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Grimme Online Award Grimme Online Award: Die Nominierten

Ins Finale um den Preis für den "Grimme Online Award" 2016, dem Preis für Publizistik im Netz, gehen neben Blogs und Podcasts auch Twitter-Accounts, Multimedia-Reportagen, eine App aus Frankfurt und ein Meme. Ebenfalls nominiert: Crossover-Publizist Jan Böhmermann.

Satiriker Jan Böhmermann geht in der Kategorie "Spezial" ins Rennen - nominiert für das Bespielen seiner nahtlos verzahnten Online-Präsenz. Foto: dpa

Auch wenn man manchmal den Eindruck bekommen könnte: Das Web ist weit mehr als nur Hatespeech und Gerüchteschleuder. Das zeigt auch der aktuelle Jahrgang der Nominierten für den Grimme Online Award. Aus der Vielzahl von guten Online-Angeboten die digitalen Perlen herauszufischen - die Nominierungskommission nennt es "ein Luxusproblem". Heute stellte das Grimme-Institut die 28 Angebote vor, die es ins Finale geschafft haben, darunter Blogs, Multimedia-Reportagen, Podcasts, Twitter-Accounts, ein YouTube-Kanal, ein Meme - und Jan Böhmermann.

Der "Scrolly", das Erzählformat mit Text, Bilder und Ton, kann inzwischen auch im deutschsprachigen Web als etabliert gelten. Anwendungen wie Pageflow, die die Realisierung einfach machen, treiben die Verbreitung voran. Umso wichtiger werden die Inhalte. Ein gelungenes Beispiel sieht die Nominierungskommission in der Multimedia-Reportage Draußen von Kathrin Aldenhoff und China Hospon (Weserkurier): Die beiden waren einen Tag lang mit dem obdachlosen Peter True in Bremen unterwegs, haben seine Welt in eindrücklichen Bildern festgehalten und lassen ihn selbst von seinem Alltag erzählen.

Thematisch spiegelt sich auch in vielen Online-Reportagen wider, was die Gemüter in Deutschland bewegt wie kaum etwas anderes: Zahlreiche Angebote beschäftigen sich mit Flucht und Asyl. Sandalen im Schnee, eine Reportage vom Schweizer SRF, beginnt, wo andere mit dem Berichten aufhören. Was passiert eigentlich, wenn Geflüchtete in Europa angekommen sind? Wie ist das, mit Wildfremden in Gemeinschaftsunterkünften zu leben, deren Sprache man oft nicht spricht? Welche Fragen stellen die Behörden eigentlich, wenn sie den Asylantrag prüfen? Und wie schafft man es, Anschluss an die Einheimischen zu finden - vor allem, wenn die das vielleicht gar nicht wollen?

Ohne großen Verlag im Rücken

Unter den Nominierten sind aber auch kleine, privat betriebene Angebote wie das historische Echtzeit-Blog Opas Krieg: Christian Mack veröffentlicht Feldpostkarten seines Großvaters, und das auf den Tag genau 100 Jahre, nachdem sie verschickt wurden. Es ist der Versuch, sich auf persönliche Weise der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ zu nähern.

„Das Internet wird nicht nur zur Information, sondern auch und zur Zeit verstärkt zur Desinformation genutzt – gerade darum ist die Auseinandersetzung und Aufklärung wiederum im Netz wichtig: schnell und jederzeit verfügbar und aus verlässlicher Quelle, deren Vertrauenswürdigkeit sich manchmal genau daraus speist, kein Verlagshaus, keine Partei und kein Digital-Promi zu sein“, so die Nominierungskommission. Mit der Hoaxmap schickt das Gremium ein Angebot ins Finale um den Grimme Online Award, das systematisch Gerüchte über Asylsuchende sammelt und dokumentiert, wo sie widerlegt werden: eine Dunstabzugshaube in der Gerüchteküche.

Gleich drei Podcasts sind im Rennen: Technische Aufklärung verfolgt akribisch den im März 2014 eingesetzten Geheimdienst-Untersuchungsausschuss und beleuchtet dabei auch die Details, die vielen etablierten Medien zu kompliziert sind. In Staatsbürgerkunde. Vom Leben in der DDR spricht Martin Fischer mit wechselnden Gesprächspartnern Aspekte wie Propaganda, Gesundheitssystem oder Ost-West-Freundschaften. Puerto Patida ist eine Rätsel-Hörspiel zum Mitmachen, erdacht und umgesetzt von Johannes Wolf. Soeben hat die zweite Staffel begonnen.

In der Kategorie "Spezial" ist die anonyme Streetart-Künstlerin Barbara nominiert, die in deutschen Städten kritische Botschaften an Werbeplakaten oder Verkehrsschildern hinterlässt - ein Meme aus der Kohlenstoffwelt.

Unbekanntes zeigen, Unbeachtetes beobachten

Auch Twitter-Accounts gehen ins Rennen um den Grimme Online Award 2016 – weil es ihnen „gelingt, Nischen zu füllen: Sie nehmen ihre Follower in unbekannte Alltagswelten mit oder dokumentieren, was andernfalls unbeobachtet bliebe.“ So lässt sich der Wanderschäfer Sven de Vries mit seiner Herde unter @schafzwitschern begleiten, und bietet so einen Einblick in einen ungewöhnlichen Berufsalltag. @streetcoverage dokumentiert, wo rechte Demos stattfinden (und was dort passiert): Ein Liveticker von dort, wo TV-Kameras gerade nicht hinhalten.

Erneut könnte in diesem Jahr ein Grimme Online Award nach Frankfurt gehen: Wie schon 2015 ist auch diesmal wieder das Städel-Museum unter den Nominierten, diesmal mit der Spiele-App Imagoras, die Kinder (und Erwachsene) kreuz und quer durch Gemälde schickt, um sie zu erkunden und Aufgaben zu lösen. Auch wer meint, die Originale im Museum gut zu kennen, kann hier neue Details entdecken.

Die Nominierten im Überblick:

Eine Jury wird in den nächsten Wochen aus den 28 Nominierten bis zu acht Preisträger ermitteln. Die Preisverleihung findet am 24. Juni 2016 in der Kölner Flora statt.

Die Autorin ist Preisträgerin des Grimme Online Award, gehörte danach mehrere Jahre zur Jury und ist 2016 erstmals Mitglied der Nominierungskommission.

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