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Kritik im Netz Hass- und Hashtag Rundfunkbeitrag

Das Netz greift die in Karlsruhe angelaufenen Verhandlungen zum Rundfunkbeitrag auf - zumeist in alarmierter Kampfbereitschaft. Zuweilen auch kritisch-konstruktiv.

Bundesverfassungsgericht
Ein Miko des SWR steht im Bundesverfassungsgericht pünktlich zu den Verhandlungen um die Rundfunkgebühr bereit. Foto: dpa

Die am Mittwoch begonnen Verhandlungen zum Rundfunkbeitrag hat im Netz vor allem dessen Kritiker auf den Plan gerufen. Unter dem Hass-, pardon, Hashtag „Rundfunkbeitrag“ entlud sich ein Shitstorm über selbigen, zuweilen tituliert als „unverschämten Pflichtbeitrag“ (@AnnetteCreft) oder „fucking Zwangsgebühren“ (@JohnyTH7428), nebst böser Seitenhiebe gegen das „öffentlich-rechtliche Gesinnungsfernsehen“ (@KLausi_Berlin).

Vor allem gegen Letzteres wendet sich der Tweet von Charles Krüger, der sich wundert, das „wir heute immer noch darüber reden müssen, ob eine privilegierte Gruppe von staatsnahen Systemjournalisten in der Lage sein dürfen, ihr Einkommen von allen anderen Menschen der Gesellschaft zu erpressen, egal, ob diese deren Arbeit gut finden“. Starker Tobak, gleich die geballte Ladung an gängiger Kritik auf gerade mal 240 Zeichen.

Das Online-Team der Tagesschau nutzt die Gunst der Stunde und twittert gleich am Morgen einen Online-Beitrag, mit dem sie einmal mehr aufklären wollte, frei nach der Frage: „Rundfunkbeitrag: Was, wann, wie viel?“ Jörg Müller alias Future_On_Mars stellte daraufhin klar: „Nur mit Gewalt werden Sie mich dazu bringen, für Ihre Willkür Geld zu bezahlen.“ Er nutze das öffentlich-rechtliche Angebot „seit fast zwei Jahrzehnten nicht“ und werde dafür auch in Zukunft nicht bezahlen.

Nur gut, dass ARD und Co weit davon entfernt sind, zu Gewalt zu neigen – und auch, dass sie ihre Inhalte inzwischen online posten, sodass selbst Future_On_Mars in deren Genuss kommt. In diese Richtung kommentiert Tim Louis Witualla: „Naja, Sie haben den Tweet der @tagesschau gelesen und darauf geantwortet…“ Für Twitter-Nutzer Marspet ist diese kleine Selbstentlarvung  gar einer der „Gründe, wieso ich Twitter liebe“ – und mutmaßlich auch die Öffentlich-Rechtlichen.

Staatstragende Diskussion?

Im wahrsten Sinn des Wortes staatstragend wie Future_On_Mars wertet auch Twitter-User wisperherz die seit heute beim Bundesverfassungsgericht angelaufenen Verhandlungen um die Rundfunkgebühr. Für ihn sei noch offen, „ob das Bundesverfassungsgericht pro bono publico entscheidet“ – also: zum Wohl des Volkes. „Wenn nicht, möge jeder für sich allein entscheiden, ob wir noch in einer #Demokratie leben, oder in einer #Diktatur.“

Hätte er nur mal @BVerfG in seinen Tweet gesetzt, dann hätte er vielleicht sogar einen Crashkurs im kleinen, verfassungsrechtlichen Einmaleins bekommen, wird doch jedes Urteil „im Namen des Volkes“ und damit urdemokratisch gefällt. Twitter-User Imperial Robo Cock mag das freilich auch nicht überzeugen, der verschwörungstheoretisierend twittert: „Glaubt doch keiner, dass die gekauften roten Roben hier fair urteilen“.

So weit gehen bei Twitter freilich nicht alle. Es kommt auch das, was man konstruktive Kritik nennen möchte, etwa von Julia Kalaschnikowa, die für Nachrichten -und Wissenschaftsformate zahlen möchte, nicht aber für „Quizshows mit Verona Pooth“ oder „Schlagerparties mit Helene“. Auch Amyra alias @myr_beck zeigt sich grundsätzlich bereit, „unabhängigen Journalismus zu bezahlen. Aber ich habe etwas dagegen als Studierender genauso viel zu bezahlen, wie Leute die ein regelmäßiges Einkommen haben.“ Bei der Bezahlung sieht auch Seppo Mathes alias @Mord0c Besserungsbedarf und klagt per Tweet: „Als Single-Haushalt genausoviel zahlen wie die 6-er WG ist ungerecht.“

Einen Spaß aus der Debatte macht sich derweil ein Online-Gebrauchtwarenhändler, der twittert: „17,50 Euro. Dafür bekommt man bei uns jeden Monat eine Tatort-DVD, eine Doppel-CD ‚Best of Schlager 2017 und ein selbstgeschriebenes Schmähgedicht“. Nicht ganz ironiefrei bleibt auch der Tweet von inhale exhale repeat alias @C_Holler, der bilanziert: „Hach, unterm Hashtag #Rundfunkbeitrag zeigt sich, wer das Land der Dichter und Denker ist. Mir geht das Herz auf.“

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