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Jamaika Aufregung über angebliche Vizekanzler-Forderung

Sollte die Kanzlerin in einer Dreier-Koalition künftig zwei statt nur einen Stellvertreter haben? Im Lärm der Vorwürfe, die sich die Grünen für diese angebliche Forderung zuziehen, dringt das Dementi kaum durch.

Simone Peters
Grünen-Parteichefin Simone Peters hatte laut über „zwei Vizekanzler“ nachgedacht - und ihrer Partei damit einen kleinen Shitstorm im Netz eingebrockt. Foto: dpa

Das Netz hyperventiliert die angebliche Forderung der Grünen, beim Zustandekommen einer Jamaika-Koalition zwei Vizekanzler zu benennen – und einen davon selbst zu stellen. Für skeptische Beobachter der Sondierung zwischen Union, FDP und Grünen ist das offenkundig eine Steilvorlage: Von Posten-Gier ist in den sozialen Medien die Rede, von Realitätsverlust und Geldverschwendung.  „Überlegt mal warum euer Stimmenverlust so hoch ist!“, ruft „Maexchen1“ den Grünen via Twitter zu. „Wurde auch schon über Dienstwagen gesprochen oder kommt das erst morgen?“, mokiert sich „Harald“. „Kämpft für Inhalte, nicht für Posten“, fordert „cryptYcat7“ von den möglichen Koialitionspartnern. „Grüne denken nur an lukrative Pöstchen“, meint „Observer“ beobachtet zu haben. „Lulu Bu“ scheint vor Empörung  die Feststelltaste nicht mehr loslassen zu können: „DURCHGEKNALLT!!!"

Angefeuert werden die Kritiker von Parteipolitikern, die offenbar auch vier Wochen nach der Bundestagswahl noch nicht vom Wahlkampf-  auf Sondierungsmodus umgeschaltet haben.  Spiegel Online zitiert den Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, mit den Worten: „Tofu predigen, aber so schnell wie möglich an die Fleischtöpfe wollen: typisch grün“.  

Auch sein Amtskollege Peter Tauber von der Schwesterpartei kann der Versuchung nicht widerstehen, Honig aus der Aufregung zu saugen. Den RBB sagt der CDU-Generalsekretär: „Wenn wir bei Jamaika als erstes über Posten diskutieren und wie die dann heißen, dann wird das dem Anspruch, den wir an uns selbst haben sollten, nicht gerecht.“

Aber haben die Grünen  wirklich zwei Vizekanzler gefordert? Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dementiert: „Nein, das haben wir nicht gefordert. Wir haben überhaupt keine Posten gefordert.“ Es gehe vielmehr um Koordination auf Augenhöhe. „Anders geht es nicht. Nur dann kann so eine Zusammenarbeit vernünftig funktionieren.“ Bei Grünen-Parteichefin Simone Peters klang das allerdings zuvor anders:  „Wenn es zwei Partner gibt, gibt es zwei Funktionen, nämlich Kanzlerin und Vize-Kanzler", hatte sie erklärt, „und wenn es drei gibt, macht es Sinn, dass es noch einen Vize-Kanzler mehr gibt.“

Nicht so eindeutig hingegen äußerte sich der Grünen-Geschäftsführers Michael Kellner in der „Bild“: „Die Koordination der Regierungsarbeit kann in so einer möglichen Koalition nicht nur im Kanzleramt und bei einem weiteren Partner, sondern muss bei allen drei liegen: Union, Grünen und FDP“. Die Interpretation, Kellner habe sich damit ähnlich wie Peters geäußert, zieht nicht nur der Grüne Reinhard Bütikofer in Zweifel: „Michael Kellner soll zwei Vizekanzler in einer Jamaika-Koalition gefordert haben. Ist mir neu“, twittert er.

Auf Twitter müht sich unter anderem der Ulmer Grüne Michael Joukov um Schadensbegrenzung. Auf die Forderung von „CryptYcat7“, für Inhalte und nicht für Posten zu kämpfen, antwortet er: „Tun wir,  es handelte sich bei der angeblichen Vizekanzler-Forderung um Falschmeldung/Überinterpretation“. 

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