Lade Inhalte...

Leichtathletik EM Ein flotter Vierer beim ZDF

Den Gewinn einer Bronze-Medaille der deutschen 4x100-Meter-Staffel kommentiert das ZDF auf Twitter mit dem Spruch „Unser flotter Vierer“. Sexistisch soll das nicht gemeint sein.

Leichtathletik EM
Die deutsche 4x100 Meter-Staffel: Rebekka Haase, Lisa-Marie Kwayie, Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto. Foto: dpa

Es ist Leichtathletik-EM, das ZDF ist live dabei und begleitet das Spektakel selbstverständlich auch in den sozialen Medien. Das geht aber nicht immer gut. Nachdem die deutsche 4 x 100m Staffel der Frauen, bestehend aus Rebekka Haase, Lisa-Marie Kwayie, Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto Bronze geholt hatten, twitterte das ZDF ein Bild der Vier, versehen mit der Unterschrift „Unser flotter Vierer!“

Es dauerte nicht lange, bis User der öffentlich rechtlichen Medienanstalt Sexismus vorwarfen. Denn wer ein Foto von vier leichtbekleideten jungen Frauen mit einer sexuellen Anspielung im Text versieht, der reduziert die Frauen zu Objekten der sexuellen – und zumeist männlichen – Begierde. Dadurch wird der sportliche Erfolg geschmälert, denn über den reden wir dann alle nur noch als Beiwerk. Im Mittelpunkt steht die sexuelle Verfügbarkeit und Begierde, die von der Frau ausgelöst wird. Denn sie ist ja eine Frau und sexuelles Verlangen auszulösen, ist für sie die größte zu erreichende Errungenschaft. Nicht etwa schnell laufen oder hoch springen.

Mit diesem Verhaltensmuster steht das ZDF nicht alleine da. Man kennt es, vor allem während der alle zwei Jahre stattfinden Fußball-Großveranstaltungen. Männersport eben, wer was verkaufen will, der holt die Männer am besten da ab, wo sie stehen: mittendrin im Sumpf aus sexuellen Anspielungen und Abwertungen. Und weil Fußball so erfolgreich ist, was Zuschauerzahlen und Marketingaspekte angeht, macht es Sinn, sich davon inspirieren zu lassen.

Gina Lückenkemper wird zum „Postergirl“

Der Schwesternkanal der ZDF, die gute alte ARD, war sich nicht zu schade, Gina Lückenkemper, Deutschlands beste Sprinterin, also „Postergirl der deutschen Leichtathletik“ zu bezeichnen. Auch in der „Welt“ wird Lückenkemper als „Postergirl“ bezeichnet. Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands, darf sie dort aus Marketing-Sicht außerdem noch „das perfekte Paket“ nennen. Für die „Zeit“ ist dagegen die Britin Jessica Ennis das Objekt, das man sich an die Wand hängt.

Die Nachrichtenagentur dpa schickte ihren Bericht über die Titelverteidigung von Gesa Felicitas Krause über 3000 Meter Hindernis mit der Überschrift „Lauf-Darling Krause stürmt zu Hindernis-Gold“ an Deutschlands Redaktionen.

Um sich zuvergegenwärtigen, was da schief läuft, dient ein einfaches Gedanken-Experiment: Stellen Sie sich vor, man würde die Nachricht von Martin Grau, der das Finale über dieselbe Distanz knapp verpasst hat, betiteln mit: „Schätzchen Grau verstolpert das Finale.“ Klingt irgendwie komisch und respektlos oder? Ist es auch.

Viele Twitter-User beschweren sich übrigens auch über die Kritik. Sie beklagen dann in ebenso alter Tradition den Einsatz einer „Feminazi Keule“ und/oder mangelnden Humor. Das ZDF selbst entschuldigt sich ca. eine Stunde nach dem Post für ebenjenen. Er sei in keinster Weise sexistisch gemeint – als ob keine Weise nicht genug gewesen wäre.  Und sie hätten ihn genauso bei einem Erfolg der Männerstaffel gepostet. Das kann man jetzt glauben oder eben nicht.

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen