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Interview „Wir brauchen digitale Grundrechte“

Experte Noel Sharkey warnt vor Missbrauch.

Der Roboter-Experte Noel Sharkey arbeitete in den 1990er Jahren an der BBC-Serie „Robot Wars“ mit. Er weiß um die Chancen, aber auch um die Gefahren künstlicher Wesen. Foto: Privat

Die Roboter werden den Menschen immer ähnlicher. Ist das nicht ein Riesenfortschritt für uns alle?
In der Tat können Roboter und die künstliche Intelligenz der Menschheit einen ungeheuren Vorteil verschaffen. Von der Technologie können alle profitieren, wenn man sie richtig einsetzt. Wenn die Gesellschaft sich aber nicht darauf verständigt, wie Roboter eingesetzt werden sollen, wären die Konsequenzen fürchterlich. Wichtig ist, dass die Forscher sich klar machen, dass die Technologie, die sie da entwickeln, nicht nur den Menschen hilft, sondern auch sehr zerstörerisch ist. Wenn ein Produkt wie ein Roboter erst einmal auf dem Markt ist, kann niemand mehr kontrollieren, wozu er am Ende benutzt wird. Sogar ein Putzroboter lässt sich sehr einfach umprogrammieren.

Also können auch Terroristen Roboter einsetzen. Oder wäre das zu teuer?
Selbstverständlich geht das. Überall im Internet kursieren mittlerweile Anleitungen zum Bau von Robotern. Wenn man das Material recycelt, kostet das gerade mal 100 Euro. Denkbar wäre, dass Terroristen hunderte von fahrenden Robotern ins Stadtzentrum lotsen. Die Polizei könnte dann sicherlich einige aufhalten, aber gewiss nicht alle. Die Behörden in Großbritannien sind sich aber der Gefahr bewusst und überwachen genau, welche verdächtigen Bauteile bestellt werden.

Was halten Sie von der Idee, Roboter verstärkt in unseren Alltag zu integrieren?
In vielen Bereichen wie in der Medizin, bei der Nahrungsproduktion oder dem Klimaschutz sind Roboter von großem Nutzen. Ein gutes Beispiel ist auch die Altenpflege. Menschen können länger allein zuhause leben, wenn Roboter ihnen etwa im Badezimmer helfen. Werden die Roboter allerdings aus ökonomischen Interessen zur Überwachung der Privatsphäre eingesetzt, wäre das fatal. Es ist doch eine beängstigende Vorstellung, nicht zu wissen, wer sich im Kontrollraum die Kamera-Aufnahmen des Roboters ansieht.

Heißt das, dass sich der Einsatz der Roboter-Technologie letztlich nicht steuern lässt?
Wir können nicht verhindern, dass Roboter auch zu schlechten Zwecken eingesetzt werden. Das einzige, was wir tun können, ist mit den Verantwortlichen, die diese Technik nutzen, zu diskutieren. Wenn wir sie auf Probleme aufmerksam machen, können sie Maßnahmen gegen eventuellen Missbrauch ergreifen.

Es bedarf also ethischer Regeln für den Einsatz von Robotern?
Wenn Roboter mit Menschen interagieren, sollten an dieser Entscheidung stets Menschen beteiligt sein. Wir brauchen dringend Leitlinien, wie Menschen Roboter einsetzen, etwa in der Krankenpflege, aber auch auf dem Schlachtfeld bei den Kampfrobotern, die darauf programmiert sind, Menschen zu töten. Sehr positiv finde ich es, dass junge Wissenschaftler sich angesichts der rasanten technischen Entwicklungen verstärkt mit Menschenrechten, sozialen Belangen und ethischen Fragestellungen befassen. Das ist sehr wichtig.

Aber wie können wir sicher- stellen, dass neue Technologien uns keinen Schaden zufügen?
So wie die Menschenrechte universell gelten, müssten sich die Regierungen auch auf digitale Grundrechte verständigen, die international gültig sind. So dass jeder Mensch sofort auf einen Blick sieht, welche Rechte er hat, wenn es um den Schutz seiner Privatsphäre oder den Einsatz von Robotern geht.

Interview: Franziska Schubert

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