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Jobsuche im Internet Alles nur Fake

Eine neue Betrugsmasche macht Jobsuchende zu Komplizen von kriminellen Geschäften im Internet - unwissentlich.

Internet
Wer auf einem Onlineportal einen Job sucht, kann am Ende unverhofft ein Bankkonto für einen illegalen Fakeshop eröffnen. Foto: Imago

Es klingt wie das Drehbuch für einen schlechten Kriminalfilm. Aber wer auf einem Onlineportal einen Job sucht, kann am Ende unverhofft ein Bankkonto für einen illegalen Fakeshop eröffnen. „Es ist eine neue Masche, die seit Juni aus immer mehr Bundesländern gemeldet wird“, sagt Britta Groß. Sie ist Teil des Marktwächterteams der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und beschreibt die Internetfalle am Beispiel einer Berlinerin. Die war in einem seriösen Jobvermittlungsportal auf eine Stellenanzeige der Deutschen Bahn für eine Grafikerin und Webdesignerin in Heimarbeit gestoßen. Zumindest dachte die Jobsuchende das.

Die Antwort des vermeintlichen Arbeitgebers kam prompt. Sie war mit der Aufforderung verbunden, die eigene Identität per Videoidentverfahren bei einer Partnerbank zu verifizieren. Da die Stelle sehr gefragt sei, müsse das schnell geschehen. Nach der Überprüfung werde das damit pro forma eröffnete Konto sofort wieder gelöscht. Das war wie alles andere auch gelogen.

Mitbekommen hat das die Berlinerin erst, als die – seriöse – Bank ihr für das vermeintlich nie aktive Konto eine Kreditkarte zugeschickt hat, erzählt Groß. Darauf habe sie per App auf das Konto zugegriffen und viele Zahlungseingänge festgestellt, deren Absender ihr völlig unbekannt waren.

„Mit Identitätsnachweisen und Bankkonten im Internet ist es Betrügern im Internet möglich, viel Schaden anzurichten“, warnt Verbraucherschützerin Ulrike Bodenstein vom Marktwächterteam Digitale Welt. Die Konten können vor allem auch für das Betreiben illegaler Fakeshops benutzt werden, wie Marktbeobachtungen zeigen würden. In solchen Internetshops werden gegen Vorauskasse gefragte Markenwaren angeboten, welche die Betreiber gar nicht besitzen. Wer zahlt, bekommt nichts. Betreiber solcher Fakeshops tauchen in der Regel in Anonymität ab. Denn entweder hat ihre Webseite kein Impressum oder es ist gefälscht. Was sie für ihre Taten brauchen, ist ein Konto zum Abkassieren.

Über das Videoidentverfahren fischen diese Betreiber das Passwort für das neu eröffnete Konto ab und nutzen es für ihre illegalen Zwecke, erklärt Groß. Darauf eingezahlte Gelder würden dann auf andere Konten meist im Ausland weitergeleitet und sind dort in der Regel für immer verschwunden.

Betrug zum Zweck des Identitätsdiebstahls

Mittlerweile warnen nicht nur Verbraucherschützer sondern auch die Polizei in Niedersachsen sowie die Deutsche Bahn vor der Masche. Unter der Überschrift „Vorsicht, Falle!“ erklärt die Bahn auf ihrer Facebookseite, dass vermeintlich attraktive Heimarbeitsangebote der Bahn nichts mit dem eigenen Unternehmen zu tun haben und sich dahinter Betrüger zum Zwecke des Identitätsdiebstahls verbergen.

Videoidentverfahren sind immer beliebter und an sich verbraucherfreundlich, weil sie den Gang in eine Filiale ersparen. Dabei hält man ein Ausweisdokument in die Kamera eines Computers oder Smartphones und weist sich dadurch aus. Während eine solche Praxis bei der Eröffnung eines Kontos oder bei einem Mobilfunkvertrag durchaus üblich ist, bedienen sich Arbeitgeber bei Jobangeboten dessen aber nicht oder nur in seltenen Ausnahmefällen, warnt Groß. „Man sollte dann hellhörig werden“, betont die Verbraucherschützerin. Denn es lauern gerichtlich noch ungeklärte Gefahren.

Wenn das für einen Fakeshop genutzte Konto auffliegt, hätten Inhaber, die es unwissentlich für diesen kriminellen Zweck eröffnet haben, zwar strafrechtlich mangels Betrugsabsicht nichts zu befürchten, erklärt die Expertin. Zivilrechtlich sei die Problematik aber noch nicht geklärt. Geneppte Kunden könnten auf das Konto überwiesene Gelder von dessen Inhaber zurückfordern und bei Richtern, die das Handeln eines Kontoinhabers als fahrlässig einstufen, damit auch auf Gehör stoßen. Die Geldsummen, die über Fakeshop-Konten bewegt werden sind oft beträchtlich.

Wer nicht wie die betrogene Berlinerin unverhofft Post von ihrer Bank erhält, bekommt oft lange nicht mit, was im eigenen Namen eigentlich läuft, stellt Groß klar. Die unfreiwillige Kontobesitzerin habe ihr Konto sofort sperren und alle Gelder darauf einfrieren lassen, als sie von seiner Existenz erfahren hat. Zudem habe sie bei der Polizei Strafanzeige gestellt. Die Erfahrung zeigt aber, dass Betreiber von Fakeshops kaum greifbar sind. Verbraucherschützer warnen jedenfalls dringend davor, sich bei der Jobsuche auf ein Identverfahren einzulassen, vor allem, wenn kein persönlicher Kontakt zum potenziellen Arbeitgeber besteht.

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