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iPhone Apple bittet zur Kasse

Im neuen Apple Park kann Tim Cook die hochgesteckten Erwartungen weitgehend erfüllen. Doch die iPhone-Neuerungen haben ihren Preis.

12.09.2017 21:40
Cook präsentiert iPhone X
Apple-Chef Tim Cook präsentiert das neue iPhone X. Foto: Marcio Jose Sanchez

Vor einem Jahrzehnt fragte Apple-Mitbegründer Steve Jobs seine iPhone-Premierengäste noch, ob sie sich überhaupt ein Gerät vorstellen können, in dem ein Musikplayer, ein Mobiltelefon und ein tragbarer Internet-Computer vereint sind. Die Fans im Saal johlten und ahnten, dass sie einem historischen Moment beiwohnen. Apple-Konkurrenten wie Microsoft, der Blackberry-Anbieter RIM und Nokia reagierten damals im Jahr 2007 zwar äußerlich cool und distanziert, verfielen intern aber in panische Aktivitäten, um der angekündigten Technik-Revolution von Apple etwas entgegenzusetzen.

Zehn Jahre später muss eine neue Generation von Apple-Wettbewerbern (Samsung, Huawei, LG, Lenovo und andere) nicht mehr in Panik geraten, wenn der aktuelle Apple-Chef „One More Thing“ verkündet: Die meisten der Neuheiten, die Tim Cook – der Nachfolger von Steve Jobs – auf dem neuen Firmen-Campus Apple Park vorstellte, waren ohnehin vorab durchgesickert. Und die von Apple am Dienstag dann tatsächlich präsentierten Innovationen, wurden in der Regel nicht von Apple erfunden oder zuerst auf dem Markt eingeführt.

So konnte bereits das Smartphone Palm Pre ohne Kabel aufgeladen werden, das im Januar 2009 auf der CES in Las Vegas vorgestellt wurde. Und ein fast randloser OLED-Bildschirm, mit dem Apple jetzt das neue iPhone X bewarb, konnte man 2017 schon bei diversen Smartphones bewundern, darunter dem Samsung Galaxy S8 und Note 8, dem G6 von LG oder beim Essential-Phone von Android-Erfinder Andy Rubin.

Dennoch behauptete Apple-Boss Cook, das neue iPhone X fühle sich „wie die Zukunft des Smartphones“ an. Dahinter steckt das gesunde Selbstbewusstsein, dass es einen Unterschied ausmacht, wenn Apple in eine Technologie einsteigt oder (noch) nicht. So verfügen die neusten Spitzen-Smartphones von Apple-Wettbewerber Samsung bereits seit Monaten über eine Gesichtserkennung. Doch in unabhängigen Tests zeigte sich, dass sich bei diesen Geräten die biometrische Funktion mit einem Foto austricksen ließ.

„Face ID“ soll bei Tag und Nacht funktionieren

Apple verspricht dagegen, dass seine „Face ID“ bei Tag und Nacht funktioniert – und sich dabei auch nicht durch Fotos aushebeln lässt. Das System soll selbst dann richtig reagieren, wenn die Anwender die Frisur verändern oder Hüte oder Sonnenbrillen tragen. Selbst wenn sich ein User einen Bart wachsen lässt, soll „Face ID“ nicht aus dem Tritt geraten.

Auch beim Thema Display-Technologie zeigt sich Apple selbstbewusst. Man biete nicht den erste OLED-Bildschirm, aber den ersten richtig guten. Beim ersten Hinschauen auf dem Apple-Event hinterließen die Farben auf dem Bildschirm des neuen Flaggschiffs iPhone X beim tatsächlich einen etwas natürlicheren Eindruck als die entsprechenden Displays der Wettbewerber. Ob das den Superlativ von Apple aber rechtfertigt, müssen erst umfangreichere Tests beweisen.

Und auch bei der drahtlosen Ladetechnologie spielt es für Apple kaum eine Rolle, dass das Qi-Format schon seit langer Zeit von etlichen Herstellern verwendet wird. Hier kommt es auf die Durchschlagskraft am Markt an. Experten vermuten, dass erst nach dem Einstieg von Apple beispielsweise Hotels im großen Stil anfangen werden, ihre Zimmer mit drahtlosen Qi-Ladeschalen für ihre Gäste auszustatten.

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