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Hacker Der TÜV sucht nach Hackern

Deutschlands größter Prüfkonzern stellt sich der digitalen Herausforderung.

Kühlschrank
Der smarte Kühlschrank denkt mit, muss aber auch auf digitale Schwachstellen getestet werden. Foto: © Steve Marcus / Reuters (X00642)

Deutschlands größter Prüfkonzern TÜV Süd sucht derzeit recht spezielles Personal. „Unser bester Hacker sitzt in Singapur und ist Russe“, sagt Konzernchef Axel Stepken zur Bilanzvorlage in München. Er hacke natürlich im Auftrag von TÜV-Kunden, um deren digitale Systeme auf Schwachstellen zu testen, schickt der Manager hinterher. Das gehe von der intelligenten Fertigungsstraße mit Internet-Anschluss bis zu selbstfahrenden Roboterautos, deren Prüfung der TÜV zum Wachstumsgeschäft der Zukunft machen will. Dazu benötigt er entsprechende IT-Experten, um die mittlerweile weltweit ein Streit um Talente ausgebrochen ist. In dem muss der TÜV als Mittelständler gegen Großkonzerne und Regierungen bestehen, sollen die eigenen Visionen einmal Realität werden.

Mit Hackern umgeben sich die Bayern dabei, weil sie in dunkle Ecken blicken, wo Cyberkriminelle ihr Unwesen treiben. „Das ist die hässliche Seite der Digitalisierung“, sagt Stepken. Das erste digitale TÜV-Zentrum dafür wurde mit Blick auf vor allem hierzulande rare Spezialisten nicht von Ungefähr voriges Jahr in Singapur gegründet. Das zweite Zentrum dieser Art soll in wenigen Wochen in München öffnen, aber getrennt von der TÜV-Zentrale in spezieller Nerd-Atmosphäre, wie die TÜV-Manager sich ausdrücken. Anders komme man nicht an die überall begehrten Fachkräfte.

Unbestritten ist die Katalysatorwirkung der Digitalisierung. Die Beratungsgesellschaft McKinsey schätzt den Mehrwert, der 2025 global allein durch digitale Produktion entsteht, auf 3,7 Billionen Dollar. „Erst Sicherheit lässt aus Innovation auch Fortschritt werden“, betont Stepken.

Um das geschäftlich nutzen zu können, hat der TÜV Süd mit Dirk Schlesinger nun auch einen eigenen Digital-Vorstand. 2016 haben die Münchner erstmals ein Zertifikat für die Cybersicherheit eines industriellen Automatisierungssystems vergeben. Solaranlagen prüft der TÜV-Süd mittlerweile per Drohnen und Infrarot und Windenergieanlagen automatisiert mit Schnittstelle beim Betreiber. Künftig soll es auch darum gehen, die vielen Daten, die bei einer TÜV-Prüfung anfallen, intelligent aufzubereiten.

Einstweilen schlägt sich der TÜV-Süd aber auch mit dem herkömmlichen Geschäft recht passabel. Die Umsätze wuchsen 2016 um sechs Prozent auf erstmals mehr als 2,3 Milliarden Euro. Die Hälfte des Zuwachses entfiel auf eine größere Akquisition. Der Konzernüberschuss stieg auch dank Sondereffekten um 15 Prozent auf 131 Millionen Euro.

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