freiheit und die Erhaltung der Creative-Commons-Lizenz.

18.07.2012 13:48
Foto: dpa

Wer letztens auf die russische Ausgabe der Online-Enzyklopädie Wikipedia zurückgreifen wollte, der sah nichts weiter als einen schwarzen Bildschirm. Aus Protest gegen ein Zensurgesetz hatten die Betreiber die Seite für 24 Stunden vom Netz genommen. In den USA erlebten Millionen Nutzer zuvor dasselbe. Die Wikipedia kämpft so für ihre Freiheit. Die „Wikipedianer“ sorgen sich aber auch um die deutsche Ausgabe.

„Freies Wissen bedeutet für uns nicht frei wie in Freibier, sondern frei wie in Freiheit“, sagt Pavel Richter, Vorstand von Wikimedia Deutschland. Richters Organisation ist der Trägerverein der hiesigen Ausgabe. Und die fühlt sich aktuell ebenfalls bedroht, etwa durch den Entwurf des Bundesjustizministeriums für ein sogenanntes Leistungsschutzrecht. Sollten damit Weblinks außerhalb des Privaten vergütungspflichtig werden, so könne dies „auch die kostenfreie Wikipedia als Wissensaggregator“ Unterlassungsansprüchen aussetzen. Das Problem dabei: Die Enzyklopädie fußt auf Links zu ihren Quellen.

„Ein sehr breiter Begriff von freiem Wissen“

„Wir haben einen sehr breiten Begriff von freiem Wissen“, sagt Richter. Wikimedia betreibe deshalb Lobbyarbeit in eigener Sache und versuche, mit Politikerin ins Gespräch zu kommen. Es geht darum, die 1,4 Millionen Artikel vor juristischen Attacken zu schützen, die allein in der deutschsprachigen Version in den vergangenen Jahren von Freiwilligen angelegt und gepflegt wurden. Immerhin ist die deutschsprachige Ausgabe längst die zweitgrößte der Welt.

Die Unterstützung für die Wikipedianer in Deutschland gilt durchaus als vorbildlich. Der Verein Wikimedia hält dafür in diesem Jahr ein Budget von 250.000 Euro vor und verleiht zudem technische Geräte wie Fotokameras und Scanner. Zuletzt konnten beispielsweise Freiwillige auf Kosten des Vereins einige Wochenenden im Kleinflugzeug über der Nordseeküste verbringen. „Die Luftaufnahmen stehen jetzt jedem frei zur Verfügung“, sagt Richter. „Ich bin schwer begeistert davon.“

Freie Daten für ein freies Lexikon

Während sich die Wikipedia - in Deutschland, aber auch weltweit - von einer Textdatenbank zu einem multimedialen Portal wandelt, stehen die Macher aber auch hier vor juristischen Hürden. Sie würden ihre Einträge gerne um Aufnahmen und auch um Statistiken erweitern, die beispielsweise Behörden veröffentlichen. Doch sie dürfen das nicht. Der Knackpunkt hier: Die Wikipedia stellt ihr Angebot unter eine sogenannte Creative-Commons-Lizenz, die Nutzern erlaubt, die Inhalte weiterzuverarbeiten. Dieses Modell aber ist vielen fremd.

„Wenn ein Foto von einem Staatsmitarbeiter gemacht wird, dann ist es frei verfügbar im Sinne unseres Freiheitsbegriffes. In den USA zum Beispiel ist das selbstverständlich“, sagt Richter. Er fordert, dass einmal mit staatlichen Mitteln bezahlte Aufnahmen und Daten etwa der statistischen Bundes- und Landesämter frei zur Verfügung stehen sollten, auch zur Weiterverarbeitung. Richter bleibt also noch viel zu tun, um die Freiheit der Wikipedia zu sichern - und auszubauen. (dapd)

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