Lade Inhalte...

Hass im Netz Hetze bei Youtube und Co.

Sie spielen „Minecraft“, geben Schminktipps, erzählen aus ihrem Alltag – und dazu gibt es ein wenig Rassismus: Nicht jeder Youtube-Star ist so harmlos, wie er scheint.

15.12.2017 07:13
Digital
Ein bisschen Hass muss sein? Hetze bei Youtube und Co. Foto: dpa

Der Feind versteckt sich, aber Pewdiepie hat ihn im Visier. Er legt an und schießt. Der Gegner rennt weg, hechtet hinter ein Auto. Pewdiepie feuert noch mehrfach, trifft aber nicht. Frust kommt auf. „What a fucking...“, schimpft er in sein Mikrofon – gefolgt von einem englischen Schimpfwort für Schwarze, das weithin geächtet ist.

In der Online-Welt mancher Videospiele sind solche Ausdrücke trauriger Alltag. „Pewdiepie“, der eigentlich Felix Kjellberg heißt, ist aber nicht irgendein Videospieler – sondern ein Superstar. Auf Youtube hat er mehr als 57 Millionen Abonnenten, fast jeder seiner Videos und Live-Streams wird von Tausenden Fans gesehen. Auch der rassistische Ausbruch im Shooter „Player Unknown‘s Battlegrounds“.

Frauenfeindlichkeit und Rassismus

Und Kjellberg ist zwar der größte, aber längst nicht der einzige Youtube-Star, dem solche Entgleisungen unterlaufen – vor einem oft jungen Publikum. Viel Aufregung gab es 2017 zum Beispiel um Jonathan Jafari alias JonTron, eigentlich bekannt für lustig-harmlose Videos über Computerspiele, der plötzlich krude rassistische Theorien von sich gab. Und auch in Deutschland gibt es Youtuber, die unbekümmert-uninformiert über heikle Themen wie Abtreibung reden, Schimpfwörter wie „Zigeuner“ brüllen, frauenfeindliche Sprüche klopfen oder in Wehrmachts-Uniformen auftreten.

Welche Wirkung hat das auf Minderjährige, die solche Videos sehen? „In der Marketing-Sprache rangieren viele Youtuber als „Influencer“», erklärt Kristin Langer von der Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“. Wörtlich übersetzt ist ein Influencer ein „Beeinflusser“. Und das ist auch korrekt, sagt die Expertin. „Kinder und Jugendliche sind in dem Alter, in dem sie über diesen Kanal Videos konsumieren, oft sehr offen und empfänglich für Beeinflussung.“

Die Frage ist nur: Wie groß ist das Problem eigentlich? Denn für jeden Youtuber, der rassistischen oder sexistischen Unfug verbreitet, gibt es vermutlich zehn völlig harmlose Videostars – und immer wieder genug Akteure, die sich mit deutlichen Worten gegen Hass und Hetze positionieren. „Auf Youtube sind grundsätzlich alle Meinungen zu finden, die Sie auch in der Gesellschaft finden“, sagt Medienpädagoge und Ratgeber-Autor Björn Friedrich.

Viel pubertäre Provokation

Allerdings findet sich unter den vermeintlichen Hassvideos auch viel pubertäre Provokation, die nicht immer ganz ernst gemeint ist - ähnlich wie im Hip-Hop. „In Jugendkulturen hat oft alles, was nicht „political correct“ ist, eine gewisse Coolness“, erklärt Miro Dittrich von der Amadeu-Antonio-Stiftung. „Oft geht es da eigentlich um Provokation, auch um Ironie oder ein gewisses Ausprobieren.“

Nicht immer kommt das aber auch so an. „Gerade bei Youtubern, die ein großes Publikum haben, gibt es dann aber immer Zuschauer, die solche Ironie nicht verstehen“, sagt Dittrich. Und in der kurzen Geschichte des Internets gibt es genug Beispiele für Spaß, aus dem bitterer Ernst wurde. 4Chan und Co. etwa – anonyme Foren, in denen sich Nutzer darin überbieten, möglichst schockierende Bilder, Videos oder Texte zu posten. Ernst gemeint war das zu Beginn nicht. Doch inzwischen sind zumindest Teile von 4Chan ein echtes Nazi-Sammelbecken geworden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen