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Israel „Kronprinz“ Netanjahu pöbelt online

Mittelfinger und Häufchen-Emoji: Netanjahu Junior teilt im Netz gerne aus. Jetzt hat er sich eine Verleumdungsklage eingefangen.

Netanjahu
In den sozialen Medien initiiert Jair Netanjahu (r.) Kampagnen für seinen Vater, von israelischen Medien wird er spöttisch „unser Kronprinz“ genannt. (Archiv) Foto: rtr

Jair Netanjahu ist 25 Jahre alt, beruflich unentschlossen und schätzt wie manche Altersgenossen das „Mama-Hotel“, in seinem Fall die Residenz des israelischen Premiers. Kritik daran, dass er dort auf Kosten der Steuerzahler lebe, Chauffeur und Bodyguards in Anspruch nehme und sich die Zeit mit Boykottaufrufen gegen Araber vertreibe, verträgt er weniger gut. Als jüngst die Organisation Molad, die sich der Erneuerung der israelischen Demokratie verschrieben hat, all dies monierte, sah Netanjahu Junior rot.

Molad sei eine „radikale, anti-zionistische Organisation“, die sich von der „Stiftung zur Zerstörung Israels“ (gemeint war offenbar der linke New Israel Fund) sowie der Europäischen Union finanzieren lasse, legte er bei Facebook los und setzte noch zwei Emojis, einen Stinkefinger und einen Hundehaufen, darunter. Das war durchaus als Anspielung zu verstehen. Kurz zuvor nämlich hatte sich eine Dame aus dem Park über Jair Netanjahu beschwert, der auf ihr Verlangen hin, die Exkremente des von ihm ausgeführten Vierbeiners zu entfernen, den Mittelfinger hochgereckt habe.

Bei beleidigenden Sprüchen schwer zu überbieten

Und weil der Premiersprössling gerade dabei war, setzte er noch eins obendrauf. Die NGO Molad, die politisch dem Friedenskurs des früheren Regierungschefs Ehud Olmert nahesteht, solle sich lieber dessen Sohn Ariel vorknöpfen, empfahl Jair. Denn der habe einen palästinensischen Liebhaber, was womöglich die Staatssicherheit gefährde.

Alles in allem eine faktenfreie Darstellung. Molad definiert sich als zionistisch und bezieht weder Geld vom New Israel Fund, noch von der EU. Ariel Olmert wiederum stellte klar, er finde nichts dabei, schwul zu sein oder ein Palästinenser, stehe selbst aber auf Frauen und lebe mit Freundin und Tochter.

Zurücknehmen allerdings mochte der junge Netanjahu nichts, der in den sozialen Medien Kampagnen für seinen Vater initiiert und von israelischen Medien spöttisch „unser Kronprinz“ genannt wird. Und entschuldigen schon gar nicht. Dafür hat er nun eine Verleumdungsklage am Hals, welche die Molad-Anwälte Donnerstagmittag einreichten.

Manche Israelis fragen sich nun, ob Jair mehr nach Mutter Sara komme, die sich öfter mit aller Welt anlegt, oder doch eher in die Fußstapfen seines nicht eben für Wahrheitstreue bekannten Vaters trete. Aber eigentlich ist das egal. Er hat gezeigt, dass er sich bei beleidigenden und rassistischen Sprüchen nicht so leicht überbieten lässt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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